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Vereine bleiben auf Altpapier sitzen

Altpapier kann sich in harte Euro verwandeln, wenn man es sammelt und verkauft. Das tun viele Vereine seit Jahren und bessern damit ihre Kasse auf. Aber jetzt will die Abfallverwertungsgesellschaft des Landkreises (AVL) das Altpapier der Vereine nicht mehr. Manche sind verärgert, manche haben schon seit jeher auf andere Abnehmer gesetzt.

Altpapier bringt Vereinen Geld. Auf dem Foto von 2018 sammeln der GSV Pleidelsheim und die evangelische Jugend. Archivfoto: Holm Wolschendorf
Altpapier bringt Vereinen Geld. Auf dem Foto von 2018 sammeln der GSV Pleidelsheim und die evangelische Jugend. Foto: Holm Wolschendorf

Kreis Ludwigsburg. Bevor die Abfallverwertungsgesellschaft des Landkreises Ludwigsburg (AVL) damit an die Presse gegangen ist, haben die Vereine einen Brief bekommen mit dem Inhalt, dass die Verträge zur Altpapiersammlung nur noch bis Ende 2020 fortgeführt werden. Anschließend können die Vereine zwar weiterhin Altpapier sammeln, die AVL kauft es ihnen aber nicht mehr ab.

„Der Zeitpunkt ist sehr unglücklich gewählt und die Kündigung kam ganz ohne Vorwarnung“, ärgert sich Roland Vogel, Chef des Akkordeonvereins Ingersheim. Der eher kleine Verein mit hundert Mitgliedern sammelt dreimal im Jahr Altpapier und weiß sich dabei nicht nur von den Vereinsmitgliedern, sondern auch von den Ingersheimern unterstützt. Die lassen ihr Altapier gern den Musikern zukommen, die sich damit eine verlässliche Einnahmequelle geschaffen haben. „Was im Container drin ist, hat man!“, sagt Roland Vogel.

Bisher lief es so: Die Vereine, die einen Vertrag mit der AVL geschlossen haben, meldeten ihre Sammeltermine dort an, dann bekamen sie am Sammeltag einen Container von der AVL zur Verfügung gestellt. Am Schluss gab es 40 Euro für die Tonne plus einen Anteil, der sich am aktuellen Marktwert für Altpapier orientiert. Dieser Marktwert, sagt Tilman Hepperle, Geschäftsführer der AVL, bewege sich „sprunghaft auf niedrigem Niveau ohne positive Perspektive“. Es habe Zeiten gegeben, da brachte die Tonne Altpapier 100 Euro, inzwischen seien es maximal 50, Tendenz fallend.

Das führe dazu, dass die Vergütung der AVL an die Vereine in den kommenden zwei Jahren stark reduziert werden müsste, und zwar so stark, dass sich eine Sammlung über die AVL nicht mehr lohne. Denn die Erfassung und Verwertung von Altpapier über die Vereine dürfe für die Gebührenzahler nicht teurer sein als über die Grüne Tonne „flach“.

Mit anderen Worten: „Wir dürfen die Vereine nicht aus den Abfallgebühren subventionieren“, so Hepperle. Aus abfallgebührenrechtlicher Sicht bleibe deshalb keine Alternative, „auch wenn wir die Vereine gerne weiterhin unterstützt hätten“. Dass das für die Vereine keine positive Nachricht sei, „ist uns bewusst,“ sagt der AVL-Geschäftsführer.

Es gab Zeiten, da hatte das anders ausgesehen, erinnert sich Roland Vogel vom Ingersheimer Akkordeonverein, der seit 18 Jahren die Altpapiersammlungen für seinen Verein organisiert. „Dann hat es plötzlich geheißen, alles, was an der Straße steht, ist Müll, und Müll gehört der AVL. Dann haben wir das Altpapier halt dort abgeliefert.“ Weil die es jetzt auf einmal nicht mehr wollen, fühle er sich „auf gut Schwäbisch gesagt verarscht“.

Weitersammeln wollen die Akkordeonisten aber trotzdem, denn die finanziellen Einbußen würde der kleine Verein spüren. Sie schauen sich inzwischen nach einem privaten Recycler um, der ihnen ihr ordentlich vorsortiertes Sammelgut abnimmt.

Das hat Reiner Klotz vom CVJM Steinheim schon gemacht. „Wir arbeiten schon lange nicht mehr mit der AVL zusammen“, sagt der Diakon, der in Steinheim auf eine über 40-jährige Papiersammel-Karriere zurückblickt und in diesen Jahrzehnten einige finanzielle Durststrecken durchgestanden hat. „Wir haben auch gesammelt, als man nichts mehr gekriegt hat“, erinnert sich Klotz; altpapiermäßig fühlt sich der CVJM in Steinheim als Platzhirsch. Allein im Stadtgebiet Steinheim kommen bei jeder Sammlung 15 bis 20 Tonnen Altpapier zusammen, wofür es einen „kleinen vierstelligen Betrag gibt“. Über Geld redet er nicht gerne, die Begehrlichkeiten der Konkurrenz sind groß.

Max Weckerle, Vorsitzender des Kanuclubs Marbach, geht offen mit dieser Frage um: „Uns fehlen 3500 bis 4000 Euro im Jahr ohne die Sammlungen; der Erlös hat unseren Verein bisher finanziell ziemlich entlastet; wir bedauern sehr, dass die AVL nicht mehr ihre schützende Hand über die Vereine hält.“ Dass ein privater Recycler die gleichen Preise zu zahlen bereit ist, hält er für unwahrscheinlich, trotzdem suchen die Kanuten danach. An dem Zyklus – im Frühjahr und Herbst sammelt der Kanuclub, im Sommer und Winter der FC Marbach – wollen sie festhalten.

Ohnehin lohnt sich der Aufwand nur, weil örtliche Firmen und Landwirte den Vereinen Fahrzeuge zur Verfügung stellen und weil die Vereine auch noch einen anderen Mehrwert aus der Sammelaktion ableiten außer Geld in der Vereinskasse: das gute Gefühl etwas für den Umweltschutz zu tun, mit anderen Vereinsmitgliedernd zusammen Spaß zu haben und für die Vereinsjugend die wichtige Erkenntnis, dass die eigene Arbeit Früchte trägt.

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