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Rettungsprogramm für die Steillagen

Stadt stellt Konzept vor, wie die Terrassenweinberge erhalten werden können – Stadträte mit Vorschlägen sehr zufrieden

Postkartenblick, landschaftsprägend, Herzensangelegenheit: Mit diesen Worten werden die Steillagen am Neckar im Umweltausschuss beschrieben. Archivfoto: Holm Wolschendorf
Postkartenblick, landschaftsprägend, Herzensangelegenheit: Mit diesen Worten werden die Steillagen am Neckar im Umweltausschuss beschrieben. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Die Steillagen am Neckar entlang stehen genauso für Ludwigsburg und die Region wie das Barockschloss oder die historischen Fachwerkhäuser. Michael Ilk schwärmte in seiner letzten Sitzung des Ausschusses für Mobilität, Umwelt und Technik vom „Postkartenblick“ auf die Weinberge gegenüber den Zugwiesen. „Das gehört gesichert“, so der Bürgermeister, der das Rathaus in dieser Woche verlassen hat. Eine letzte Sitzung mit „seinem“ Ausschuss wollte er sich aber nicht nehmen lassen. Schließlich gab es wichtige Dinge zu besprechen, darunter auch das Programm für den Erhalt der Weinbergsteillagen. Die Stadtverwaltung hatte erste Ideen erarbeitet und sie im Ausschuss zur Abstimmung gestellt. Den Stadträten gefielen die Ausarbeitungen, einstimmig beauftragten sie die Stadtverwaltung damit, ein Konzept zu erarbeiten.

Grund für das Konzept: Ein Programm für den Erhalt ist notwendig, weil die Zahl der aufgegebenen Weinberge in Terrassenlage ständig steigt. Laut einer Umfrage der Stadt unter Wengertern gibt es zwei Gründe dafür: ungeklärte Nachfolge und aufwendige Arbeit.

Zwei Kerngebiete: Als Teil des Konzepts sollen in den Steillagen Gebiete gebündelt werden. Das bedeutet, dass Kerngebiete für Weinbau und für Landschaftspflege festgelegt werden. Es sei nicht möglich, sämtliche Rebflächen zu erhalten, so die Stadtverwaltung. In den Kerngebieten Weinbau steht weiterhin der Erhalt der Trockenmauern mit Weinbau an, auch im Kerngebiet Landschaftspflege sollen die Trockenmauern zum Teil erhalten, außerdem Wald entwickelt werden.

Ideen der Stadt: Für das Kerngebiet Weinbau kann sich die Stadt vorstellen, die Kosten für die Hubschrauberspritzung auf der Gemarkung Ludwigsburg zu übernehmen (40000Euro im Jahr). Außerdem übernimmt die Stadt Weinberge und beauftragt dafür Vollbewirtschafter. Später können diese Weinberge von Teilnehmern am Projekt Heldenschmiede gepachtet werden. Teilnehmer der Heldenschmiede lernen ein Jahr lang die Arbeit im Weinberg kennen (wir berichteten). Ziel ist es, dass sie danach einen Weinberg der Stadt „zum Symbolpreis“ übernehmen und bewirtschaften. Auch im Kerngebiet Landschaftspflege möchte die Stadt Flächen übernehmen und bewirtschaften sowie zum Beispiel Blühflächen fördern und Saatgut bereitstellen.

Neue Mitgliedschaften: Teil des Programms zum Erhalt der Steillagen ist auch, dass die Stadt bei den Weingärtnern Marbach Mitglied wird und dem Landschaftserhaltungsverband Landkreis Ludwigsburg beitritt. Nachdem die Stadträte dazu ihre Zustimmung gaben, unterschrieb Michael Ilk als seine „allerletzte Amtshandlung“ nach der Sitzung die Beitrittserklärung zu den Weingärtnern Marbach (siehe Text unten).

Bereits umgesetzte Maßnahmen: Der Zuschuss für den Erhalt von Trockenmauern und Staffeln in Weinbaugebieten wurde bereits 2019 von bisher 25 Euro auf 100Euro pro Quadratmeter erhöht. Außerdem setzte Tourismus und Events auf seine Agenda, die Steillagen attraktiver für Touristen zu machen, etwa mit den Steillagentagen, die 2019 das erste Mal stattfanden.

Das sagen die Stadträte: Durch alle Parteien hinweg waren sich die Räte bei diesem Punkt einig: Die Steillagen sind es wert, erhalten zu bleiben. Catharina Clausen (Grüne) regte an, zu prüfen, ob die Spritzung nicht auch mit Drohnen gemacht werden könnte. Damit könne die Effizienz gesteigert werden. Ulrike Schmidtgen vom Fachbereich Tiefbau und Grünflächen versprach, sich darüber zu informieren. Die Hubschrauberspritzung sei schon aufwendig, da dafür auch die Straßen abgesperrt werden müssen.

Armin Klotz bat die Verwaltung, zu prüfen, ob 100Euro pro Quadratmeter als Zuschuss für den Erhalt der Trockenmauern tatsächlich genug sind. Er habe von Wengertern gehört, dass das viel teurer sei, so der CDU-Rat.

„In Sachen Tourismus könnten wir uns schon auch was von Besigheim abschauen“, sagte Margit Liepins (SPD). Es gehe ja nicht darum, Tausende von Touristen in die Steillagen zu locken, aber einzelne Angebote, zum Beispiel Planwagenfahrten, seien schon sinnvoll. Auch der Tourismus ist Teil des neuen Konzepts der Stadtverwaltung in Zusammenarbeit mit dem Eigenbetrieb Tourismus und Events.

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