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Schillerstadt geht unter die Weinmacher

Weingläser zu den Schillerjahren gab es schon in Marbach, künftig soll es auch einen städtischen Wein geben, der am Hang oberhalb des Neckars wächst. Archivfoto: Michael Fuchs
Weingläser zu den Schillerjahren gab es schon in Marbach, künftig soll es auch einen städtischen Wein geben, der am Hang oberhalb des Neckars wächst. Archivfoto: Michael Fuchs
Die Stadt Marbach besitzt an der Landesstraße Richtung Murr einen 30 Ar großen Weinberg. Pachten möchte die Steillage niemand, erhalten will ihn die Kommune aber aus Gründen der Landschaftspflege. Das kostet jährlich 10 000 Euro.

Marbach. Mit Freiwilligkeitsleistungen in dieser Größenordnung sind die Stadträte in letzter Zeit zurückhaltend geworden. Zu sehr beginnt der sich auftürmende Schuldenberg zu drücken, zu groß sind die Aufgaben, die in den nächsten Jahren gestemmt werden müssen. Doch der Erhalt dieses „Wengerts“ war unter den Stadträten in der gestrigen Sitzung des Verwaltungsausschusses völlig unstrittig.

Da fielen fraktionsübergreifend Begriffe wie „Visitenkarte“, „Entrée“ oder „Türschild von Marbach“ und natürlich schwang da auch schon die Planung der Gartenschau 2033 mit. Denn der Weinberg, der zwischen der Fahrradbrücke über die Landesstraße und dem Viadukt liegt, wird von Benningen aus im Blickfeld der Besucher liegen, die am Neckar entlang flanieren.

Mühsame Handarbeit will sich niemand mehr antun

Dass die Stadt Marbach nun für dieses Stück Land vergleichsweise viel Geld ausgibt, hat folgenden Hintergrund: Bis vor einem Jahr war der Weinberg verpachtet. Doch weil es sich um nur mühsam und in Handarbeit zu bewirtschaftende Fläche handelt, „war das für den Pächter nicht länger rentabel“, so Marbachs Erste Beigeordnete Franziska Wunschik. In die Fußstapfen des Pächters mochte niemand treten, auch Kaufinteressenten fanden sich nicht. Deshalb hat die Stadt im zurückliegenden Jahr die Rebstöcke in Lohnarbeit lesen und den Weinberg pflegen lassen – für rund 10000 Euro.

Und diese Pflege durch einen Externen soll beibehalten werden, damit der Hang nicht verbuscht „und möglicherweise später mit einem sehr hohen Aufwand wiederhergestellt werden muss“, so Wunschik, auch mit Blick auf die Gartenschau. Doch darüber hinaus gehe es auch um den Erhalt der terrassierten Steillagen im Neckartal, die ein landschaftsprägendes Element seien und zudem einen hohen ökologischen Wert hätten – als Lebensraum für Tiere und Pflanzen, die Wärme und Trockenheit lieben. „Es wäre fatal, wenn dieser Weinberg nicht mehr gepflegt würde“, warb Franziska Wunschik um die Zustimmung der Stadträte.

„30 Ar, die es in sich haben“

Was gar nicht nötig gewesen wäre, denn die waren von der Bedeutung dieses Stückchens Erde überzeugt. 10000 Euro seien zwar „eine beeindruckende Summe“ für 30 Ar, „aber es wäre ein Frevel, das verkommen zu lassen“, sagte der sonst bei Ausgaben dieser Art sehr zurückhaltende Fraktionschef der Freien Wähler, Martin Mistele. „30 Ar, die es in sich haben“, kommentierte Ulrich Frech (CDU), aber „dieser Weinberg wird gesehen, da sind 10000 Euro gut angelegt.“

Dass in diesen Steillagen „ein ziemlich teurer Wein“ heranwachse, fand zwar auch Heinz Reichert (SPD), der aber für seine Fraktion ebenso Zustimmung signalisierte wie Susanne Wichmann für die Grünen. Der Weinberg sei „identitätsstiftend“, die Idee, hier einen Stadtwein zu lesen und dann zu keltern, sei sehr reizvoll.

Ein Stadtwein für besondere Gelegenheiten

Bestandteil des gestern gefassten Beschlusses ist nämlich auch der Beitritt der Stadt zur Weingärtnergenossenschaft Marbach, damit die Trauben dort verarbeitet werden können, um später als „Stadtwein“ zu besonderen Anlässen serviert oder verschenkt zu werden. Die Flaschen könnten mit eigens entworfenen Etiketten versehen werden, so die Idee von Franziska Wunschik. Vorbilder in dieser Richtung gibt es schon, so hat die Gemeinde Murr einen eigenen kleinen Weinberg und auch in Sachsenheim werden eigene Trauben gelesen und gekeltert.