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Protest im Löscher gegen die Dauerbeschallung

Anwohner der Möglinger Grundschule im Löscher klagen über den Lärm, der vom Schulhofgelände kommt und fordern die Gemeinde auf zu handeln.

„Wir werden nicht ernst genommen“: Anwohnerinnen im Möglinger Quartier Löscher klagen über den Lärm, der vom Gelände der dortigen Grundschule ausgeht und haben sich zu einer Initiative zusammengetan. Foto: Andreas Becker
„Wir werden nicht ernst genommen“: Anwohnerinnen im Möglinger Quartier Löscher klagen über den Lärm, der vom Gelände der dortigen Grundschule ausgeht und haben sich zu einer Initiative zusammengetan. Foto: Andreas Becker

Möglingen. „Wir werden nicht ernst genommen“, sagt Elke Gaertner, die gleich neben der Schule wohnt. Seit etwa einem Jahr spitze sich die Situation zu. Inzwischen haben sich laut Gaertner mehr als 80 Anwohner zu einer lockeren Initiative zusammengetan, die für ihre Ruhe am Abend und am Wochenende kämpft: für geräuschdämpfende Regelungen und für die Einhaltung der Öffnungszeiten. Dass die Verwaltung als Kompromiss 18.30 Uhr festlegte (gesetzlich gilt 20 Uhr), sei für sie ein positives Signal gewesen, doch funktioniere die Durchsetzung nicht.

Um den Lärm zu mildern, wünschen sich die Anwohner schallschluckende Hecken rund ums Gelände, am Spielplatz wie am roten Bolzplatz zur Wartbergstraße. Am Basketballkorb sollten zumindest dämmende Matten ausgelegt werden. Am schlimmsten sei der Lärm auf dem Bolzplatz. „Es knallt und scheppert, dass man zusammenzuckt. Daran kann man sich nicht gewöhnen“, sagt Tamara Hönig. Diese Geräusche dämpfen könnten Fußballtore oder Ballfangnetze vor dem Metallzaun. Durch die abgesenkte Lage und durch das Schulgebäude als Resonanzkörper werde der Schall drastisch verstärkt. „Wenn sich jemand in normaler Lautstärke unterhält, höre ich das in der Küche“, so Hönig. „Natürlich sollen Kinder hier spielen können“, betonen auch Rosemarie Havelka und Gaby Strednicki – zur festgelegten Zeit allerdings.

Die Situation habe sich vor zwei Jahren geändert, nachdem der Bolzplatz im Löscher dem neuen Kinderhaus gewichen sei und der Schulhof für alle geöffnet wurde. Früher sei das Gelände abgeschlossen worden, nun nurmehr am Wochenende in der Mittagspause. Das übernimmt im Auftrag der Gemeinde ein Anwohner, „der das auch gut macht“. Den beauftragten Sicherheitsdienst habe man am Freitag zum ersten Mal gesehen.

Die Frauen kritisieren, es mangele im Ort an Angeboten, so dass „alle zu uns“ kämen. Zudem warte man immer noch auf die vom Gemeinderat beschlossene Sanierung des Bolzplatzes am Abenteuerspielplatz (Abi). „Der Spielplatz der Schule sollte eigentlich nur so lange geöffnet sein, bis der Bolzplatz am Abi fertig ist“, so Gaertner. Dass sich das so lange hinziehe, habe man nicht ahnen können.

Die Möglinger Bürgermeisterin Rebecca Schwaderer schildert in einer ausführlichen Stellungnahme die missliche Lage, als Kommune den Bedürfnissen beider Seiten gerecht werden zu müssen und verweist auf vereinbarte Kompromisse. Kontrollen fänden statt, Protokolle dürften aus Gründen des Datenschutzes jedoch nicht weitergegeben werden. „Aus Sicht der Verwaltung und des Gemeinderats haben wir mittlerweile sehr viel unternommen, um dort die Situation zu entschärfen.“

Jedoch müsse allen Beteiligten im Löscher klar sein, dass es keine Kontrolle rund um die Uhr geben und tagsüber mit Kinderlärm zu leben sein werde. Der Sicherheitsdienst müsse auch an anderen Orten in Möglingen kontrollieren. Die Vorschläge zur Verringerung der Immissionen kommentiert sie nicht.

Damit sind die Anwohner nicht zufrieden. Sie müssten keine „Momentaufnahmen“ ertragen, sondern oft stundenlang bis spät abends Lärm. Sie hätten im Übrigen selbst Bilddokumente gesammelt.

Der Bolzplatz am Abi wird übrigens voraussichtlich im Herbst fertig, so Schwaderer auf Nachfrage unserer Zeitung. Sie geht davon aus, dass hier eine Begegnungsstätte für eher ältere Jugendliche, die das Vorhaben ja inhaltlich begleiteten, entstehen werde. Der Spielplatz an der Löscher-Schule soll dann – etwas anderes sei auch nie kommuniziert worden – für die Jüngeren geöffnet bleiben. „Dies wird zu gegebener Zeit im Gemeinderat diskutiert werden“, kündigt Schwaderer an.

Die Anwohner fordern jedoch Soforthilfe, die ihnen den Sommer auf Balkon und Terrasse rettet. Die Nerven liegen blank, Tamara Hönig sagt es deutlich: „Uns reicht es. Es ist einfach unerträglich.“

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