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Theaterstück zeigt Grenzbereiche zwischen Teenagern auf

Eigentlich wollen die beiden Jugendlichen Franzi und Lars nur einen schönen Abend miteinander verbringen. Doch bei ihrem ersten Date läuft einiges schief.

Ludwigsburg. Ob es mit den beiden trotzdem weiter geht, dabei durften die Siebtklässler der Oscar-Paret-Schule ein Wörtchen mitreden. Grenzbereiche, ein Theaterprojekt zur Prävention von sexuellen Übergriffen zwischen Teenagern, ist von der Beratungsstelle Silberdistel initiiert worden. Gefördert wird dieses Projekt von der Ruprecht-Stiftung sowie dem Forum Kinder- und Jugendschutz. Weitere Beteiligte sind die Polizei, die Schulpsychologische Beratungsstelle sowie die Psychologische Beratungsstelle der Caritas. „Wir finden es wichtig, dass Jugendliche lernen, miteinander über ihre Wünsche und Bedürfnisse zu reden und auf die Signale des Anderen zu achten“, so Christa Wenzelburger von Silberdistel. Das Theaterstück soll ihnen Wege aufzeichnen, wie sich Situationen gestalten lassen, damit Beziehungen gelingen können. Ganz bewusst haben sich die Theatermacher dafür entschieden, Lars nicht nur als Täter darzustellen.

Spielerische Rangelei artet aus

Zu Beginn des Theaterstücks will Lars Franzi etwas erklären und bückt sich, so dass seine Jeans verrutscht. Sie zieht von hinten am Gummiband seiner Unterhose und lässt es laut fletschen. Ein Murmeln geht durch die Zuschauerreihen. In einer anderen Szene muss Franzi bei einem verlorenen Spiel einen Kuss als Wetteinsatz einlösen. Soll sie Lars einen Kuss geben, obwohl sie eigentlich gar keine Lust dazu hat? Und ist es schlau, dass sie dem Jungen ein Bikinifoto vom Strandurlaub auf Mallorca aufs Handy schickt? Entsetzt springt Franzi auf, als eine spielerische Rangelei mit Lars ausartet und er ihr an den Busen grapscht.

Dann geht auch das Licht in der Alten Kelter an. Jetzt sind die Jugendlichen am Zuge. Jörg Pollinger von Q-Rage geht mit dem Mikrofon durch die Zuschauerreihen und fragt die Jugendlichen, wie es weiter gehen soll. Einig sind sich Jungen und Mädchen darin, dass es sich um einen Übergriff gehandelt hat, der absolut nicht korrekt ist. „Sie soll ihm eine Schelle geben und dann weggehen“, so der Ratschlag eines Jungen. „Lars soll sich entschuldigen und als Wiedergutmachung der Franzi etwas schenken“, so die Idee eines anderen Jugendlichen.

Regeln auch für Ehepaare gültig

Jetzt ist auch der Punkt gekommen, an dem Andrea Glück, Präventionsexpertin der Polizei Ludwigsburg, sich einschaltet. „Man darf niemanden begrapschen“, weist sie darauf hin, dass es sich bei solch einem Übergriff bereits um sexuelle Nötigung und somit um eine Straftat handelt. „Das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung ist sehr wertvoll“, betont sie. Wenn es zwischen zwei Personen zu sexuellen Handlungen kommt, müssten beide damit einverstanden sein – und zwar immer. Das gelte auch für Ehepaare. „Was ist, wenn Paul das Bikinifoto von Franzi einfach an seine Freunde weiterschickt?“, gibt Andrea Glück zu bedenken. Auch das ist nicht zulässig, wenn die Person, die auf dem Foto zu sehen ist, nicht damit einverstanden ist. Lars soll sich entschuldigen, entscheiden schließlich die Schüler.

Und da lässt Schauspieler Daniel Neumann alias Lars sich einiges einfallen. Der Jugendliche beteuert, dass er Franzi sehr mag und etwas nervös gewesen sei. „Ich will doch nur, dass es dir gut geht“, sagt er. Sie beschließen, einfach nochmals neu anzufangen und verbringen einen tollen Abend miteinander.

„Erst war es strange, dann cool“, berichtet Lars seinem Kumpel am Telefon. Das Bikinifoto rückt er auch auf dessen Drängen nicht raus. „Wir können über alles reden“, schwärmt Franzi ihrer Freundin am Telefon vor. Bisher hat es bei jeder dieser Theateraufführungen ein glückliches Ende gegeben. „Wir haben noch nie gespielt, dass Franz weggeht“, so Jörg Pollinger.

Nach der Aufführung in der Alten Kelter redeten die Schüler, nach Jungen und Mädchen getrennt, bei einer Nachbesprechung in der Schule mit den Experten der Schulpsychologischen Beratungsstelle und der Psychologischen Beratungsstelle der Caritas über das, was sie gesehen hatten.

Für Christa Wenzelburger ist das Projekt ein Beitrag zur Opfer- und Täterprävention. „Die Schüler lernen, offen Nein zu sagen, und andererseits gegenüber dem Anderen achtsam zu sein und auf Signale zu achten.