Logo

Kreistag

Rennen um den Landrat ist eröffnet

Die Bewerbungsfrist endet am Montagabend um 0 Uhr. Drei Interessenten haben ihre Kandidatur für den Posten des Landrats im Kreis Ludwigsburg jetzt schon erklärt. Ein Vierter will sich heute endgültig entscheiden.

Dietmar Allgaier. Foto: privat
Dietmar Allgaier. Foto: privat
Christoph Erdmenger. Foto: privat
Christoph Erdmenger. Foto: privat
Heiner Pfrommer. Archivfoto: Oliver Bürkle
Heiner Pfrommer. Foto: Oliver Bürkle
Gerd Maisch. Archivfoto: Holm Wolschendorf
Gerd Maisch. Foto: Holm Wolschendorf

Kreis Ludwigsburg. Die potenziellen Bewerber gaben sich in den vergangenen Wochen bei den Fraktionen die Klinke in die Hand. Gestern Abend sondierte der Vaihinger Oberbürgermeister Gerd Maisch noch mit der CDU, wie sie zu seiner Bewerbung steht. Kurz danach sagte der stellvertretende Fraktionschef der Freien Wähler gegenüber der LKZ: „Meine Bewerbung ist sehr wahrscheinlich.“ Er wolle aber heute Vormittag noch ein letztes Gespräch führen. Der gebürtige Stuttgarter, Jahrgang 1964, will seine Erfahrung aus über 30 Jahren kommunaler Politik in die Waagschale werfen. „Es gibt im Kreis viele Herausforderungen, die ich gerne angehen möchte“, so Maisch. Vor allem die Mobilität. „ÖPNV ausbauen, auch in Zusammenarbeit mit der Region“, wo Maisch als Regionalrat sitzt. „Aber es geht nicht ohne den Ausbau von Straßen“, etwa die Umfahrung von Heimerdingen. Daneben stehe die Weiterentwicklung der Kliniken ganz oben auf der Tagesordnung. Er mache sich die Entscheidung für eine Kandidatur nicht leicht. „In Vaihingen steht mit der Gartenschau noch ein echtes Highlight an“, so Maisch. Und als langjähriger Kreisrat habe er auch das ein oder andere kritische Wort verloren. „Aber die Gestaltungsmöglichkeiten als Landrat sind immens.“

Ganz offiziell werfen Kornwestheims Erster Bürgermeister Dietmar Allgaier (CDU), der Abteilungsleiter für nachhaltige Mobilität im Verkehrsministerium, Christoph Erdmenger (Grüne) und der parteilose Ludwigsburger Sozialdezernent Heiner Pfrommer ihren Hut in den Ring. Der 39-jährige Pfrommer hatte schon vor einer Woche seine Bewerbung abgegeben. Die Wahl im Kreistag findet am 15..November statt.

Gestern lichteten sich dann die Reihen. Zunächst sagte der parteilose Erste Landesbeamte aus Göppingen, Jochen Heinz, ab. „Ich habe viel Zuspruch erfahren“, so Heinz. „Aber nachdem die Fraktionen auf eigene Kandidaten setzen, sehe ich wenig Erfolgsaussichten.“ Auch der Erste Landesbeamte des Alb-Donau-Kreises, Markus Möller, will nicht antreten. „Das passt für mich derzeit nicht“, so das CDU-Mitglied, das auch keine Gespräche im Kreis geführt hatte. „Die Entscheidung habe ich für mich getroffen.“

Auch der nächste CDU-Politiker, der Tübinger Vize-Regierungspräsident Utz Remlinger, ist aus dem Rennen. „Ich habe nicht genügend Unterstützer auf meine Seite bekommen“, so der ehemalige Erste Landesbeamte im Kreis Ludwigsburg. Die besten Karten in der Union hat der Kornwestheimer Erste Bürgermeister Dietmar Allgaier, der gestern seine Kandidatur offiziell machte. „Das Amt des Landrates ist eine große Herausforderung, in dem man noch einiges bewegen kann“, umschreibt der 53-Jährige seine Motivation für die Kandidatur.

Allgaier: Partner für die Kommunen

Allgaier ist in Kornwestheim für die Fachbereiche Finanzen und Wirtschaft, Personal und Organisation sowie Recht, Sicherheit und Ordnung zuständig. „Mobilität ist mehr als Stadtbahn und ÖPNV“, sagt er zu einem der wichtigsten Themen seiner politischen Agenda. „Wir brauchen ein Gesamtkonzept für S-Bahn, Stadtbahn, Elektromobilität, Radfahrer und Fußgänger, in dem auch das Auto eine wichtige Rolle spielen wird.“

Daneben will er Antworten geben auf die drängenden Fragen der Digitalisierung, den Umwelt- und Klimaschutz. Außerdem steht die Sicherung der Klinikfinanzierung für ihn ganz oben. „Der Kreis muss Partner für Städte und Gemeinden sein“, setzt er sich für ein harmonisches Miteinander auf den kommunalen Ebenen ein.

Mobilität ist auch das Hauptthema des Grünen-Bewerbers Christoph Erdmenger. Der 49-jährige Umweltwissenschaftler sieht den Kreis zwar sehr gut aufgestellt – etwa in puncto Finanzen, Wirtschaft, Kinderbetreuung und Integration. Auch beim ÖPNV sieht er viel Gutes. „Der Kompromiss zur Stadtbahn ist richtig und würde von mir auch so umgesetzt. Wenn Ludwigsburg dann das erste funktionierende BRT-System erhielte, dann wäre das ein echtes Alleinstellungsmerkmal für den Kreis“, so Erdmenger weiter, der mit Frau und seinen beiden Kindern im September von Stuttgart nach Ludwigsburg ziehen wird. „Aber wenn wir die Klimaschutzziele erreichen wollen, dann müssen wir beim ÖPNV noch mal richtig Gas geben“, so Erdmenger, der beim Umweltbundesamt von 2004 bis 2008 als Leiter des Fachgebiets „Nachhaltige Energieversorgung“ maßgeblich an der Strategie zur 40-prozentigen CO-Emissionsminderung in Deutschland bis 2020 beteiligt war. „Derzeit liegen wir im Kreis beim ÖPNV-Ausbau bei 25 Prozent – aber wir wollen ihn ja verdoppeln.“

Ausbau des Nahverkehrs auch für die ländlicheren Gebiete, mehr klimaneutrale Mobilität, weniger Autos sind dabei wichtige Schlagworte. „Die Zukunft der Automobilindustrie entscheidet sich nicht im Kreis Ludwigsburg, sondern global“, so Erdmenger. Aber der Kreis könnte den Wandel unterstützen. Ein Drittel weniger Autofahrer in den Städten ist sein Ziel. Er selbst sieht sich als pragmatischen Gesprächspartner. „Wer aber in die Mobilität der 80er zurück will, für den bin ich sicher nicht der Richtige.“

Autor: