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Stele für Ordner-Erfinder

Nachfahren von Louis Leitz überreichen 10000-Euro-Scheck für Sozialfonds der Schillerschule

Ururenkel Dr. Christian-Titus Klaiber (rechts) forscht mit Ururenkelin Catherina Allen (Mitte) zu Louis Leitz. Links Bürgermeisterin Simone Lehnert.Foto: Ramona Theiss
Ururenkel Dr. Christian-Titus Klaiber (rechts) forscht mit Ururenkelin Catherina Allen (Mitte) zu Louis Leitz. Links Bürgermeisterin Simone Lehnert. Foto: Ramona Theiss

Ingersheim. „Wir sind stolz auf unseren Louis Leitz“, sagte Bürgermeisterin Simone Lehnert, als am Sonntag beim Rathaus eine Stele enthüllt wurde, die an den am 2. Mai vor 175 Jahren geborenen Ingersheimer und Erfinder des weltberühmten Leitz-Ordners erinnert.

Die Ordner mit dem Umlegebügel und dem typischen Griffloch im Rücken sind nach wie vor Markenzeichen eines jeden Büros, 30 Jahre lang hat Louis Leitz daran getüftelt, bis das Produkt perfekt war. Die vom Pleidelsheimer Steinbildhauer Jörg Failmezger gefertigte Stele aus Würzburger Muschelkalk und gebürstetem Aluminium ist eine Reminiszenz an die Funktionalität des Leitz-Ordners.

Er wollte eben alles besser machen, das sei sein Markenzeichen gewesen, berichtete der Ururenkel Dr. Christian-Titus Klaiber, der zusammen mit Ururenkelin Catherina Allen nach Ingersheim gekommen war, um die Stele zu enthüllen. Schon seit einiger Zeit gibt es intensive Kontakte zwischen den Nachkommen und Bürgermeisterin Simone Lehnert. Ihre Mission war, mehr über Louis Leitz und Ingersheim zu erfahren. Und da war Gemeindearchivarin Brigitte Popper die richtige Ansprechpartnerin, denn sie hatte schon im Jahre 2018 zum 100. Todestag von Louis Leitz umfassend recherchiert.

So wurde auch die Idee geboren, Leitz ein ordnertypisches Denkmal mit einem kurzen Erinnerungstext zu setzen. Wie die Gemeindearchivarin bei der Enthüllung der Stele berichtete, wurde Louis Leitz als fünftes Kind des Küfers Johann Ludwig Leitz und Friederike Durian in der Brunnengasse2 in Großingersheim geboren. Das Haus steht seit 1944 nicht mehr. Als Louis Leitz 14 Jahre alt war, wurden er und seine sechs Geschwister Vollwaisen. Er begann bereits als 14-jähriger eine Ausbildung zum Dreher. Die Lehrjahre führten ihn unter anderem nach Stuttgart, wo er 1871 im Stuttgarter Westen mit einem Kompagnon die „Mechanische Werkstätte und Factura-Bücher-Fabrik Leitz und Heinrich“ gründete. Seit 1898 befand sich der Firmenstandort in Feuerbach und aus der Werkstätte wurde ein Unternehmen, das beim Verkauf im Jahre 1998 immerhin 2500 Mitarbeiter zählte und einen Umsatz von 280 Millionen Euro erzielte. Eine Erfolgsgeschichte also, die mit typisch schwäbischem Fleiß, aber auch, wie Bürgermeisterin Simone Lehnert betonte, mit viel Willenskraft zu tun hatte. Der frühe Tod der Eltern hatte die Geschwister einst zusammengeschweißt.

Und diesen Zusammenhalt pflegen die Nachfahren immer noch, wie Dr. Christian-Titus Klaiber und Catherina Allen betonten. Um jungen Menschen zu helfen, damit sie trotz Benachteiligungen und Schicksalsschlägen ihren Weg im Leben gehen können, wurde 2001 die Louis Leitz Stiftung gegründet und in diesem Geiste hatten die beiden Nachfahren auch einen dicken Scheck für den Sozialfonds der Ingersheimer Schillerschule mitgebracht: Die Rektorin Annette Conrad freute sich über eine Spende von 10000 Euro, mit dem die Schule in ohnehin nicht einfachen Zeiten nun gezielt Kinder fördern kann. Darüber zeigte sich die Rektorin gerührt und sehr dankbar.

Denn familiäre Notlagen sind laut der Schulsozialarbeiterin Simone Pritchard nicht immer gleich ersichtlich, sie würden oft schamvoll versteckt.

Mehr über Louis Leitz erfahren Interessierte im Herbst. Dann ist im Rathaus eine Ausstellung über sein Leben und Wirken geplant.

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