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Vier Herausforderer und „ein altes Ehepaar“

Beim Online-Talk unserer Zeitung spielen die sechs Landtagskandidaten des Wahlkreises Vaihingen zumeist auf Angriff: Eine Nachlese

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Foto: Holm Wolschendorf

Kreis Ludwigsburg. Es gibt Momente, in denen es dem Landtagsabgeordneten Markus Rösler (Grüne) noch schwindelig wird. Wenn er sich etwa vor Augen hält, dass die grün-schwarze Landesregierung mit sehr viel Geld gegen die Wirtschaftskrise ansteuert und wegen Corona mit einer Neuverschuldung von rund 13,6 Milliarden Euro plant. „Dieses Geld werden wir in den kommenden Jahrzehnten zurückzahlen müssen“, machte der Finanzexperte Rösler am Dienstagabend im LKZ-Verlagsgebäude beim ersten von drei Online-Talks zur Landtagswahl am 14. März deutlich. In drei Duellen standen sich je zwei Bewerber des Wahlkreises Vaihingen gegenüber. Moderiert wurden die Runden von der Chefredakteurin Ulrike Trampus und dem Kreis-Ressortchef Stephan Wolf.

Der Kampf um das Direktmandat

Nach Lage der Dinge wird sich der Vaihinger Wissenschaftler und Vogelfachmann Rösler, der sich als Brückenbauer versteht und Ökonomie und Ökologie zusammenbringen will, ein Duell um das Direktmandat mit dem Ditzinger Schlosser und Feuerwehrmann Konrad Epple liefern (CDU). Vor zehn Jahren gewann der 57-Jährige Epple, 2016 der zwei Jahre ältere Rösler. „Wir haben das Land in den vergangenen fünf Jahren vorangebracht“, sagte der Christdemokrat, der selten einem flotten Spruch abgeneigt ist, während des LKZ-Talks – und fügte mit Blick auf Rösler und die Grünen schmunzelnd an: „Ich bin zwar in der CDU und habe andere Werte. Aber wir haben zusammengehalten – fast wie ein altes Ehepaar.“

Ihre Konkurrenten im Wahlkreis Vaihingen, der zu Günther Oettingers und Annemarie Griesingers Zeiten eine sichere Bank für die CDU war, legen die Bilanz der vergangenen fünf Jahre naturgemäß nicht so freundlich aus. Da wäre zum Beispiel der Asperger Sozialdemokrat Torsten Liebig, 32, der im grünen Verkehrsministerium arbeitet, und sich von der nächsten Regierung mehr Tatkraft wünscht. Die Genossen fordern ausdauernd mehr bezahlbaren Wohnraum und gebührenfreie Kitas, um junge Familien zu stärken.

Beide Positionen vertritt auch der Korntal-Münchinger Linke Stephan Ludwig, 33, der den Bogen noch weiter spannt. Seine Partei will den kompletten Ausbildungsweg junger Menschen von der Kita bis zur Uni gebührenfrei gestalten. Wer das finanzieren soll? Das Land. Ludwig schlägt vor, wie bei Schulen, Steuermittel einzusetzen. Am ehesten sei das mit der SPD zu erreichen. Ludwig hofft zudem noch auf die Grünen. „Wenn es gute Konzepte gibt, um die Bürger zu entlasten, werden wir uns dem nicht widersetzen.“

Der Vaihinger Liberale Roland Zitzmann, 56, ging hart mit der Coronapolitik des Kabinetts ins Gericht, die er als „Mist“ und „Chaos“ bezeichnete. Zum zweiten Mal bewirbt sich der Projektmanager und ehemalige Fallschirmjäger der Bundeswehr um ein Mandat. Von Grün-Schwarz verlangt er einen Lockerungsplan, der die Interessen Selbstständiger, Handwerker und Landwirte berücksichtige.

Und da wäre noch Friedemann Meyer, 55, der AfDler, der in zwei Wahlkreisen antritt, Vaihingen und Ludwigsburg, sich als Freund der antiken Philosophen geriert und dem freiheitlichen Flügel der Rechtspopulisten zuordnet. Er wünscht sich kaum etwas mehr, als dass die politischen Konkurrenten normal mit seiner AfD umgehen mögen – wie mit jeder anderen Partei. „Wir sind keine Nazis“, rief er den anderen Kandidaten des Online-Talks zu. Er fühle sich bei solchen Vorwürfen „entmenschlicht“.

Meyer sorgte mit dem Linken Ludwig auch für den Aufreger des Abends. Als sich der AfDler als Soforthelfer für Flüchtlinge und Migranten inszenieren wollte, was für ihn augenscheinlich dasselbe ist, hakte Ludwig ein und erinnerte an die stellvertretende AfD-Bundessprecherin Beatrix von Storch, die einst forderte, an Grenzen auch auf Frauen und Kinder zu schießen. Meyer keilte zurück und machte „die Antifa“, mit der sich die Linke solidarisiere, für Angriffe auf AfD-Politiker verantwortlich.

Hier geht es um die Banane

Als sich der Pulverdampf dann nach knapp anderthalbstündiger Debatte verzog, entschwand die sechsköpfige Männerrunde friedlich in die Nacht. Mutmaßlich geht es für sie in den kommenden zweieinhalb Wochen nicht um die Wurst, wie es floskelhaft heißt – sondern um die Banane. Spötter nennen den Wahlkreis Vaihingen, der sich von Gerlingen im Süden über den Westen bis in den Norden nach Bönnigheim am Kerngebiet des Landkreises entlang schlängelt: Bananenwahlkreis.

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