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Regionalplanung oder: Dorf ist nicht gleich Dorf

Was hat Erbstetten, was Rielingshausen nicht hat? Richtig, die Einstufung als Bestandteil einer regionalen Entwicklungsachse. Doch diese Entscheidung will man in Marbach nicht ohne weiteres akzeptieren.

Marbach. Man muss sich ganz tief hinunter auf die Ebene der kleinen Dörfer in der Region Stuttgart begeben, wenn man verstehen will, warum sich die Stadt Marbach so bockbeinig verhält und den Verband Region Stuttgart (VRS) erneut mit einem Wunsch konfrontiert, den diese politische Ebene im Sommer schon einmal abgelehnt hat.

Marbach will, dass der Teilort Rielingshausen mit seinen knapp 3000 Einwohnern Teil der im Regionalplan neu festgelegten Entwicklungsachse Ludwigsburg/Kornwestheim – Backnang wird. Denn diese Einstufung hätte konkrete Auswirkungen auf die Entwicklungsmöglichkeiten des Teilorts, er dürfte stärker wachsen, als der bisherige Regionalplan das zuließ. Das wiederum käme der Marbacher Kommunalpolitik sehr zupass. Die Schillerstadt kann nämlich aufgrund einer kleinen Markungsfläche und dem auf Eis liegenden Neubaugebiet Kreuzäcker derzeit nirgendwo die wachsende Nachfrage nach Wohnraum befriedigen – außer in Rielingshausen. Aktuell befindet sich dort schon das Baugebiet Keltergrund in Planung.

Entsprechend groß war die Enttäuschung, als der VRS im Sommer dem Marbacher Wunsch nicht nachkam. Gleichwohl aber Affalterbach zum sogenannten Siedlungsbereich hochstufte, obwohl die kleine Gemeinde (4400 Einwohner) keinen S-Bahn-Anschluss hat; der wiederum ist ein zwingendes Kriterium. Doch Affalterbach punktet nach Auffassung des VRS als „starker Wirtschaftsstandort“ mit vielen Arbeitsplätzen und gehört nun deshalb zur regionalen Entwicklungsachse.

Nun ist es zwar ein ungeschriebenes Gesetz, dass eine Kommune der anderen nicht in die (Entwicklungs-) Suppe spuckt, aber mindestens irritiert waren viele Marbacher Stadträte über diese Entscheidung doch. Eine Irritation, die inzwischen neue Nahrung gefunden hat, denn nun zieht auch Erbstetten an der Schillerstadt vorbei und lässt sich auf der Entwicklungsachse nieder. Erbstetten hat wie Rielingshausen längst seine Selbstständigkeit verloren und gehört zu Burgstall; beide Dörfer wurden im Rems-Murr-Kreis unter dem Kunstnamen Burgstetten (3500 Einwohner) zusammenreformiert. Und: Burgstall hat S-Bahn-Anschluss.

Eine also mit der Verbindung Marbach-Rielingshausen durchaus vergleichbare Konstellation, findet man in Marbach. Nicht aber in Stuttgart. Beim VRS fand das aus Burgstetten vorgebrachte Argument Gehör, dass aufgrund der topographischen Lage sowie wegen Hochwasser- und Landschaftsschutz neue Ansiedlungen – vor allem gewerblicher Natur – ausschließlich im Ortsteil Erbstetten möglich seien.

Marbach müsse dagegen schauen, dass „der zentralörtliche Versorgungskern“ erhalten beziehungsweise gestärkt werde. Eine Ausdehnung der Siedlungsentwicklung auf den Stadtteil Rielingshausen würde dieser Zielrichtung des Regionalplans aber entgegenwirken.

Eine „Wischiwaschi-Begründung“, meint Marbachs Bürgermeister Jan Trost reichlich angefressen, man werde beim VRS auf Gleichbehandlung pochen. Auch Jochen Biesinger findet es richtig, ein zweites Mal beim Verband vorstellig zu werden. Denn der CDU-Stadt- und Ortschaftsrat und intimer Kenner Rielingshausens weiß genau, was im Flecken zur bisherigen Haltung des VRS geschwätzt wird: Man wolle Rielingshausen auf die mögliche Steinbrucherweiterung reduzieren und dem Ort deshalb keine größeren Entwicklungsmöglichkeiten zugestehen. „Wenn das eine mit dem anderen nichts zu tun hat, wäre es jetzt für den VRS an der Zeit, ein klares Signal in Richtung Rielingshausen zu senden.“