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Viel Aufwand für mehr Freiheiten

Für die Schulen wird es inzwischen zur Gewohnheit, dass sie vom Kultusministerium freitags erfahren, was sie montags umzusetzen haben. Jüngstes Beispiel sind von der Schule bescheinigte negative Tests, mit denen Schüler 60 Stunden lang „Zutritt zu allen zulässigen Angeboten“ erhalten können. Der Aufwand dafür ist enorm.

Fünf verschiedene Testkits kommen an der Oscar-Paret-Schule in Freiberg zum Einsatz. Dies muss beim Ausfüllen der Bescheinigungen für die Schüler berücksichtigt werden. Foto: Holm Wolschendorf
Fünf verschiedene Testkits kommen an der Oscar-Paret-Schule in Freiberg zum Einsatz. Dies muss beim Ausfüllen der Bescheinigungen für die Schüler berücksichtigt werden. Foto: Holm Wolschendorf
Die BSZ-Sekretärinnen Caroline Lietz und Martina Mäule bereiten die Testboxen vor. Foto: BSZ
Die BSZ-Sekretärinnen Caroline Lietz und Martina Mäule bereiten die Testboxen vor. Foto: BSZ

Freiberg/Kreis Ludwigsburg. Seit Montag haben die Schüler laut aktueller Coronaverordnung mit einem von der Schule bescheinigten negativen Schnelltest die Möglichkeit, weitere testpflichtige Angebote zu nutzen. Das soll beispielsweise den Vereinssport leichter machen, wo Schüler dann nicht noch einmal getestet werden müssen. Das Testergebnis ist 60 Stunden lang gültig. Was den Schülern mehr Freiheiten bringt, bedeutet für die Schulen allerdings einen erheblichen Zusatzaufwand. „Damit wurden wir am Freitag unschön überrascht“, sagt René Coels, Schulleiter der Oscar-Paret-Schule in Freiberg. „Es klingt sehr nett, doch mit einer Unterschrift ist es nicht getan.“

Zuerst muss die Schule das Formblatt mit Schulname, Adresse und Dienststellenschlüssel ausfüllen und abstempeln. Nach dem eigentlichen Test kommt der Name des Schülers drauf sowie der Name des Testkits und des Herstellers, dazu Testdatum und -uhrzeit. Bei fünf unterschiedlichen Testkits, die an der OPS eingesetzt werden, und mehr als 1300 Schülern macht es das Prozedere nicht einfacher. Außerdem müssen die Lehrkräfte von jedem Schüler, der getestet wird, zuvor die Einverständniserklärung der Eltern prüfen. Bei 30 Schülern in einer Klasse vergehen laut Coels vom Testen über das anschließende Desinfizieren bis zum Ausfüllen und Verteilen der Bescheinigungen etwa 60 Minuten. So bleiben in einer Doppelstunde gerade noch 30 Minuten für den Unterricht übrig. Und das zweimal pro Woche im jeweils gleichen Fach. „Das tut sehr weh, weil es zu Lasten des Unterrichts geht“, sagt Coels. Und das, wo es in den vergangenen Monaten schon genug Unterrichtsentfall gegeben habe. Statt einem Mehraufwand wäre ihm „eine Entlastung lieber gewesen“, zumal es jetzt wichtig sei, die Defizite der Schüler festzustellen.

Bei den drei Freiberger Grundschulen gibt es unterdessen keine einheitliche Vorgehensweise. Während sich die Schüler der Flattichschule vor Ort testen und somit gleich mit einer Testbescheinigung ausgestattet werden können, überwachen die Eltern der Kinder, die in die Gründlandschule oder in die Kasteneckschule gehen, das Testen zu Hause. Diese Schüler erhalten keine Bescheinigungen.

„Wenn bei uns jeder zweite Schüler eine Bescheinigung haben möchte, bedeutet das viel Arbeit für die Lehrer“, sagt Stefan Ranzinger, Leiter des beruflichen Schulzentrums (BSZ) in Bietigheim-Bissingen. Immerhin besuchen ab nächster Woche wieder über 2200 Schüler das Schulzen-trum. Bei zwei Tests pro Schüler und Woche können da schon mal 4000 Bescheinigungen anfallen. Damit das auch zügig läuft, werden die Bescheinigungen im Sekretariat vorgestempelt. Sie werden dann gemeinsam mit den Testkits, Handschuhen und Desinfektionsmaterial in graue Boxen gelegt, die anschließend von den jeweiligen Lehrern oder dem Tafeldienst abgeholt werden. Nach dem Schnelltest füllen die Schüler die Bescheinigungen aus und die Lehrkräfte bestätigen die korrekten Angaben mit ihrer Unterschrift. „Das geht natürlich auf Kosten der Unterrichtszeit“, bemängelt Ranzinger den enormen Aufwand, kann ihm aber auch etwas Positives abgewinnen: „Wir wollen ja, dass sich möglichst viele Schüler testen, um die positiven Fälle zu entdecken.“

Reibungslos ist das Ausstellen der Bescheinigungen an der Matern-Feuerbacher-Realschule in Großbottwar angelaufen. „Wir haben sie an alle Schüler ausgegeben, die da waren“, sagte Rektor Jochen Haar am Montag. Die Bescheinigungen werden gleich mit dem Testen ausgestellt: Die Schule bereitet Formulare vor, die Schüler füllen sie vollends aus, und die Lehrkraft unterschreibt. Natürlich sei der Aufwand dadurch größer, so der Rektor. Da die Coronaverordnung am vergangenen Freitag sehr kurzfristig geändert worden sei, könne er verstehen, dass es anderswo zu Problemen komme. Da Schüler von der Möglichkeit erfahren hätten und auf die Schule zukämen, habe man entschieden, die Bescheinigungen direkt auszugeben und nicht erst auf Verlangen.

Am Friedrich-Schiller-Gymnasium in Marbach werden hingegen erst kommende Woche alle Schüler auf Anfrage eine Bescheinigung erhalten können. Aus organisatorischen Gründen und bei wöchentlich 5000 Tests war es laut Schulleiter Volker Müller nicht früher umsetzbar. Da müsse man erstmal ein pragmatisches Verfahren entwickeln. Er geht zwar von einer steigenden Nachfrage aus und hat dafür auch Verständnis: „Wegen des Aufwands ergibt es aber keinen Sinn, die Bescheinigungen prophylaktisch auszugeben.“ Außerdem verweist der Schulleiter darauf, dass der Schulbesuch auch weiterhin mit einer Bescheinigung einer externen Teststelle möglich ist – etwa wenn Eltern ihr Kind lieber nicht an der Schule testen lassen und beim Test dabei sein wollen.

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