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Frauen für Frauen

Schutzraum für Frauen mit Handicap

Das Ludwigsburger Frauenhaus verfügt dank Spenden über vier Plätze in barrierefreier Wohnung

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Arezoo Shoaleh, Andreas Veit und Christiane Scheuing-Bartelmess (von links) zeigen die neuen Schutzräume. Foto: Holm Wolschendorf

Frauen mit einer Behinderung haben ein deutlich höheres Risiko, sexualisierter oder körperlicher Gewalt ausgeliefert zu sein. Das können die Mitarbeiterinnen beim Verein Frauen für Frauen nur bestätigen. Als bisher einziges Frauenhaus in Baden-Württemberg gibt es in Ludwigsburg seit einem halben Jahr eine Wohnung mit vier behindertengerechten Plätzen.

Wenn Frauen mit Behinderungen vor häuslicher Gewalt Schutz und Zuflucht suchen, dann haben sie in Deutschland Schwierigkeiten, einen Platz in einem Frauenhaus zu finden, das bestätigte gestern auch Christiane Scheuing-Bartelmess, Geschäftsführerin des Vereins Frauen für Frauen. In Deutschland seien lediglich 13 Frauenhäuser rollstuhlgerecht sowie für Frauen mit Hör- und Sehbehinderung geeignet. Ludwigsburg verfügt nun auch über eine solche Wohnung, die der Verein Frauen für Frauen von der Wohnungsbau Ludwigsburg (WBL) angemietet hat und dank Spenden behindertengerecht ausgestattet werden konnte. So hat die WBL die Kosten für den Umbau des Bades unter anderem mit rollstuhlgerechter Dusche und höhenverstellbarem Waschbecken übernommen.

Dank weiterer Spenden vom Rotary-Club Ludwigsburg-Alt Württemberg, dem Inner Wheel Club und Einzelpersonen konnte überdies die weitere Ausstattung finanziert werden. Speziell angefertigt werden musste beispielsweise die Einbauküche, wo alle Geräte vom Rollstuhl aus bedienbar sind. Die breiteren Türen erlauben ein problemloses Durchkommen, es gibt hier keine Stufen oder Kanten. Die Zimmer haben ein robustes Mobiliar, Matratzenrahmen und Tische sind ebenfalls höhenverstellbar. Das Koch- und Tafelgeschirr ist durch seinen starken Farbkontrast für Blinde mit Restsehstärke geeignet, die Haustürklingel verfügt über Signal und Licht, das Brandmeldesystem funktioniert hier mit Vibration, Licht und Lärm. Nicht zu vergessen die Sicherheitstechnik, die den Frauen einen echten Schutzraum bietet.

Wie die Sozialarbeiterin im Frauenhaus, Natalia Smykalova berichtete, kommt es immer wieder vor, dass Frauen mit Behinderungen Hilfe suchen. So auch jüngst eine hörbehinderte Frau, die von ihrem Freund geschlagen wurde und schließlich die Beratungsstelle aufsuchte. In der Familie unterzukommen sei schwierig gewesen, in der neuen Wohnung habe sie erst einmal in einer geschützten Umgebung leben können.

Die pädagogische Leiterin Arezoo Shoaleh erinnerte auch an einen früheren Fall einer von Gewalt betroffenen Frau mit einem behinderten Kind, was das Frauenhaus seinerzeit vor große Herausforderungen gestellt habe. „Wo Abhängigkeiten da sind, nehmen die Übergriffe zu“, so Erfahrung der Sozialarbeiterin Tamara Orban aus dem Frauenhaus. Behinderte Frauen seien da deutlich abhängiger von ihren Partnern oder Angehörigen und damit der Gewalt auch viel stärker ausgeliefert. „Es freut uns, dass wir diese Wohnung, wo die Frauen gut aufgehoben sind und zur Ruhe kommen, zur Verfügung stellen können“, sagte der WBL-Geschäftsführer Andreas Veit bei einem Gespräch in der Geschäftsstelle des Vereins Frauen für Frauen, wo auch gerahmte Fotos der neuen Wohnung ausgestellt sind. Die Teilhabe von Behinderten sei damit auch beim Schutz vor Gewalt erreicht, machte Christiane Scheuing-Bartelmess deutlich.

Seit 1982 betreibt der Verein Frauen für Frauen das Frauenhaus für den Landkreis und die Stadt Ludwigsburg. Vorgehalten werden hier zehn Plätze, hinzukommen jetzt noch die vier Plätze in der behindertengerechten Wohnung. Mit dem Projekt Leiko gelang in den letzten drei Jahren außerdem eine Vernetzung der Einrichtungen, um Frauen mit Suchterkrankungen beziehungsweise mit einer psychischen, geistigen oder körperlichen Behinderung in das Hilfesystem bei häuslicher Gewalt einzubinden.