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Vom Flaschenhals in Firmennetzen

In der Coronakrise haben viele Unternehmen ihre Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt. Dies hat die Digitalisierung in Deutschland vorangetrieben, den Bereich der Informationssysteme herausgefordert und Schwachpunkte offengelegt. Hier schlägt die Stunde von Spezialisten wie der Pleidelsheimer Firma Citrus.

Kommunikationsserver und ganze Telefonanlagen sind die Geschäftsfelder des Pleidelsheimer Systemhauses Citrus. Fotos: Citrus
Kommunikationsserver und ganze Telefonanlagen sind die Geschäftsfelder des Pleidelsheimer Systemhauses Citrus. Foto: Citrus

Pleidelsheim. Viele Chefs haben sich lange dagegen gesträubt, nun ist es deutsche Normalität: die Arbeit vieler Mitarbeiter zu Hause an ihrem Schreibtisch. Doch nicht wenige Firmen haben erst in den vergangenen Monaten erkannt, was alles erforderlich ist – technisch und organisatorisch, von der Technik über die Kommunikationssoftware bis hin zu Cloud-Diensten. Experten müssen ran. Das mittelständische Systemhaus Citrus hat sich in den vergangenen 25 Jahren im hart umkämpften Telekommunikationsmarkt einen Namen gemacht und sich auf Kommunikationslösungen für öffentliche Verwaltungen und Firmen spezialisiert.

Die Pleidelsheimer betreuen hauptsächlich Mittelständler – mit großem Erfolg. Während der Coronakrise haben die Citrus-Leute offenbar noch mehr als sonst zu tun gehabt. „Corona hat uns nicht geschadet“, betont Peter Frohmüller. „Unser Umsatz liegt in diesem Jahr bisher trotz der Krise sogar leicht über dem Vorjahreszeitraum“, sagt der Chef der Citrus cs communication systems GmbH. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen einen Umsatz von fünf Millionen Euro erwirtschaftet. 600 Kunden, darunter etwa 80 Kommunen, betreuen die 40 Citrus-Mitarbeiter.

Aus dem Kundenstamm resultiere in diesem Jahr auch der Umsatzzuwachs, die Neukundengewinnung habe sich durch die Krise dagegen abgeschwächt. Frohmüller ist optimistisch. „Nicht wenige sind durch Corona etwas verunsichert und warten ab“, meint er. „Der Nachholeffekt setzt spätestens im kommenden Jahr ein“, meint Frohmüller. Die positive Geschäftsentwicklung liegt dabei wohl an der Branche, aber auch an dem durch die Pandemie verursachten Trend hin zum Homeoffice.

„Die Unternehmen machen ihre Systeme seit Monaten stabiler“, weiß Frohmüller. Die VOIP-Netze (Voice over IP), bei denen die Telefonverbindungen über Internet-Datennetze laufen, seien anfänglich nicht so stabil gewesen. „Dies hat sich mittlerweile eingependelt“, sagt der Gesellschafter und Gründer des Systemhauses Citrus. „Die Kunden sind sehr sensibel, wenn die Gesprächsqualität schlecht ist – oder Telefonate unvermittelt abbrechen.“ Wenn zum Beispiel die Telekom im Netz Updates fahre, könne es bei den Telefonanlagen schon mal zu Synchronisationsproblemen kommen. „Die Kunden reagieren und kaufen daher auch wesentlich häufiger Updates“, sagt Frohmüller.

Eines der Citrus-Spezialgebiete ist die Standortvernetzung. Unternehmen mit mehreren Standorten benötigen so nur eine Telefonanlage mit einem Rufnummernplan. Egal, in welcher Filiale sich ein Mitarbeiter aufhält, er ist so unter seiner Rufnummer immer zu erreichen. Innovativ ist auch die sogenannte Voice-Cloud-Technik, durch die mehrere Nutzer auf eine virtuelle Telefonanlage zugreifen können. „Diese Firmen wollen keine eigene Telefonanlage, keine Hardware, die sie warten und updaten müssen“, erklärt Peter Frohmüller. „Sie brauchen nur einen schnellen Internetanschluss“, betont der Citrus-Chef, „weil diese virtualisierte Telefonanlage hier in Deutschland in unserem Serverzentrum in Lorch steht. Unsere IT-Leute beseitigen Störungen ohne Verzögerungen und spielen Updates sofort ein.“ Ein weiterer Vorteil sei, dass Nebenstellen bei der Cloudlösung monatlich flexibel hinzugebucht werden können.

Geeignet sei die Voice-Cloud-Telefonie für kleinere Unternehmen bis etwa 30 Nutzer, wie zum Beispiel Arztpraxen oder Anwaltskanzleien. „Firmen mit 30 Mitarbeitern und mehr behalten meistens ihre eigenen Telefonanlagen“, weiß Frohmüller. Häufig sehen die Unternehmen große Sicherheitsrisiken, wenn die Rechenzentren der Anbieter nicht in Deutschland liegen. „Wir legen Wert auf Regionalität“, betont der Citrus-Chef.

Frohmüller sieht auch von den deutschen Breitbandkapazitäten her in der verstärkten Heimarbeit kein Problem. „Der Flaschenhals liegt bei den Firmen in der Internetbandbreite“, erklärt der Fachmann. „Wenn zum Beispiel alle morgens auf den Server zugreifen, um auf ihre jeweiligen Systeme zu kommen.“ Für die IT-Systeme sei dies quasi ein Stresstest. Denn Kommunikationsnetzwerke wie VPN (Virtual Private Network) müssen reibungslos funktionieren, zudem muss die Sicherheit gewährleistet sein und die Bandbreite, ob beim Serverstandort oder bei den Mitarbeitern im Homeoffice, muss ebenfalls ausreichen.

In der Fläche – und in der Region – ermögliche es die Bandbreite, so Frohmüller, dass jemand im Homeoffice ein Videotelefonat führen könne und die Kinder zeitgleich am Online-Unterricht teilnehmen können – oder eine Serie streamen. Natürlich gebe es noch Gegenden, in denen der Ausbau noch nicht so weit fortgeschritten sei.

Tatsächlich ist Deutschland beim Breitband mittlerweile auf einem guten Weg. Mittlerweile können 90 Prozent der Haushalte nach Angaben des Branchenverbandes Bitkom inzwischen auf Anschlüsse mit 50 Megabit pro Sekunde zugreifen.

Frohmüller schätzt, dass durch die Coronakrise demnächst auch die Digitalisierung der Schulen im Land richtig Fahrt aufnehmen wird. „Wenn die Schüler mit Laptop oder Tablet arbeiten, stellt dies gewaltige Anforderungen an die Netzwerke, das WLAN und die Internetverbindungen“, weiß der Experte. „Da haben wir nur einen kleinen Part.“ Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

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