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Stadtrundfahrt durch Epochen und Identitäten

Mit einem Oldtimer-Bus geht es in der BusKultour-Classic- Erlebnistheaterfahrt „vom Schloss zum Schloss“ mit dem Theater Q-rage durch einen bunten Querschnitt der Ludwigsburger Stadtgeschichte.

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Reiseleiterin Sandra Hehrlein wird auch mal zur Ausruferin in Brokat und wechselt wie Jörg Pollinger (hinten) ständig die Identität.Foto: Ramona Theiss

Ludwigsburg. Sie haben sich einiges einfallen lassen, die Macher des Theaters Q-rage, für ihre jüngste Ausgabe der BusKultour. Anlass der „Erlebnistheaterfahrt mit Live-Musik und Kulinarik“ ist das 300-jährige Stadtjubiläum, und so vereint die Inszenierung von Rüdiger Erk die Idee einer Sightseeing-Stadtrundfahrt mit einer kulturhistorischen Zeitreise durch Epochen und Identitäten der Barockstadt.

Der eigentliche Star dieser BusKultour mit dem Zusatz Classic steht im Schlosshof: Mit Baujahr 1984 ist der Mercedes-Benz-Bus der Oldtimer der Ludwigsburger Verkehrsbetriebe und hat 44 Sitzplätze. Die Samstage im Juli und September sind bereits ausverkauft.

Das frische Theater der Truppe hat sich rumgesprochen. Ulrike Weiß und Manuela Seiz haben das Ticket ihrer Freundin Daniela Gräber zum Geburtstag geschenkt – die Marbacherinnen verfügen über Erfahrungen mit dem Theater Q-rage, waren begeisterte Besucherinnen des „Mord(s)dinners“ und versprechen sich einen „witzigen, kreativen und kommunikativen Abend“, als sie sich mit Sekt im Hirschgang zuprosten.

Tabletts mit Häppchen sind auf Stehtischen verteilt, Böny Birk entlockt seinem Akkordeon ein Potpourri von „Horch was kommt von draußen rein“ über „I Wanna Be Loved by You“ bis „Bei mir bist du schön“. Stimmig auch, dass die Stadtrundfahrt im Residenzschloss startet und endet, wurde doch die Verlegung des herzoglichen Hofs Jahr 1718 zum Auslöser der Stadtgründung: ohne Schloss keine Stadt Ludwigsburg.

Deklamationen mit goldenem

Gehrock auf dem Hocker

In pointierten Spielszenen lassen Sandra Hehrlein, die sich als Reiseleiterin vorstellt – ihre Magalie trägt ein rotes Barett und spricht mit französischem Akzent –, und Jörg Pollinger, der als Busfahrer Ernst, stilecht mit Schildkappe und Kleingeldspender, durch den Abend führt, Etappen der Stadtgeschichte Revue passieren: Zäh gestaltete sich der Anfang, auf Blütezeiten folgte auch rasch das Gegenteil. Für Deklamationen amtlicher Dekrete schlüpft Hehrlein rasch in einen Goldbrokat-Gehrock und steigt auf einen Hocker. Sie erinnern aber auch daran, dass es im 18. Jahrhundert hier bereits drei Höfe gab: Im Westen den Schafshof, im Osten den Fuchshof, dazwischen den Erlachhof. Als „nass, kalt, schleißig und unfruchtbar“ sei der Boden beschrieben worden, berichtet Pollinger, den Filzhut und Weste jetzt als schwäbischen Hirten kennzeichnen.

Dann geht’s auf die Straße um die Untere Stadt. In der Oberen Stadt wohnten Adelige, Höflinge, Kaufleute und später situierte Bürger, unten, im „Täle“, siedelten die zugewanderten Handwerker. Birk intoniert „In the Ghetto“. Für Q-rage ist klar: Geschichte „von unten“ gehört dazu. Dem Publikum kommt bei der Rundfahrt die Rolle der Reisegesellschaft zu. Ebenso zu Wort kommen die Dichterkollegen Schiller, Schubart, Kerner und Vischer, dazu hat so manche Persönlichkeit ihren Auftritt– von Niccoló Jommelli über die Mozarts bis zu Johann Heinrich Franck. Nicht zu vergessen: Auch Märchenfiguren prägen das Gesicht der Stadt.

Am Schillerplatz, wo einst der Schafshof stand, steht heute die Kreissparkasse. Auch der Boden hier war: „Schleißig!“ schallt es unisono. En passant erfährt man viel über die mal als Klein-Versailles, mal als Klein-Potsdam liebevoll verspottete Stadt, bevor die Tour im urigen Fasskeller unter dem Residenzschloss bei „Ludwigsburger Serviettenknödelhupf mit Steinpilzen und Rahm“, serviert von Christoph Rieger, endet.

info: Weitere Termine vom 19. bis 22. Juli sowie 13. bis 16. September. Beginn 18.30 Uhr, Dauer etwa 2,5 Stunden. Infos unter www.q-rage.de.