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Vom Störfaktor zum Verkehrspartner

Wie kann das Miteinander von Fußgängern, Rad- und Autofahrern gelingen? Darüber macht sich die Gruppe „ökologisch mobil in Pleidelsheim“ intensiv Gedanken. Bei einem Ortsrundgang wurden drei kritische Stellen ins Visier genommen.

Positiv bewertet die Arbeitsgruppe „ökologisch mobil in Pleidelsheim“ den abgetrennten und markierten Bereich für Fußgänger im Inneren Sol (Bild 1). Fußgänger müssen wegen der geparkten Autos in der Mitte der Schillerstraße gehen (Bild 2). Das Überqu
Positiv bewertet die Arbeitsgruppe „ökologisch mobil in Pleidelsheim“ den abgetrennten und markierten Bereich für Fußgänger im Inneren Sol (Bild 1). Fußgänger müssen wegen der geparkten Autos in der Mitte der Schillerstraße gehen (Bild 2). Das Überqueren der Beihinger Straße, vor allem mit kleinen Kindern, kann schwierig sein (Bild 3). Foto: Gorka/Stechmann
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Pleidelsheim. „Stell dir vor, es gibt ein Fuß- und Radwegenetz, auf dem du dich sicher und angenehm fortbewegen kannst, ohne dass du fahrenden Fahrzeugen Platz machen musst oder einem parkenden Fahrzeug oder anderen Hindernissen ausweichen musst.“ Mit diesem Text hat die neue Arbeitsgruppe, eine von insgesamt vier innerhalb des Pleidelsheimer Ökologiekonzeptes, für das erste Treffen vor gut einem Jahr geworben. Zum erweiterten Kreis der Arbeitsgruppe gehören rund 30 Männer und Frauen, sieben Mitglieder arbeiten aktiv an Konzepten, nehmen den Ort genau unter die Lupe, haben Eltern befragt, deren Kinder die Schule oder den Kindergarten besuchen. Zwischen 50 und 60 Prozent der Mütter und Väter haben den Fragebogen ausgefüllt. „Eine sehr gute Quote“, meint Uwe Rith von der Arbeitsgruppe. Eines der Ergebnisse: Die Schillerstraße, zwischen Ludwig-Jahn- und Ludwig-Hofer-Straße, brennt den „Eltern unter den Nägeln“, erklärt Sprecher Andreas Gorka. Viele Kinder gehen dort entlang – auch wenn es nicht der offizielle Schulweg ist.

Beim Vor-Ort-Termin am Donnerstagabend wird deutlich, wo der Schuh drückt. Ein Gehweg ist nicht klar definiert, Autos parken ordnungsgemäß auf beiden Seiten der Schillerstraße, Eltern mit Kinderwagen schlängeln sich an den Fahrzeugen vorbei, Fußgänger gehen hintereinander, um Autos Platz zu machen. „Als Fußgänger fühlt man sich oft als Störfaktor“, sagt Beate Banga. Die Arbeitsgruppe wünscht sich für die Schillerstraße einen klar markierten, möglichst durchgehenden Gehweg, Autos sollten nur noch auf einer Straßenseite parken. Cord Stechmann verweist auf das positive Beispiel im Inneren Sol. Dort gibt es eine Markierung für Fußgänger. „Uns geht es um ein besseres Miteinander. Wir müssen die Wege für Fußgänger aufwerten und mit einfachen Mitteln Klarheit schaffen“, betont die Arbeitsgruppe. Weiter geht der Ortsrundgang durch die Ludwig-Jahn-Straße, Bachgarten- und Badstubenstraße in den Fliederweg. Auf dem Weg dorthin fallen der Gruppe immer wieder Punkte auf, die verbesserungswürdig wären, beispielsweise die auf dem Gehweg parkenden Autos im Fliederweg oder Autofahrer, die verbotswidrig durch die Sommerhalde fahren.

Ein Radfahrer, der den Fliederweg entlangfährt, stoppt und erzählt von seinem Unfall an der Ecke Fliederweg/Kanalstraße. „Dort hat mich mal ein Autofahrer abgeschossen.“ Genau diese Stelle sieht auch die Arbeitsgruppe sehr kritisch: Direkt vor der Kurve parken häufig Autos, Radfahrer und Autofahrer kommen sich gefährlich nahe. Beim Ortstermin radelt eine Frau, die von der Kanalstraße Richtung Sommerhalde unterwegs ist, auf der linken Straßenseite, um der Gefahr zu entgehen, dass Autofahrer die Kurve schneiden. Beides ist nicht erlaubt, sei aber keine Seltenheit, meint eine Anwohnerin. Sie sei mit der Pleidelsheimer Verwaltung seit Jahren in Kontakt, um diese Gefahrenstelle zu entschärfen. Auch im Gemeinderat war dieser kritische Punkt schon Thema. „Ökologisch mobil in Pleidelsheim“ schlägt vor, im Kurvenbereich die Fahrbahnmitte zu markieren, diese Linie könnte auch gestrichelt sein, schränkt Gorka ein. Wünschenswert wären auch ein Verkehrsspiegel, um die Sichtverhältnisse zu verbessern, und Piktogramme auf der Straße, die den Verlauf des Neckarradwegs kenntlich machen.

Das dickste Brett möchte die Gruppe an der Beihinger Straße bohren. An der Hohenzollernstraße gehen viele Familien aus dem Wohngebiet zu Fuß über die Landesstraße, um Richtung Wald, Spielplatz und zu den Streicheltieren zu gelangen. Eine Hilfe zum Überqueren der stark befahrenen Straße fehlt allerdings. Die Ampel am Johanneshaus ist zu weit entfernt, der Umweg wäre sehr lang. Die Arbeitsgruppe hätte an dieser Stelle gerne eine Querungshilfe, Tempo 30 auf der Ortsdurchfahrt sollte ihrer Meinung nach bereits vor der Hohenzollernstraße gelten.

Die Gruppe würde dieses Anliegen gerne bei einer gemeinsamen Verkehrsschau mit Gemeinde, Landratsamt und Polizei vorbringen. Als Grundlage ist eine Verkehrszählung geplant, bei der Fußgänger und Autofahrer berücksichtigt werden sollen, sagt Gorka. „Wir sind keine Experten, sehen aber die Probleme und haben Ideen“, resümiert Cord Stechmann. Jetzt müssten die Verkehrsplaner entscheiden, was umsetzbar ist.

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