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Posten weg, aber Inspektion dazu

Eine weitere Dienststelle der Polizei im Kreis fällt weg. Hemmingen wird mit dem größeren Schwieberdinger Posten zusammengelegt. Dafür könnte in einigen Jahren ein alter Bekannter wieder herziehen: die Autobahnpolizei.

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Strohgäu. Wenn in dem kleinen Polizeiposten ein Bürger an der Türe klingelt oder ein Einsatz ansteht, bedeutet das für die Beamten einen Extraaufwand. Denn weil sie keine Sicherungsschleuse haben, müssen sie einiges zusätzlich beachten. Und weil sie einsatz-, urlaubs- oder krankheitsbedingt oft alleine im Gebäude sind, müssen sie, ebenfalls aus Sicherheitsgründen, erst warten, bis Verstärkung anrückt. Das alles ist aus Sicht der Polizei oft wenig effizient, zudem kosten mehr Standorte auch mehr – einige kleinere Posten sind deshalb schon fusioniert worden, auch im Kreis Ludwigsburg, wo der Prozess nach einer weiteren Zusammenlegung zum Jahreswechsel abgeschlossen sein soll.

Betroffen ist in dem Fall der Polizeiposten im ersten Stock des Alten Rathauses in Hemmingen, was künftig dort sein wird, ist noch offen. Die beiden Beamten sollen in das Gebäude der aktuell vier Schwieberdinger Kollegen einziehen, die damit auch organisatorisch dem Ditzinger Revier und nicht mehr Vaihingen zugeordnet werden. Platz sei in dem Gebäude in der Stuttgarter Straße ausreichend vorhanden, ebenso Duschen und Umkleiden, vor allem aber die geforderten Sicherheitsstandards, geht aus einer Präsentation des Polizeipräsidenten Burkhard Metzger im Hemminger Gemeinderat hervor. Zudem würde mit nur noch einer Postenleitung weniger administrativer Aufwand fällig. Und er sieht noch mehr Vorteile, auch für die Bürger: Die Dienstzeiten, gerade mit Blick auf Spätdienste, könnten flexibler gestaltet und die Öffnungszeiten verlängert werden, „was sich insgesamt positiv auswirken wird“, so die Einschätzung auch aufgrund früherer Fusionen, die mehr Möglichkeiten zur Präsenz auf den Straßen geschaffen habe.

Nachteile soll es auch für die Hemminger Einwohner nicht geben, „allein schon aufgrund der geringen Entfernungen“, wie es heißt. Und weil es in dem bisherigen Einzugsbereich, zu dem noch der Ditzinger Ortsteil Heimerdingen gehört, keine größeren Brennpunkte gebe. Das gilt zwar auch für Schwieberdingen, das Verkehrs- und Unfallaufkommen ist dort aber aufgrund der Nähe zur B10 und A81 höher, was ebenfalls für eine Stärkung dieses Standorts spricht.

Argumente, die den kommunalen Verantwortlichen in Hemmingen schlüssig erschienen, wenngleich „keiner begeistert ist“, wie das Bürgermeister Thomas Schäfer formulierte. Allerdings sei der Abzug schon lange befürchtet worden, jedes Mal, wenn eine neue Reform oder Korrekturen verkündet wurden, er spricht von einem „Sterben auf Raten“. Ähnlich war auch die Stimmungslage in Möglingen. „Ich kann die Beweggründe nachvollziehen, aber für die Bürger ist es schwer zu akzeptieren, dass ihr Polizeiposten wegfallen soll“, hatte Bürgermeisterin Rebecca Schwaderer gesagt. Ihr und dem Gemeinderat hatte Metzger im März die Pläne für die Verlagerung nach Asperg vorgestellt. Sie wurde kurz darauf auch schon früher als geplant vollzogen, weil der bisherige Polizeiposten-Leiter wegen coronabedingter Personalmaßnahmen die Aufgabe eines Dienstgruppenleiters beim Revier in Kornwestheim übernommen hat. Der Betrieb in Möglingen sei „mit dann 1,5 Haushaltsstellen schon aus Eigensicherungsgründen nicht mehr möglich gewesen“, heißt es aus dem Präsidium.

Autobahnpolizisten sollen umziehen

Sorgen über Engpässe, die man bei der Autobahnpolizei in Stuttgart-Vaihingen so nicht hat. Dort sind im Zuge der landesweiten Strukturreform Anfang 2014 mehr als 40 Beamte aus Ditzingen in die Verkehrspolizeidirektion nahe dem Unicampus eingegliedert worden, sie kümmern sich um Unfälle und Kontrollen auf der A8 und der A81 in den Kreisen Ludwigsburg und Böblingen. Allerdings wohl nicht viel länger als bis zum Jahr 2023. Denn dann soll die Verkehrspolizeiinspektion des Polizeipräsidiums in die Wildermuth-Kaserne in Böblingen umziehen, nahe an der A81-Auffahrt und wo schon jetzt einige Polizeieinrichtungen untergebracht sind. Details zum genauen Zeitpunkt stehen noch nicht fest, wohl aber, dass es dann zur Versorgung des Kreises Ludwigsburg auch auf dessen Gemarkung einen Verkehrsdienst geben müsse. Und dafür sei ein Standort „im Raum Ditzingen“ im Gespräch, heißt es aus dem Polizeipräsidium, mehr könne man noch nicht sagen.

Zumindest die Große Kreisstadt selbst hat aber schon mal erste Schritte getan, damit die Autobahnpolizei wieder dorthin kommen kann, wo sie einst war. Der Gemeinderat hat unlängst einer Absichtserklärung mit dem Land über das Gelände des Logistikzentrums an der Siemensstraße zugestimmt. Diese Einrichtung, die die Landesbediensteten von Baden-Württemberg und Hessen mit Material, von der Büroausstattung bis zur Bekleidung, versorgt, muss modernisiert, aber auch umgebaut werden. Hintergrund ist der Ausbau des staugeplagten Zubringers zur A81-Anschlussstelle Feuerbach.

Um das Gelände war lange gerungen worden, auch weil das Land lange keine Änderungen für seine Liegenschaft vorsah. Die nun bestätigte Erklärung sieht vor, dass sich Ditzingen nicht mehr an den Baukosten für das Logistikzentrum beteiligen muss, dafür aber eine höhere Bebauung erlaubt, die Rede ist von sechs Vollgeschossen in dem Gebiet, in dem sonst drei bis fünf Stockwerke vorherrschen. Mit einer Bebauung auf weniger Grundfläche, als mal gedacht wäre, aber vielleicht Platz für noch mehr Polizei – denn das in einem Wohngebiet untergebrachte Revier mit seinen rund 80 Beschäftigten klagt über zu wenig davon. Vielleicht also müssen in einigen Jahren weitere Beamte im Kreis Umzugskartons packen.

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