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„Uns sind ganze Generationen treu geblieben“

Nach 39 Jahren geben Bettina und Eberhard Lenz die Leitung der Bürgerschenke in Benningen ab – Vorbereitung auf den „Endspurt“

Haben die Bürgerschenke fast 40 Jahre geprägt: Eberhard Lenz und seine Frau Bettina. Ende des Jahres ist aber Schluss. Foto: Holm Wolschendorf
Haben die Bürgerschenke fast 40 Jahre geprägt: Eberhard Lenz und seine Frau Bettina. Ende des Jahres ist aber Schluss. Foto: Holm Wolschendorf

Benningen. Eberhard Lenz geht nach 39 Jahren als Wirt der Bürgerschenke in den Ruhestand, sein Pachtvertrag läuft zum Jahresende aus. Bis dahin will er aber noch mal durchstarten und hofft, dass er nach der Coronapause ab kommendem Mittwoch wieder Gäste bewirten kann. Der Kochlöffel liegt schon bereit.

Als die Gemeinde Benningen die Pacht für die Bürgerschenke im Jahr 1983 neu ausschrieb, musste Eberhard Lenz nicht lange überlegen und reichte kurzerhand seine Bewerbung ein. Nach seiner Kochausbildung am Schlosshotel Monrepos in Ludwigsburg war er im Bietigheimer Hotel Otterbach untergekommen und hatte gerade seine Meisterprüfung absolviert. Nun wollte sich der junge Mann selbstständig machen, und das Lokal in der 1974 eröffneten Gemeindehalle erwies sich als passend.

„Die Gaststätte bot mir damals alle Möglichkeiten“, sagt der in Asperg aufgewachsene Lenz. „Ich konnte hier À-la-carte-Küche machen, das Nebenzimmer bot Platz für Feierlichkeiten mit bis zu 80 Personen, und im Pachtvertrag war die Bewirtung von Veranstaltungen in der Gemeindehalle festgeschrieben.“ Dazu die Gartenwirtschaft mit fast 70 Plätzen und die damaligen Kegelbahnen, die zusätzliche Einnahmen versprachen. „Die wirtschaftliche Grundlage war gegeben“, meint der Wirt. „Wenn es mal nicht so gut lief, wusste man, dass sich die Durststrecke mit Großveranstaltungen ausgleichen lässt.“

Wirte kommen und gehen. Dass Lenz eine solch langfristige Bindung zu seiner neuen Heimatgemeinde entwickeln würde, konnte bei Unterzeichnung des Pachtvertrags keiner der Beteiligten ahnen. Dass es dennoch so kam, lag nicht zuletzt an der effektiven Arbeitsteilung, für die sich Eberhard Lenz und seine Frau Bettina entschieden.

Dass er als Meisterkoch für die Küche verantwortlich sein sollte, lag auf der Hand. Während ihr Mann im Hintergrund die Fäden zog, war Bettina Lenz als gelernte Floristin fortan für Dekoangelegenheiten und den direkten Kontakt zu den Gästen zuständig. Wie geht’s den Großeltern? Hat der Enkel schon seinen ersten Zahn bekommen? Wann kommt das Baby auf die Welt? Aus Smalltalk erwuchsen zum Teil jahrelange Bekanntschaften. „Uns sind ganze Generationen von Familien treu geblieben“, sagt Bettina Lenz voller Stolz. „Viele Benninger haben bei uns ihre Konfirmation, ihre Hochzeit und die Taufe ihrer Kinder gefeiert.“

Ihr Mann bezeichnet sie als „Seele“ der Bürgerschenke. Diesen direkten Kontakt habe er natürlich nicht, räumt Eberhard Lenz ein. Sein Anliegen sei es gewesen, Qualität in die Küche zu bringen und die Gäste zufriedenzustellen. Dabei sei er stets auf Sonderwünsche eingegangen. „Einer will den Rostbraten ohne Soße, der Nächste die Spätzle ohne Schmelz, wieder andere mögen keinen Gurkensalat“, berichtet Lenz aus der Praxis. „Was möglich ist, machen wir möglich. Die Gäste müssen sich wohlfühlen, dann kommen sie wieder.“

Der Wirt hofft, dass sich die Gäste auch nach dem Pächterwechsel in der Bürgerschenke wohlfühlen. Er selbst gehört als Gemeinderat dem kommunalen Ausschuss an, der nun einen Nachfolger finden soll. Der neue Pächter werde gute Voraussetzungen vorfinden, betont Lenz. „Wir haben uns einen Ruf erarbeitet, darauf kann der Nachfolger aufbauen.“

Die Küche sei in Topzustand, „da kenne ich andere Küchen“. Und die Gemeinde sei ein zuverlässiger Partner. Auf die künftige Speisekarte kann Lenz zwar keinen Einfluss nehmen. „Das kann natürlich jeder regeln, wie er will. Aber ich würde mir wünschen, dass in der Bürgerschenke weiterhin gutbürgerliche Küche auf den Teller kommt.“

Zunächst aber wird Lenz nach der nervenaufreibenden Coronapause noch bis Jahresende in der Küche stehen, alles ist vorbereitet, der Gastraum dekoriert. Lenz ist zuversichtlich, dass die Zahl der Corona-Neuinfektionen weiter sinkt und er am kommenden Mittwoch wieder öffnen darf. „Wir haben jetzt seit einem halben Jahr zu, das war nicht gerade erquickend“, sagt der Wirt. Für seine letzte Ehrenrunde in der Bürgerschenke sei er voll motiviert. „Mir haben zuletzt einfach die Erfolgserlebnisse gefehlt. Das Gefühl, dass die Gäste zufrieden sind und gerne wieder in die Bürgerschenke kommen.“

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