Logo

Amateurfußball

Vereine kämpfen um den Aufstieg

Vor einer Woche haben die baden-württembergischen Fußballverbände empfohlen, die Saison abzubrechen. Dass es mit dieser Entscheidung auch Verlierer geben würde, war klar. Dutzende Vereine positionieren sich nun gegen den Entscheid, darunter der DJK Ludwigsburg und der SV Pattonville.

Kaum noch Hoffnung auf den Aufstieg: Die Mannschaft des DJK Ludwigsburg. Foto: privat.
Kaum noch Hoffnung auf den Aufstieg: Die Mannschaft des DJK Ludwigsburg. Foto: privat.

Ludwigsburg. „Wir sind uns der Lage bewusst, dass es für alle schwierig ist, aber auch wir als Verein müssen vom Fleck kommen“, sagt Lars Schweizer, Trainer des DJK Ludwigsburg. Der Württembergische-, Badische-, und Südbadische Fußballverband verkündeten vor einer Woche eine Empfehlung zum Abbruch der Fußballsaison ab der Oberliga und allen Ligen darunter (wir berichteten). Gewertet werden soll der Tabellenstand von Mitte März – vor Unterbrechung aufgrund der Coronakrise – anhand einer Quotientenregel, also Anzahl der Punkte geteilt durch Anzahl der Spiele. Der Tabellenerste soll aufsteigen, Absteiger sind nicht vorgesehen.

Der Lokalrivale zieht vorbei

Als Alternative boten die Verbände eine Saisonfortsetzung ab 1. September an, sofern das bis dahin möglich wäre. Bis heute können alle Vereine Stellung nehmen. Im Juni soll auf den jeweiligen Verbandstagen eine Entscheidung getroffen werden. „Es gibt keine Lösung, die alle glücklich macht“, hatte Ronny Zimmermann, Präsident des Badischen Verbandes, gesagt.

Einer dieser Clubs, die nun als Verlierer vom Feld zu gehen drohen, ist der DJK Ludwigsburg in der Kreisliga B 3. Nach zehn Spielen und Tabellenstand von Mitte März steht der DJK mit 26 Punkten (Quotient 2,6) auf dem ersten Platz. Käme die Quotientenregel zum Zuge, würde ausgerechnet der FSV Oßweil (9 Spiele, 25 Punkte, Quotient 2,78) am Lokalrivalen vorbeiziehen und damit aufsteigen. „Wir sind momentan Tabellenführer, auch wenn wir ein Spiel weniger haben. Und wir hätten noch ein Spiel gegen Oßweil gehabt“, betont Schweizer und kritisiert: „Bei allem Verständnis für die schwierige Situation, wenn ich den Pokal ausspielen will, wie es der Verband plant, muss es auch eine Möglichkeit geben, die Relegation auszuspielen.“

Der DJK Ludwigsburg ist nicht alleine. In einer Tabelle hat Schweizer Dutzende Vereine aus dem ganzen Verbandsgebiet aufgelistet, die sich unter Anwendung der Quotientenregel benachteiligt sehen könnten. Darunter auch der SV Pattonville in der Kreisliga A 1 oder der TV Möglingen in der Kreisliga A 2. Wie Schweizer berichtet, seien die Vereine untereinander im Austausch. „Einige Vereine haben bereits angekündigt, notfalls zu klagen. Zum Beispiel Croatia Reutlingen oder der TSV Oberensingen. Diesen Schritt behalten wir uns noch vor.“ Für den 27-Jährigen gibt es drei Alternativen: „Die Relegation ausspielen, die Zweiten mitaufsteigen lassen oder die Saison pausieren, bis wieder gespielt werden kann.“ Am liebsten wäre es dem B-Lizenzinhaber, wenn der Aufsteiger noch sportlich ausgemacht werden würde. „Ich weiß nicht, warum das jetzt schon entschieden werden soll. Wir müssen erstmal wissen, wann wir wieder spielen können.“

Schweizers Liste umfasst 140 Vereine. Insgesamt sind in Württemberg laut Verbandsangaben etwa 1700 Vereine organisiert. „Der WFV geht den Weg des geringsten Widerstandes. Das ist keine juristische, sondern eine politische Entscheidung“, ärgert sich Schweizer.

Beim FSV Oßweil sieht man das Ganze naturgemäß anders. „Mathematisch gesehen ist die Quotientenregel eine feine Sache“, sagt Vorstand Michal Kenserski und betont: „Dafür, dass wir ein Spiel weniger haben, können wir nichts.“ Weil der MTV Ludwigsburg III seine Mannschaft zur Rückrunde abgemeldet hatte, waren die Oßweiler am 8. März spielfrei. Das Hinspiel gewann der FSV mit 12:2. „Wir haben auch eine um zehn Tore bessere Tordifferenz als DJK“, berichtet Kenserski. „Ich habe trotzdem volles Verständnis dafür, dass in so einer Situation jeder reklamiert. Wir würden es wahrscheinlich genauso machen.“ Auch ihm wäre ein sportliches Ende lieber gewesen. „Dann hätten wir jetzt diese Diskussion nicht.“

Autor: