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Reges Markttreiben in Beilstein am Ostermontag

Endlich wieder ein bunter Ostermarkt unterhalb des Hohenbeilsteins. An den rund hundert Ständen bot sich den vielen tausend Besuchern ein großes Angebot.Fotos: Alfred Drossel
Endlich wieder ein bunter Ostermarkt unterhalb des Hohenbeilsteins. An den rund hundert Ständen bot sich den vielen tausend Besuchern ein großes Angebot.Fotos: Alfred Drossel
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Tausende Besucher bummeln an den rund hundert Ständen und Buden des traditionellen Krämermarktes entlang.

Beilstein. Der Ostermontagsmarkt hat eine lange Geschichte und er hat immer noch eine große Anziehungskraft in die Kreise Ludwigsburg und Heilbronn hinein. Nach zweijähriger Corona-Zwangspause kamen die rund hundert Händler am Ostermontag wieder zurück. Tausende Besucher belohnten ihre Rückkehr mit einem guten Besuch. Es herrschte eine fröhliche Stimmung bei gutem Kaufinteresse und strahlendem Sonnenschein.

Carmen und Gerhard Pandle aus Hoheneck haben regelrecht darauf gewartet, dass der Markt wieder stattfindet. „Er hat bei uns Tradition an Ostern“, sagt Gerhard Pandle. Man treffe nette Leute und sehe Neuheiten. Seine Frau wurde fündig: Eine neue Tischdecke und ein T-Shirt hat sie gekauft. Die Pandles reisten von Beilstein zum Kirchheimer Ostermarkt weiter.

Alessa Selcho und Andreas Hubert waren fürs Marktamt unterwegs. 112 Händler hätten sich angemeldet, um die hundert seien schließlich gekommen. Für den laufenden Meter Standfläche mussten sie 4,50 Euro berappen. Die Leute seien alle froh, dass der Markt wieder stattfinde, stellte Alessa Selcho fest.

Viele Händler haben von ihrem Ersparten gelebt

Seit über 50 Jahren kommt die Familie Nother mit ihren Haushaltsartikeln aus Ketsch nach Beilstein. Sohn Manfred (42) hat den Stand vom Vater übernommnen. „Der Markt ist gut“, sagt Nother. Er ist richtig froh, dass es weiter geht. „Wir haben zwar vom Staat Geld bekommen, aber im Grunde haben wir uns nur durchgewurstelt“. Jürgen Anger aus Kirchheim/Teck hat von seinem Gesparten gelebt, wie er sagt.  In Beilstein hat er sein Küchengerät, einen Schäler mit Hobelfunktion, wieder unter die Leute gebracht und kiloweise Gemüse zerkleinert. Jörg Senger aus Badenweiler kommt seit 20 Jahren mit seinen scharfen Messern und Küchenzubehör ins obere Bottwartal. Die Kundschaft sei so wie vor der Pandemie, sagt er zufrieden,

Imker Robert Schäuffele aus Mönsheim will nicht klagen. „Ich verkaufe meinen Honig gut auf den Wochenmärkten“, sagte er. Nach Beilstein sei er nur gekommen, weil am Ostermontag nirgendwo sonst ein Wochenmarkt stattfinde. Der handgemachte Schmuck von Mirjam Georg und Valerie Volz glitzerte in der Sonne. Unter dem Markennamen „Schwesterherz“ haben sie ihr Kunsthandwerk angeboten.

Deftiger Schinkenspeck, Kaminwurzen und Hirschwurzen bot ein Händler aus Tirol an. Auf dem Markt wurde ein vielfältiges Angebot, von Textilwaren und Gebrauchsartikeln für den Haushalt, über Töpferwaren, Gewürze, Modeschmuck bis zu den obligatorischen gebrannten Mandeln und Zuckerwatte geboten. Die Beilsteiner Geschäfte hatten für den Verkauf geöffnet. Gut gerüstet waren die Gaststätten, die aus Küche und Keller das Beste boten. Die sportlichen Handballerinnen der SG Schozach-Bottwartal hatten an der Alten Kelter ihren Stand aufgebaut. Dort, wo gegen Mittag die Long-John-Foxes ihr Frühjahrs-Jazzkonzert gaben.

Im Jahr 1823 gibt es endlich die Erlaubnis

Mehrere Anläufe unternahmen die früheren Stadtväter Beilsteins, um den Markt am Ostermontag abhalten zu können, weil der Feiertag natürlich attraktiv für Händler und Kunden war. Sogar Herzog Friedrich II. war 1802 eingeschaltet und lehnte damals einen Ostermontagsmarkt noch wegen vorliegender Einsprüche aus Ludwigsburg, Bietigheim, Weinsberg und Großbottwar ab. 1823 aber gestattete es schließlich die Regierung des Neckarkreises, jeweils am Ostermontag einen Vieh- und Krämermarkt in Beilstein abzuhalten.

Das Gegenstück zum Ostermontagsmarkt ist der Andreasmarkt. Mehrere Anfragen mussten damals die Beilsteiner nach Stuttgart schicken, bis die herzogliche Regierung im Jahr 1685 endlich die Abhaltung eines Herbstmarktes genehmigte. Als Termin wurde der Tag des Heiligen Andreas, 30. November, festgesetzt. Ursprünglich war der Andreasmarkt ein Vieh- und Krämermarkt. Zu Andreas zahlte man Pacht und Zins, die Menschen kamen in die Stadt und Geld war im Umlauf.