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Sersheim plant einen Kindergarten unter freiem Himmel

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Die Gemeinde Sersheim will beim Waldspielplatz einen Naturkindergarten einrichten

Sersheim. Im Kindergarten unter freiem Himmel sollen sich die Kinder aufs Wesentliche besinnen. Im alltäglichen Umgang mit der Natur sollen sie ihren Körper, ihre Kraft und ihre Fähigkeiten kennenlernen. Natur- oder Waldkindergärten liegen seit Langem im Trend – und jetzt wird auch die Gemeinde Sersheim so einen Kindergarten bauen. Im Gemeinderat stellte die Kleinsachsenheimer Architektin Meike Kleinbrahm am Freitagabend ihr Konzept vor. Sie hat bereits Naturkindergärten in Oberriexingen und derzeit in Hemmingen gebaut.

In Sersheim ist geplant, den Naturkindergarten auf dem Gelände des Waldspielplatzes zu errichten. Die Kinder profitierten nicht nur von der Feuerstelle und den Spielgeräten dort, sondern auch von den nahegelegenen Waldbiotopen, dem Waldlehrpfad, vom Schöllbach und natürlich dem angrenzenden Waldgelände, so Meike Kleinbrahm im Gemeinderat.

Zwei mobile Wagen

Der Naturkindergarten soll mit zwei mobilen Wagen, wie man sie als Bauwagen kennt, ausgestattet werden. Einer dient als Aufenthaltsraum für die Kinder bei widrigen Wetterverhältnissen. Mit einer Größe von zehn mal drei Meter ist genug Raum, um einen großen Tisch mit Platz für alle Betreuerinnen und Kinder, eine Küchenzeile und Spielfläche unterzubringen.

Der kleinere Wagen mit acht mal zweieinhalb Metern dient als Lagerfläche und Unterbringung aller nötigen Utensilien und Werkzeugen. Hier ist ebenfalls die beheizte Toilette untergebracht, die schnell und unkompliziert von außen zugänglich ist.

Ganz ungewöhnlich für einen Naturkindergarten ist in Sersheim der vorhandene Strom sowie Wasser- und Abwasseranschluss. Damit kann auf eine Komposttoilette verzichtet und zum Kochen, Backen sowie Heizen statt des üblichen Holzofens, elektrische Geräte eingesetzt werden. Auch Licht ist damit unabhängig von der Sonne möglich, auch wenn aus Gründen der Nachhaltigkeit trotzdem eine Solaranlage vorgesehen werden soll. „Sicherlich viel Spaß werden die Kinder mit einer Außendusche an heißen Sommertagen haben“, sagte Kleinbrahm in Sersheim.

Barrierefreier Zugang für Inklusionskinder

Die beiden Wagen werden offenbar ergänzt und verbunden durch einen eigens für den Naturkindergarten konzipierten Holzbau, der Garderobenbereich und Zugänge für beide Wagen überdacht. An Inklusionskinder werde ebenfalls gedacht und neben der Treppe eine Rampe geschaffen, um einen barrierefreien Zugang zu ermöglichen. „Auch das ist eher untypisch für diese Form der Einrichtung“ sagt Kleinbrahm.

Auch wenn die Wagen einen Aufenthalt im Innenbereich recht komfortabel gestalten, sieht die Konzeption der Naturkindergärten vor allem den Aufenthalt im Freien und im umliegenden Gelände vor. „Die Kompetenzen, die die Kinder während dieser wertvollen Jahre in der Natur erwerben, sind einzigartig und enorm wertvoll für die weitere Entwicklung“, sagte die Architektin.

Die Gemeinde Sersheim denke bei der großen Nachfrage schon über die Erweiterung des Naturkindergartens um eine zweite Gruppe nach, die ebenfalls noch Platz auf dem Gelände finden würde, sagte Bürgermeister Jürgen Scholz im Rat.