Logo

Viele Apotheken beim Impfstart nicht dabei

In einer Apotheke in Ludwigsburg hat ein Jugendlicher versucht, mit einem gefälschten Rezept an Medikamente zu kommen. Archivfoto: dpa
In einer Apotheke in Ludwigsburg hat ein Jugendlicher versucht, mit einem gefälschten Rezept an Medikamente zu kommen. Archivfoto: dpa
Ab morgen sollen auch Apotheken Impfungen gegen Covid-19 verabreichen können und so das bestehende Angebot von Praxen, Stützpunkten und mobilen Teams ergänzen. Doch Impfungen sind derzeit nicht mehr so gefragt wie noch im Herbst und die Apotheker daher zurückhaltend. Sollte sich die Lage aber wieder verschärfen, wären einige in Kürze einsatzbereit.

Kreis Ludwigsburg. „Wir starten momentan noch nicht mit dem Impfen“, sagt Sammy Dadour, Inhaber der Apotheke am Bahnhof in Marbach und der Strohgäu-Apotheke in Korntal-Münchingen. Denn anders als im Spätherbst, als die Ärzte von Impfwilligen überrollt worden seien, stagniere die Nachfrage derzeit. „Damals sollten die Apotheker mit ins Boot kommen, aber nun können die Ärzte das wieder sehr gut bewältigen“, so der Apotheker, bei dem sich das nachlassende Interesse auch bei den Bestellmengen von Impfstoffen bemerkbar macht. „Impfstoff gibt es gerade genügend.“

Doch sollte die Nachfrage etwa durch mehr Viertimpfungen wieder anziehen, wären Sammy Dadour und sein Team in etwa einer Woche startklar. Das inzwischen dafür ausgebildete Personal könnte entweder an Wochenenden impfen oder unter der Woche an den ansonsten freien Tagen. Ausfälle durch Quarantäne gebe es bei ihnen derzeit kaum. Während der Apotheker an seinem Standort in Korntal-Münchingen direkt in seiner Apotheke Platz fürs Impfen hätte, könnte er in Marbach Räumlichkeiten direkt daneben nutzen.

Ein ähnliches Bild zum Impfstart ergibt sich bei Alexander Meyer, Inhaber der Mylius Apotheken in Ludwigsburg. „Aktuell gibt es keinen Bedarf für weitere Impfungen“, so sein Fazit, nachdem er sich mit der Stadt Ludwigsburg und dem Landratsamt abgesprochen hat. Als er kürzlich eine Impfaktion der Behörde begleitet habe, sei man auf ein paar Hundert Impfungen vorbereitet gewesen, gekommen seien am Ende nur 30 Menschen. Man könne sich ja mittlerweile an nahezu jeder Ecke impfen lassen. Mit einer erneut steigenden Nachfrage rechnet der Apotheker frühestens, wenn ein neuer Impfstoff zur Verfügung steht, oder dann Richtung Herbst.

Und darauf bereitet man sich in den Mylius Apotheken bereits vor. Kommende Woche werden zwei Mitarbeiter an einer Impfschulung teilnehmen. Aus Platzgründen könnte Alexander Meyer nicht direkt in einem seiner vier Standorte Impfungen anbieten, wäre aber bei Bedarf bereit, zu gemeinsamen Aktionen mit der Stadt Ludwigsburg. Einen „Dauerimpfbetrieb“ kann er sich in seinen Apotheken hingegen nicht so gut vorstellen. Eine gestiegene Nachfrage verzeichnet er derzeit indes bei PCR-Tests: „Wir konzentrieren uns deshalb darauf, hier mehr anbieten zu können. Dass ist gerade das wichtigere Thema.“

Diesen Trend bestätigt auch Jan Siegel, Inhaber der Palm’schen Apotheke in Freiberg. Er betreibt bereits seit Anfang Januar zusammen mit dem Apotheker Andreas Bühler von den Bühler-Apotheken in Bietigheim-Bissingen und Neckarwestheim sowie dem Deutschen Roten Kreuz den Impfstützpunkt in der Sporthalle am Viadukt in Bietigheim-Bissingen: „Wir haben sieben Tage in der Woche für zwei bis drei Stunden geöffnet. Zu diesen Terminen kommen aktuell zwischen 30 und 40 Personen, früher waren es circa 100.“ Der Impfstützpunkt soll weiterhin bestehen bleiben. „Wir können uns gut vorstellen, auch mit Novavax zu impfen, und sind gespannt, wann wir damit einsteigen können.“

Grundsätzlich hält es Jan Siegel für sehr wichtig, dass sich Apotheken nun auch an den Impfungen beteiligen können: „Dies hätte schon sehr viel früher passieren müssen. Nämlich im Herbst, als die Nachfrage sehr hoch war.“ Der Bedarf an Antigen-Schnelltests und PCR-Tests, die im Impfstützpunkt ebenfalls angeboten werden, ändere sich je nach Inzidenz und gesetzlichen Gegebenheiten. Die Nachfrage nach PCR-Tests, bei denen man bei ihnen innerhalb von 24 Stunden das Ergebnis erhalte, bezeichnet er derzeit als sehr hoch.

Auch aus der Sicht von Rudi Grünbauer von der Apotheke am Löwenplatz in Remseck hat die Umsetzung nach der ersten Ankündigung, dass auch Apotheker impfen sollen, sehr lange gedauert. „Wir hätten auf jeden Fall mitgemacht“, sagt der Apotheker. Doch inzwischen gebe es in Remseck so viele Angebote, dass sie – wie er es bereits vor einiger Zeit vermutet habe – nun zum offiziellen Impfstart der Apotheken nicht mehr gebraucht werden. „Bei uns ist die Nachfrage überhaupt nicht da.“ In der Apotheke hätte er dafür ohnehin keinen Platz, aber bei Bedarf andere Räumlichkeiten in Aussicht. Auch ein oder zwei Mitarbeiter sollen unbedingt im Impfen geschult werden – für den Fall der Fälle.