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Verspätung auch bei Entschädigung

Ein Bus fällt aus, oder kommt gar nicht – ab wann gibt es da Geld zurück und von wem?

Ditzingen/Stuttgart. Clemens Morlok ist verärgert. Mal wieder konnte er nicht wie geplant mit dem – ohnehin sonntags nur einmal pro Stunde verkehrenden – Bus 620 von Schöckingen in Richtung Ditzinger Kernstadt fahren. Und so verpasste er auch seine coronabedingte Reservierung für einen Platz in der Sauna. Eine Entschädigung wäre also angemessen, findet er, und schrieb an den VVS. Damit folgte aber die nächste Verärgerung – man habe seine E-Mail an die Busfirma weitergeleitet, die sei der richtige Ansprechpartner, hieß es – der sich aber auch bei früheren Beschwerden nicht gemeldet habe, außerdem sei ja auch der VVS sein Vertragspartner, so Morlok.

Doch was ist bei Verspätungen, wann gibt es diese und wer kommt dafür auf? Grundsätzlich gilt: Für den Omnibusverkehr gibt es, anders als bei der Bahn, keine Regelung durch den Gesetzgeber, so VVS-Pressesprecherin Ulrike Weißinger. Allerdings hat der Stuttgarter Tarifverbund selbst eine solche Regelung für die Inhaber von Zeittickets geschaffen (nicht die vergünstigten für Schüler, Azubis und Studenten). Die VVS-Mobilitätsgarantie greift bei Fahrtausfällen oder einer verspäteten Ankunft von mehr als 30 Minuten. Dann werden die Kosten für ein Taxi oder andere Möglichkeiten wie Carsharing oder Bikesharing von bis zu 35, beziehungsweise bei übertragbaren Jahresticket bis zu 50 Euro erstattet, sofern man den Beleg einreicht.

Morlok war diese Alternative zwar bekannt – aber auch, dass es viel zu lange gedauert hätte, bis ein Taxi bei ihm und dann rechtzeitig bei der Sauna gewesen wäre. Und ebenso, dass er beim VVS an der richtigen Stelle war.

Von dort hat er am Mittwoch, nach gut anderthalb Wochen, dann doch noch eine zufriedenstellende Antwort erhalten. Er bekomme einen Einkaufsgutschein über 20 Euro für den Stuttgarter Einzelhandelsverbund, berichtet Morlok. Und wenig später habe sich dann auch noch der Linienbetreiber gemeldet, wie schon gegenüber der LKZ. Der Fahrer des beauftragten Busunternehmens habe ein gesundheitliches Problem gehabt, heißt es, und auch, dass das aufgrund des Stundentakts am Sonntag „besonders ärgerlich“ sei.

Morlok freut sich über den Gutschein. Aber: „Es wäre noch schöner, wenn die Busse pünktlich da wären oder überhaupt fahren.“ Denn erst am Vortag gab es wieder einmal Anlass zum Ärgern, diesmal traf es seine Frau, die am Mittag die Linie 620 in Richtung Kernstadt nehmen wollte. Doch der Bus sei, mit dem Hinweis „Betriebsfahrt“, einfach durchgerauscht. Und wenn das so weitergehe, werde er sein Jahresabo kündigen...

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