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Todesfalle für Reh und Wildsau

Jagdpächter sieht einen Unfallschwerpunkt auf der Umgehungsstraße – Bürgermeister kritisiert die Raser

Schilder warnen zwar vor einem Wildwechsel an der Umgehungsstraße am Eichwald. Das findet aber offenbar nicht genug Beachtung. Foto: Alfred Drossel
Schilder warnen zwar vor einem Wildwechsel an der Umgehungsstraße am Eichwald. Das findet aber offenbar nicht genug Beachtung. Foto: Alfred Drossel

Sersheim/Sachsenheim. Jagdpächter Steffen Geckeler bezeichnet die Umgehungsstraße am Eichwald als einen Schwerpunkt bei Wildunfällen. In den 14 Jahren, seit es die Straße gibt, seien 153 Rehe und 30 Wildschweine dort ums Leben gekommen. Das hätte mit entsprechenden Maßnahmen verhindert werden können, sagt Geckeler.

Rund 300000 Wildtiere werden jährlich in Deutschland an- oder überfahren. Das entspricht bundesweit einem Wildunfall alle 90 Sekunden, in Baden-Württemberg wird laut Statistik alle 20 Minuten ein größeres Säugetier wie Reh, Wildschwein oder Hirsch im Straßenverkehr getötet. Wildunfälle habe auch lebensgefährliche Folgen für Autofahrerinnen und -fahrer. Rund ein Dutzend Personen wurde bei Wildunfällen getötet, 2000 bis 3000 Personen leicht bis schwer verletzt. Die Wildunfallzahlen steigen seit Jahren kontinuierlich an, heißt es in der Statistik.

Im Jahr 2019 wurde der Sersheimer Jagdpächter allein zu neun Unfällen mit Wildschweinen gerufen. Für Steffen Geckeler ist das zu viel. Er sieht die Umgehungsstraße als einen Unfallschwerpunkt und kritisiert, dass geeignete Maßnahmen beim Bau der Straße nicht realisiert wurden. Die Gefahr eines Wildunfalls sei im Frühling, in den Monaten April und Mai, sowie im Herbst von Oktober bis Dezember am höchsten. Dann seien die Tiere durch die Suche nach geeigneten Lebensräumen und durch die Paarungszeit aktiver und legten größere Strecken zurück. Damit steige auch die Anzahl an Straßenquerungen.

Wildtiere wechseln auf Höhe des Merzentals – wie der Wald auf Sersheimer Markung heißt – und dem Oberriexinger Hasenwäldle die Straße. Beim Bau der Straße sei am Waldsaum eine Hecke angelegt worden. Dadurch seien die wechselnden Tiere für Autofahrer nicht mehr frühzeitig erkennbar und sie könnten häufig nicht mehr reagieren.

Beim Bau der Umgehungsstraße hätten die Jäger angeregt, zwei Wildunterführungen in der Nähe des Porschebuckels und weiter westlich in Richtung Kleinglattbach anzulegen. Dies sei jedoch aus Kostengründen vom Zweckverband Eichwald und vom Land abgelehnt worden, sagt Geckeler. Das Landratsamt habe sich damals auf Lippenbekenntnisse beschränkt. Passiert sei nichts. Nur Schilder seien aufgestellt worden. Der Vorschlag der Jäger, entlang der Strecke einen Wildschutzzaun anzulegen, sei von den Forstbehörden abgelehnt worden, bedauert Geckeler.

Auf der Umgehungsstraße komme außerdem hinzu, so beklagt der Jagdpächter, dass sich die Straße zur Rennstrecke entwickelt habe: „Viele fahren dort nicht, sondern sie fliegen tief.“ Der Sersheimer Bürgermeister Jürgen Scholz hat kürzlich rasende Autofahrer am Eichwald auf Facebook heftig kritisiert. „Manche haben den Bezug zu Geschwindigkeitsregelungen auf dieser Straße komplett verloren“, schreibt Jürgen Scholz dort. Diese würden wohl die Straße mit einer Rennstrecke verwechseln. Dies sei, so Scholz, seit einiger Zeit schon zu beobachten. „Raser gab es hier schon immer. Aber es hat in den vergangenen zwei bis drei Monaten deutlich zugenommen. Jetzt nimmt es wirklich überhand“, klagt der Schultes. Da würden die Gänge der Motorräder ausgefahren, dass man nur den Kopf schütteln müsse.

Autofahrer nutzen die Umgehungsstraße als Hockenheimring, der neue Kreisel bei Porsche werde als Driftmöglichkeit gesehen. Helmut Mager, Naturschutzwart der Ortsgruppe Sachsenheim vom Schwäbischen Albverein kann das nur bestätigen. „Wenn die Missstände weiter zunehmen, wird die Landespolizei nicht umhinkommen einzugreifen,“ betont Mager.

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