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Steilufer am Altneckar bröckelt

Seit 2007 werden die Steilufer des Altneckars in Freiberg durch Buhnen gesichert. Hochwasserereignisse haben im Laufe der Jahre dafür gesorgt, dass einige Buhnen hinterspült wurden und somit ihren Zweck nicht mehr erfüllen. Jetzt müssen sie saniert werden. Einen entsprechenden Beschluss hat der Gemeinderat jetzt gefasst.

So präsentierten sich die Buhnen kurz nach dem Bau. Jetzt muss die Hälfte der Anlage saniert werden. Foto: Stadt Freiberg
So präsentierten sich die Buhnen kurz nach dem Bau. Jetzt muss die Hälfte der Anlage saniert werden. Foto: Stadt Freiberg

Freiberg. Im Gegensatz zum Neckar als Schifffahrtsstraße ist der Altneckar bei Freiberg ein Natur- und Vogelschutzgebiet mit natürlichen Ufern, mit von Weiden bewachsenen Gleithängen und mit einer Vielzahl an Sand- und Kiesbänken im Flussbett. Die dort herrschenden Strömungsverhältnisse sorgen laut Auskunft der Verwaltung dafür, dass sich insbesondere die Steilufer immer weiter auswaschen. Um die Steilwand zu sichern und den Hochwasserdamm vor Erosionen zu schützen, wurde vor 14 Jahren eine rund 100 Meter lange Buhnenreihe, bestehend aus sechs einzelnen Buhnen, gebaut. Zwischen den Buhnen ist ein Abstand von rund 20 Metern. 2011 wurden laut Sitzungsvorlage erstmals Auskolkungen zwischen Steilwand und Buhnen festgestellt. Als Auskolkung wird die Auswaschung des Materials zwischen Buhne und Steilwand bezeichnet. Dadurch trennt sich die Buhne vom Steilufer ab. Diese Hinterspülungen entstehen beim Abfließen des Hochwassers. Betroffen sind hauptsächlich die Buhnen 4 bis 6.

Das Pflanzen von Weiden 2011 und 2015 sollte auf Anraten der Universität Stuttgart die Auskolkungen verringern – eine ausreichende Wirkung blieb aus. Wie die Universität der Verwaltung mittlerweile mitteilte, müssen die Weidenstecklinge sehr präzise gesteckt werden. Das soll bei der jetzt anstehenden Baumaßnahme beachtet werden, zumal die Untere Naturschutzbehörde fordert, dass die Sanierung so naturnah wie möglich erfolgt. Dazu soll laut Vorschlag des beauftragten Ingenieurbüros ein mehrreihiger Weidenflechtzaun in der Erosionsrinne eingebaut werden. Zusätzlich sollen Weidenstecklinge eingebracht werden. Damit die Weiden schneller anwachsen, empfiehlt das Ingenieurbüro, im ersten Jahr eine Tröpfchenbewässerung über Kunststoffschläuche zu installieren.

Die Sanierung der drei Buhnen soll aufgrund der Naturschutzbestimmungen bis spätestens 28. Februar des kommenden Jahres durchgeführt werden. Weil die Arbeiten mit Kleinmaschinen und von Hand ausgeführt werden müssen, sind die Baukosten nur schwer zu kalkulieren. Im Haushaltsplanentwurf sind dafür 150000 Euro eingeplant.

Der Beschluss im Gemeinderat erfolgte einstimmig. Dabei bedauerte Freie-Wähler-Stadtrat Mario Wildermuth, dass die Freiberger Bürger davon selbst nicht viel haben: „Wir haben einen vorzeigenswerten Teilabschnitt des Neckars, aber keinen Mehrwert, da man den Bereich nicht betreten darf.“

Stichwort: Buhnen

Buhnen sind vorwiegend aus dem Urlaub an Nord- oder Ostsee bekannt. Im Meer besteht eine Buhne oft aus einem Wall aus Steinen oder auch einer kleinen Wand aus Stahl. Mitunter handelt es sich dabei auch um eine Reihe von Pfählen aus Holz oder Beton. Sie sollen Wellen brechen und Strömungen vom Strand fernhalten. Sie verlaufen zumeist im rechten Winkel zum Strandverlauf in der Nähe des Uferbereichs. Buhnen gibt es auch an Flüssen und gelten dort laut Bundesanstalt für Wasserbau als Regelungsbauwerke an Bundeswasserstraßen, die vom Ufer aus quer zur Strömung errichtet werden. Sie dienen dem Uferschutz und fixieren den Flusslauf. In ihrer Wirkung als Regelungssystem bündeln sie den Durchfluss, um auch bei geringen Durchflüssen ausreichende Wassertiefen für die Schifffahrt sicherzustellen. Mehrheitlich bestehen Buhnen in Flüssen aus – oftmals gepflasterten – Steinschüttungen.

Schon früh hat der Mensch laut der Bundesanstalt für Wasserbau begonnen, Fließgewässer entsprechend seiner Ziele umzugestalten, beispielsweise zum Schutz der Ufer oder zur Nutzung des Wassers als Energielieferant und Transportweg. Zur Verbesserung der Schifffahrtsverhältnisse wurden dabei zunehmend Maßnahmen in Form von sogenannten Regelungsbauwerken umgesetzt. (red)

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