Logo

Verwahrentgelt seit April verlangt

Genossenschaftliches Geldinstitut erhebt Negativzins – Im Coronajahr sinken Überschuss und Zinsergebnis

Die Leonberger Zentrale der Volksbank Leonberg-Strohgäu. 14 Filialen betreibt das Geldinstitut in seinem Geschäfts-gebiet, das auch in den Landkreis Ludwigsburg hineinreicht. Foto: vbleos
Die Leonberger Zentrale der Volksbank Leonberg-Strohgäu. 14 Filialen betreibt das Geldinstitut in seinem Geschäfts-gebiet, das auch in den Landkreis Ludwigsburg hineinreicht. Foto: vbleos

Leonberg.. Die Folgen der Coronakrise veranlassen die Volksbank Leonberg-Strohgäu dazu, ein Verwahrentgelt einzuführen. Nach Angaben der Genossenschaftsbank erhebt sie seit diesem April einen negativen Zinssatz von 0,5 Prozent bei neuen Tagesgeldkonten ab einem Betrag von 75000 Euro. Bei neuen Girokonten wird ein Verwahrentgelt berechnet ab einem durchschnittlichen Monatsguthaben von 25000 Euro. Dies gelte für Privatkunden. Für Firmenkunden gebe es bereits einen Negativzins, diese hätten aber andere Konditionen.

Wegen des massiven Rückgangs der privaten Konsumausgaben im Coronajahr seien die bilanziellen Einlagen sehr deutlich um rund 79 Millionen Euro auf 1,34 Milliarden Euro gestiegen, berichtet Vorstandsvorsitzender Jürgen Held. Die Genossenschaftsbank freue sich zwar über das Vertrauen ihrer Kunden, dennoch gebe es deswegen ein Problem, so Held laut einer Mitteilung. Es sei nicht möglich, diese Einlagen gänzlich in Kredite und andere ertragsbringende Anlagen zu investieren. „In der Folge kommen wir nicht umhin, ein Verwahrentgelt auf Einlagen zu berechnen“, begründet Held die Entscheidung.

Der Bankenchef verweist vor diesem Hintergrund auf „chancenorientierte Anlagealternativen“ wie Investmentfonds und Aktien. In der andauernden Nullzinsphase gehe die Tendenz ohnehin in diese Richtung, sagt Held. „Diesen Trend sollte man trotz möglicher Kursrückgänge nicht verpassen“, rät er. Vorstandsmitlied Wolfgang Ernst unterstützt diese Empfehlung mit dem Hinweis, dass die äußerst lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank fortgesetzt werde. „Wir erwarten für die nächsten Jahre keinen Zinsanstieg“, so Ernst.

Bei der Volksbank Leonberg-Strohgäu sind im Coronajahr Überschuss und Zinsergebnis gesunken, dennoch herrscht Zuversicht. „Der Jahresüberschuss liegt mit zwei Millionen Euro zwar um 430000 Euro unter Vorjahresniveau, aber wir können mit der Entwicklung unserer Bank trotzdem zufrieden sein“, sagte Vorstandschef Held bei der Bilanzvorlage für das Jahr 2020. Das Zinsergebnis sei erwartungsgemäß um 1,2 Millionen Euro auf 22,8 Millionen Euro gesunken. Dieser Rückgang habe jedoch durch das Dienstleistungsgeschäft teilweise kompensiert werden können.

Vorstand schlägt Dividende von 2,5 Prozent vor

Das Jahr 2020 habe der Volksbank Leonberg-Strohgäu trotz der Herausforderungen ein robustes Kundengeschäft beschert, berichtet Held. Im Sommer und Herbst habe es, analog der positiven Entwicklung an der Börse, einen regelrechten Aufschwung gegeben. „Dies ist vor allem dem großen Engagement aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verdanken. Alle haben sich unter erschwerten Bedingungen in den Dienst unserer Kunden gestellt“, lobt Held sein Team. Die Bilanzsumme des Geldinstituts, das 230 Mitarbeiter in der Region beschäftigt, ist laut Mitteilung um 7,2 Prozent auf 1,65 Milliarden Euro gestiegen.

Wegen dieser Entwicklung haben Vorstand und Aufsichtsrat einen Vorschlag zur Dividendenzahlung ausgearbeitet. Er sieht die Zahlung von 2,5 Prozent Dividende für das Geschäftsjahr 2020 sowie die Bonuszahlung von vier Prozent aus dem Gewinnvortrag des Geschäftsjahres 2019 vor, was einer Summe von rund 760000 Euro entspricht. Die nächste Vertreterversammlung wird nun darüber entscheiden, ob dieser Vorschlag angenommen wird, teilt die Bank mit.

Die Geldhaus hat im Coronajahr ihren Kunden über 100 Millionen Euro an neuen Krediten zur Verfügung gestellt. Die Zuwächse hätten vor allem aus der hohen Nachfrage nach Immobilienfinanzierungen resultiert, so Held. Das gesamte betreute Kreditvolumen habe sich um 2,9 Prozent auf über eine Milliarden Euro erhöht.

Die Volksbank habe Kunden, die von den Auswirkungen der Pandemie betroffen sind, mit umfangreichen Maßnahmen unterstützt, Tilgungen ausgesetzt, Liquiditätsdarlehen gewährt und Ratenzahlungen gestundet, berichtet Held. „Erst im Laufe dieses Jahres werden die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie deutlich“, warnt er und fordert jeden Betroffenen auf, das Gespräch mit seinem Bankberater zu suchen – „erst recht in Krisensituationen“.

Die Volksbank Leonberg-Strohgäu ist 2018 aus dem Zusammenschluss zwischen der Volksbank Strohgäu mit Sitz in Korntal-Münchingen und der Volksbank Region Leonberg entstanden. Die fusionierte Bank hat 60000 Kunden und 14 Geschäftsstellen, darunter in Münchingen, Gerlingen und Ditzingen. Die Zahl der Filialen sei seit der Fusion so gut wie unverändert geblieben, sagt eine Sprecherin der Bank. Nur eine Ein-Mann-Filiale sei geschlossen worden. Weitere Schließungen seien derzeit nicht geplant.

Autor: