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Streit um die A81: Land geht in den Dialog

Zwölf Jahre ist es her, dass der Kampf von Ludwigsburg, Asperg und Möglingen um die Aufweitung der A81 zwischen den Anschlussstellen Ludwigsburg-Nord und -Süd begann. Jetzt kommt Bewegung in die Sache, das Planfeststellungsverfahren könnte 2022 beginnen. Doch der nächste Kampf ist vorprogrammiert: Einen rechtlichen Anspruch auf Lärmschutz gibt es nämlich nicht.

Blick nach Süden von der Brücke zwischen Ludwigsburg und Asperg: Während rechts die Stand- zur Fahrspur wurde, fehlt links die Erweiterung auf vier Spuren. Wie auch der Lärmschutz. Die AG A 81 fordert den schnellen Bau von Lärmschutzwänden, auf der ö
Blick nach Süden von der Brücke zwischen Ludwigsburg und Asperg: Während rechts die Stand- zur Fahrspur wurde, fehlt links die Erweiterung auf vier Spuren. Wie auch der Lärmschutz. Die AG A 81 fordert den schnellen Bau von Lärmschutzwänden, auf der östlichen Seite sollen diese nach Ansicht der AG A 81 schon vor dem Umbau stehen. Foto: Ramona Theiss

Ludwigsburg. Aufgerieben haben sich die unbeugsamen Bürgermeister Ludwigsburgs, Möglingens, Aspergs und Freibergs und sogar das Kreishaus im Kampf um ein besseres Leben entlang der Autobahnschneise keineswegs. Doch der dauert schon so lange, dass in jeder der beteiligten Kommunen jemand anderes am Ruder sitzt, und auch der Landrat hat gewechselt: Zwölf Jahre nach dem ersten, vielstimmigen Aufschrei für eine vierspurige A81 und entsprechenden Lärmschutz ist bis auf Personalien aber noch nicht viel geschehen. Gar nichts träfe es wohl besser. Das sagt auch ein deutlich frustrierter Reinhold Noz. Der Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft A81 ist wie der Asperger Rolf Janiak mittlerweile aus dem Gemeinderat ausgeschieden, den Kampf haben die beiden CDU-Recken noch nicht aufgegeben: „Das ist eine Unverschämtheit, uns so in der Luft hängenzulassen.“

In geharnischten Schreiben hat sich die AG A81 an Winfried Hermann im Verkehrsministerium gewandt, der sich nicht an sein Versprechen gehalten habe, dass die Bauarbeiten für die Erweiterung der A81 2021 beginnen sollen. „Bis zur nächsten Landtagswahl“, ergänzt er. Bekanntlich findet die Wahl in zehn Tagen statt, „getan hat sich nichts. Die Interessen der Bürger werden mit Füßen getreten“, so Noz, „es ist erschreckend, wie im Verkehrsministerium mit der Demokratie umgegangen wird.“ Bis auf den Umbau der Anschlussstelle Ludwigsburg-Süd, um die Westrandstraße anzubinden. Das wäre der richtige Zeitpunkt gewesen, auch die Brücke zu verbreitern, so Noz, um durchgängig vier Fahrspuren zu gewährleisten (siehe unten). In Richtung Süden wurde die Standspur freigegeben, Richtung Norden ist nichts passiert.

Eine Antwort vom Verkehrsministerium gab es nicht – seit Anfang dieses Jahres hat es diese Aufgaben an die neu gegründete Autobahn GmbH übergeben. Für die Ausführung wiederum ist die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (Deges) zuständig. Beide haben sich nun überraschend bereiterklärt, mit der AG A81 die weiteren Schritte im Dialog zu besprechen.

Einigermaßen verhalten reagiert Reinhold Noz auf die Einladung aus Stuttgart. Das Land hätte nach dem grünen Licht des Bundes 2017 spätestens 2020 das Planfeststellungsverfahren einleiten können. „Vertane Zeit“, sagt er. Allerdings sieht er damit „immerhin ein kleines Licht am Ende des Tunnels“. Derzeit werden laut Deges die Schallschutzuntersuchungen gemacht – konkret heißt dies, dass die Lärmbelastungen in verschiedenen Bereichen und Höhen detailliert gerechnet werden. Danach folge die Entwurfsplanung, dann geht es an die Planfeststellungsunterlagen. Das Verfahren soll im Sommer 2022 eröffnet werden.

