Logo

Vom geheimen Leben der Dinge

Vier Teilnehmer aus dem Landkreis sind beim 23. Jugendkunstpreis in der engeren Wahl, drei davon werden ausgezeichnet

Herausragende Positionen: Lilly Yume Giebel (Foto) aus Marbach, Caroline Ulmar aus Sachsenheim, Elena Jäger aus Hessigheim und Marlene Meyer aus Bietigheim konnten mit ihren Arbeiten überzeugen. Fotos: Andreas Becker
Herausragende Positionen: Lilly Yume Giebel (Foto) aus Marbach, Caroline Ulmar aus Sachsenheim, Elena Jäger aus Hessigheim und Marlene Meyer aus Bietigheim konnten mit ihren Arbeiten überzeugen. Foto: Andreas Becker
Herausragende Positionen (von oben links im Uhrzeigersinn): Lilly Yume Giebel aus Marbach, Caroline Ulmar (Foto) aus Sachsenheim, Elena Jäger aus Hessigheim und Marlene Meyer aus Bietigheim konnten mit ihren Arbeiten überzeugen. Fotos: Andreas Becker
Herausragende Positionen (von oben links im Uhrzeigersinn): Lilly Yume Giebel aus Marbach, Caroline Ulmar (Foto) aus Sachsenheim, Elena Jäger aus Hessigheim und Marlene Meyer aus Bietigheim konnten mit ihren Arbeiten überzeugen. Foto: Andreas Becker
Herausragende Positionen (von oben links im Uhrzeigersinn): Lilly Yume Giebel aus Marbach, Caroline Ulmar aus Sachsenheim, Elena Jäger (Foto) aus Hessigheim und Marlene Meyer aus Bietigheim konnten mit ihren Arbeiten überzeugen. Fotos: Andreas Becker
Herausragende Positionen (von oben links im Uhrzeigersinn): Lilly Yume Giebel aus Marbach, Caroline Ulmar aus Sachsenheim, Elena Jäger (Foto) aus Hessigheim und Marlene Meyer aus Bietigheim konnten mit ihren Arbeiten überzeugen. Foto: Andreas Becker
Herausragende Positionen: Lilly Yume Giebel aus Marbach, Caroline Ulmar aus Sachsenheim, Elena Jäger aus Hessigheim und Marlene Meyer (Foto) aus Bietigheim konnten mit ihren Arbeiten überzeugen. Fotos: Andreas Becker
Herausragende Positionen: Lilly Yume Giebel aus Marbach, Caroline Ulmar aus Sachsenheim, Elena Jäger aus Hessigheim und Marlene Meyer (Foto) aus Bietigheim konnten mit ihren Arbeiten überzeugen. Foto: Andreas Becker

Ludwigsburg. Es gibt sie noch, die Konstanten. Auch in diesem Jahr der Krise, in dem so vieles abgesagt, umgeworfen oder bestenfalls verschoben werden musste, ist der Jugendkunstpreis des Landes Baden-Württemberg pünktlich Mitte Oktober wieder in der Karlskaserne zu Gast, wo der vom Landesverband der Kunstschulen zusammen mit dem Ministerium für Kultus, Jugend und Sport ausgelobte Wettbewerb seit 2013 eine feste Heimat hat. Und so kamen nun wieder Jugendliche aus allen Teilen des Landes in Ludwigsburg zusammen, um ihre Urkunde aus den Händen von Staatssekretär Volker Schebesta entgegenzunehmen. Die große Party fiel indes aus: Die Preisverleihung musste im kleinen Rahmen stattfinden.

Aus über 260 Einsendungen wählte eine Jury 40 herausragende Arbeiten zum Thema „Das geheime Leben der Dinge“ aus, die nun bis zum 15. November im Ausstellungsraum des Kunstzentrums Karlskaserne zu sehen sind. 16 der jungen Künstlerinnen und Künstlern wurden für ihre Einreichungen ausgezeichnet, so auch die 15-jährige Lilly Yume Giebel aus Marbach. Als eine der jüngsten Teilnehmerinnen hat sie sich mit ihrem Ölgemälde „Parisian showcase“ am Wettbewerb beteiligt. „Ich habe mich sehr über die Auszeichnung gefreut“, sagt Giebel. „Das ist ja schon eine große Ehre. Aber ich hab mich auch sehr angestrengt: Ich wollte unbedingt zu den Preisträgern gehören.“

