Logo

Vom Neugierigen zum Helfer

Der Besigheimer Nikolas Migut arbeitet für den NDR und die ARD in Hamburg als Filmemacher. Zudem hat er den Obdachlosenverein „Strassenblues“ gegründet. Dank seiner journalistischen Erfahrung wurde ihm nun in Nürnberg für das Webprojekt www.strassenblues.de der Alternative Medienpreis in der Kategorie „Vernetzung“ verliehen.

350_0900_19349_Foto_NikolasMigut_byWillemKonrad_NDR9.jpg

Ludwigsburg. Was bedeutet der Preis für Sie?

Nikolas Migut: Diesen Preis gibt es seit fast 20 Jahren und ich finde es großartig, dass es eine Auszeichnung für Journalisten klassischer sowie nicht-kommerzieller Medien gibt und vor allem, dass mit diesem Preis auch bürgerschaftliches Engagement ausgezeichnet wird. Wir bei „Strassenblues“ verstehen uns als Geschichtenerzähler, die mit Sozialarbeitern kooperieren und wir versuchen, mit medialen Mitteln etwas Positives in unserer Welt für Menschen am Rand unserer Gesellschaft zu bewirken. Also passt dieser Preis sehr gut zu uns.

 

Wie sind Sie darauf gekommen, den Obdachlosenverein zu gründen?

Alles fing mit einer Fernsehreportage an, die ich für den NDR 2012 in der Berliner Bahnhofsmission am Zoo gedreht habe, bei der dann plötzlich ein Mann namens Alex auftauchte. Er erzählte mit melancholisch-leuchtenden Augen von seinem Leben auf der Straße. In diesem Moment wusste ich, dass ich den Drehort verlassen muss, um ihm in die Nacht zu folgen. Es wurde eine gemeinsame Odyssee durch die Berliner Nacht bis in das Morgengrauen. Viele Menschen haben mich danach gefragt, wie es Alex jetzt geht. Daher habe ich ihn lange gesucht und zweieinhalb Jahre später schließlich wieder getroffen. Daraus ist das halbstündige dokumentarische Porträt „Straßenblues“ entstanden. Aber ich wollte mehr als nur einen Film machen, ich wollte etwas Nachhaltiges schaffen. Darüber entwickelte ich meine Idee einer Webseite über und mit Obdachlosen – und 2016 haben dann meine Frau Milena und ich unseren gemeinnützigen Verein „Strassenblues“ gegründet.

 

Welche Aktivitäten gibt es?

Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, Brücken zu bauen zwischen Menschen mit und ohne Zuhause. Dabei begegnen wir Menschen auf der Straße auf Augenhöhe und wollen gemeinsam mit ihnen kreativ Wege aus der Armut finden. Wir fördern Talente wie Singen, Dichten und Fotografieren. Wir erfüllen Herzenswünsche. Das kann ein Wiedersehen mit ihrer Familie und Freunden sein oder auch ein simples Bedürfnis nach einem Schlafsack und warmen Schuhen. Auf unserem Weihnachts-Event konnten wir diese Bedürfnisse mehrfach erfüllen. Wir geben Obdachlosen zudem eine Stimme durch authentische Interviews. Und ganz wichtig: Wir sammeln weltweit Ideen und Lösungsansätze für Obdachlosigkeit. Diese stellen wir vor, diskutieren sie mit Interessierten sowie Experten und begleiten deren Umsetzung.

 

Sie sind mit 20 Jahren aus Besigheim weggezogen. Sind Sie ab und zu auf Urlaub in Besigheim?

Ich komme immer mal wieder nach Besigheim, da hier meine Eltern und einige Schulfreunde leben. Tatsächlich organisiere ich von Hamburg aus gemeinsam mit einem Freund alle paar Jahre unsere Abi-Nachfeier. Dieses Jahr werden es 20 Jahre, seitdem wir gemeinsam im jetzigen Christoph-Schrempf-Gymnasium Abitur gemacht haben. Wird also Zeit für ein rauschendes Fest mit Freunden in der Heimat.