„Nach meiner Einschätzung dauert es mindestens zwei Jahre, bis es durch ist“, sagt Reinhold Noz. Selbst das könnte knapp werden: Laut der Deges GmbH wird es selbstverständlich ein Anhörungsverfahren mit Auslegung geben, bei der die sogenannten Träger öffentlicher Belange wie auch die Bürger beteiligt werden.

Ist das Baurecht mit dem Planfeststellungsbeschluss geschaffen, geht es an die Umsetzung der Maßnahme: die Seitenstreifenfreigabe und den erneuten Umbau der Anschlussstelle Ludwigsburg-Süd – mit Verbreiterung der Brücke. Reinhold Noz rechnet nicht vor 2026 mit Baubeginn. Eine Terminierung ist schwierig: In dieser Zeit sind auch Klagen gegen den Beschluss möglich.

Reinhold Noz bereitet sich mit seinen Mitstreitern auf einen weiteren Kampf vor. Offiziell, wenn auch dauerhaft angelegt, gilt die Erweiterung der Standstreifen als „temporär“ – damit aber haben die Anliegerkommunen keinerlei Recht auf einen Lärmschutz. Anders wäre es mit einem Neubau gewesen, der aber im Bundesverkehrswegeplan auf ferner liefen nach 2030 geschoben wurde und als unrealistisch gilt. Dass die Freigabe der Standstreifen in Verkehr und Lärm dem Ausbau auf eine achtspurige A81 entspricht, ist rechtlich nicht von Belang.

So betrachtet die AG A81 die Äußerung der Deges GmbH, dass sich „noch weitere Bereiche ergeben können“, in denen Lärmschutzwände nötig sind, mit Argwohn. Nur mehr – und wohl auch flüssigeren – Verkehr auf der Autobahn zu haben, stehe dem Ziel der AG A81 konträr entgegen. „Lärmschutz ist kein Kann, sondern ein Muss“, wappnet sich Noz. Für die bestehenden Lärmschutzwände auf Höhe Aspergs und Eglosheims, so die Deges, werde es „voraussichtlich eine Erhöhung“ geben. Wie Noz sagt, habe Möglingen schon vor Jahren eine eigene Berechnung gemacht – und sei bei zwölf Metern Höhe gelandet. Fast nicht machbar, konstatiert er. Eine theoretische Lösung: Im Halbrund abgeknickt – oder eben doch ein Deckel wie im Kreis Böblingen (siehe unten rechts). Das allerdings hält selbst die kämpferische AG A81 für utopisch. Wir erinnern uns: 2015 hatte der damalige OB Werner Spec im Zuge der Diskussion um eine Umfahrung (H4B4) einen Deckel über die A81 in durchaus geeignetem Gelände auf Höhe Eglosheims ins Spiel gebracht – eine Idee, die kurz darauf sang- und klanglos verschwand.

Die Autobahn zu verbreitern und gleichzeitig Lärmschutz zu verlangen, ist nur ein scheinbares Paradox: Die Westrandstraße im Verbund mit einer achtspurigen A81 soll den Verkehr auf der chronisch überlasteten Strecke flüssiger werden lassen. Ein Trostpflästerchen ist es, dass mit der Sanierung der Fahrbahndecke auf einer Spur „ein lärmarmer und auch längerfristig standfester Gussasphalt“ eingebaut wurde. Dies teilt das Verkehrsministerium auf Anfrage unserer Zeitung mit, ab den Osterferien könne dies auch in der Gegenrichtung geschehen.

Zu vage, urteilt Reinhold Noz, der frühestens 2028 mit einer achtspurigen A81 rechnet. Davor aber, ist er sicher, wird es einen Kampf um Lärmschutz geben. „Da muss man dann wohl noch ein bisschen streiten.“

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