Als Vorlage diente ihr ein Foto aus einer Zeitschrift, auf dem ein Schaufenster voller ausrangierter Puppenköpfe in verschiedenen Größen zu sehen ist, erzählt die Schülerin am Marbacher Friedrich-Schiller-Gymnasium (FSG). Die Komposition hat sie ohne technische Hilfsmittel auf die Leinwand übertragen – weder Raster noch Projektionsverfahren kamen zum Einsatz. Gleichzeitig hat sie sich vom reinen Fotorealismus gelöst: Lediglich einer der Köpfe trägt Gesichtszüge zur Schau, die weiteren sind eher wie in einem Morandi-Stillleben zu einem dicht gedrängten Konvolut arrangiert. Dies und die annähernd schwarz-weiße Palette unterstützen den nachdenklichen Ausdruck des Bildes: Leise und zurückhaltend thematisiert Giebel Vergänglichkeit und Nachhaltigkeit – eine überaus reife Leistung. Künstlerische Impulse erhielt sie durch das im FSG angebotene Profilfach Kimko sowie an der auf dem Areal der Karlskaserne angesiedelten Kunstschule Labyrinth. Insofern ist diese erste Ausstellungsteilnahme im größeren Rahmen auch ein Heimspiel für Giebel.

Ebenfalls von der Jury ausgezeichnet wurde „Schlaf der Seeligen“ von Elena Jäger. Auch das Ölbild der 21-Jährigen aus Hessigheim beruht auf einer Fotografie. Allerdings hat Jäger, die an der Ludwigsburger PH Kultur- und Medienbildung mit Schwerpunkt Kunst studiert, eine eigene Aufnahme zum Ausgangspunkt ihrer Malerei gemacht. In einer Spiegelscherbe ist der Teil eines Gesichts zu sehen, die darunter ins Bild ragende Hand könnte der Schlafenden gehören, doch der eigentliche Körper ist nicht zu sehen. Reizvoll ist das Changieren zwischen realistisch Dargestelltem und abstrakteren Elementen wie dem nur angedeuteten Waldboden sowie die Dissonanz zwischen der warmen Farbigkeit und dem surrealen Charakter der Szene. Jägers Interesse gilt dem Zweifel der Betrachter: „Man weiß nicht: Geht’s der gut? Schläft sie nur?“ Die Motivation durch den Preis ist spürbar: „Das ist mein erstes Bild in einer Ausstellung und ich möchte, dass es nicht das letzte ist.“

Tatsächlich eine Fotografie eingereicht hat Caroline Ulmar aus Sachsenheim, die Dritte im Bunde der Preisträgerinnen aus dem Kreisgebiet. „Free Fall“ hat die 17-jährige Schülerin des Lichtenstern-Gymnasiums ihren Schnappschuss genannt. In der Tat vermittelt das Bild der in einer Pfütze liegenden und sich spiegelnden Stühle, die sie auf dem Areal einer verlassenen Bierbrauerei im Allgäu entdeckt hat, den Eindruck der Schwerelosigkeit: „Als seien sie aus dem Flugzeug gesprungen“, meint Ulmar, die sich autodidaktisch bereits mit vielen Kunsttechniken beschäftigt hat und hier ein sicheres Auge beweist.

Unter den 40 als „herausragende Positionen“ gewürdigten Kunstwerken befindet sich auch „A cup of thoughts“ von Marlene Meyer. „Der Kopf ist wie eine Tasse: Die Gedanken sind frei und vermischen sich miteinander, manchmal schwappen sie auch über“, bringt die 15-Jährige Schülerin der Bietigheimer Ellentalgymnasien die Idee ihrer sinnfällig aus Ton und Heißkleber gestalteten Plastik auf den Punkt. Dass auch Meyer an der Kunstschule Labyrinth ausgebildet ist, unterstreicht den Stellenwert der wertvollen Arbeit, die hier geleistet wird. Auch die diesjährige Ausstellung zum Jugendkunstpreis zeigt: Um die junge Kunst muss einem nicht bange sein.

Info: Die Ausstellung ist donnerstags von 17 bis 20 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 16 Uhr geöffnet; Schulklassen nach telefonischer Vereinbarung unter (07141)9103241.

Autor: