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Schulstart mit beiden Elternteilen

Bei der umstrittenen Eingrenzung auf einen Elternteil bei der Einschulung wird nachgebessert: Beide Elternteile sind jetzt zugelassen, auch getrennte Paare aus zwei Haushalten dürfen gemeinsam mit ihrem Kind kommen. Zum Schutz vor Infektionen gilt jedoch weiter: Geschwister und Großeltern müssen draußen bleiben. Mit gestaffeltem Beginn finden die Begrüßungen im Schulhof statt, bevor es für die Kinder das erste Mal ins Klassenzimmer geht.

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Ludwigsburg. „Wir haben uns abgestimmt“, sagt der geschäftsführende Rektor der Grundschulen, Bernhard Bleil, „und kommen den Bitten der Eltern nach.“ Die 14 Grundschulen in der Stadt lassen bei den Einschulungsfeiern ab 14. September nun doch beide Elternteile zu. Allerdings sind andere Familienmitglieder – das betrifft auch die Geschwister – weiterhin ausgeschlossen. „Corona gibt es weiter, und die Notverordnung auch“, so Bleil, der zugleich Rektor der Eberhard-Ludwig-Schule ist. „Wir müssen die neuen Schüler und die Schulgemeinschaft schützen.“

Eltern von Erstklässlern erhalten mit den Infos zum Schulanfang oder am ersten Elternabend vor dem Start des Schuljahrs ein Formular, in das sie ihre Daten eintragen und mit Unterschrift bestätigen, dass sie und ihre Kinder keinen Kontakt zu Infizierten hatten und keine Coronasymptome zeigen. Dies bringen sie dann mit. So können auch eventuelle Infektionsketten nachverfolgt werden. „Das ist eine gute und sinnvolle Regelung“, so Bleil.

In allen Grundschulen werden die Erstklässler auf dem Schulhof mit gebührendem Abstand von Schulleitung und Klassenlehrern begrüßt. Die Klassen kommen zu unterschiedlichen Zeiten. Allein die Grundschule Pflugfelden kann mit nur einer Eingangsklasse auf die Staffelung verzichten. Wenn es regnet, sagt Bleil, „gibt es eben eine Begrüßung mit Regenschirm auf dem Schulhof“. Danach geht es für die Kleinen das erste Mal in ihre Klassen. Die Eltern können sie nach zwei Stunden wieder abholen, müssen aber in der Zwischenzeit das Schulgelände verlassen. Der Grund: In den Schulen findet der reguläre Unterricht statt, sonst übliche Elterncafés oder Vorführungen anderer Klassen sind ohnehin wegen Corona nicht erlaubt.

Maureen Reyle, die mit der Onlinepetition „Wir wollen Mama und Papa bei der Einschulung dabei haben!“ 593 Unterstützer gesammelt hat, ist erleichtert. „Ich bin glücklich, dass wir nun beide gehen können, mein Mann und ich.“ Die Eglosheimerin hat insgesamt drei Kinder, der älteste Sohn wird nun eingeschult. Sie betont, dass sie die Coronagefahr nicht ausblende oder andere in Gefahr bringen wolle. Auch die Regelung, dass die Geschwisterkinder nicht mitkommen dürfen, findet sie völlig in Ordnung. „Die rennen überall rum, das geht nicht.“

„Wir haben die Regelung nicht gemacht, um Eltern vor den Kopf zu stoßen“, verteidigt Bleil die vorherige Entscheidung. Als diese getroffen worden sei, seien die Infektionsraten gestiegen, „nach den Sommerferien erwarten wir aufgrund der Reiserückkehrer nochmals steigende Erkrankungszahlen“. Werde ein Kind krank, müsste eine Klasse, wenn nicht die Schule, geschlossen werden. Er kennt die aktuellen Zahlen des Kultusministeriums: In den drei Monaten seit der Wiederaufnahme des Schulbetriebs sind landesweit 86 Schulen teils oder ganz wegen Covid-19-Fällen geschlossen worden. Am letzten Schultag waren es noch 24 Schulen, die von einer teilweisen Schließung betroffen waren. Dabei hat Bleil gerade auch die Schulanfänger im Blick. „Wenn es aus irgendeinem Grund wieder eine Schließung gibt, trifft das die Erstklässler am härtesten.“

Mit der neuen Regelung, ist Simone Werner-Mehl überzeugt, kehrt wieder Frieden ein. Platzprobleme kennt sie: „Wir hatten schon vorher immer einen begrenzten Zugang.“ Die Rektorin der Sophie-Scholl-Schule erwartet 92 neue Schüler in vier Klassen, die mit einem Versatz von 15 bis 30 Minuten ankommen. Die anderen Schüler werden an diesem Tag keine Pause im Hof machen, sagt sie. Damit der Abstand gewahrt bleibt, stehen die Kleinfamilien in Hula-Hoop-Reifen auf dem Boden. Auch an der Schlösslesfeldschule – mit 99 Kindern mit den meisten Erstklässlern – wird es ähnlich laufen. Dort wie in der Sophie-Scholl-Schule wurden schon früher aus Platznot nur Eltern und Geschwister zur Feier in die Halle gelassen, im Schlösslesfeld sogar nur die Eltern. „Das gab nie Probleme“, sagt Werner-Mehl, „wir hatten danach auf dem Schulhof aber auch genug Platz.“ Für Bernhard Bleil ist dies das Kriterium: „Es ging nie darum, die Zahl der Besucher bei Einschulungen dauerhaft einzugrenzen“, sagt er. „Die aktuellen Einschränken gibt es hoffentlich nur im kommenden Schuljahr.“

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