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Von den Stufen einer Karriere

Josy Santos und Idunnu Münch gastieren mit dem Stuttgarter Opernstudio bei „Forum Open“ in der Musikhalle

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Als Mezzosopranistin war sie bereits in tragenden Rollen zu hören: Josy Santos.Foto: privat

Ludwigsburg. Vor acht Jahren wurde am Staatstheater Stuttgart das Opernstudio ins Leben gerufen, bei dem in jeder Saison sechs junge Sängerinnen und Sänger ihr Talent und ihre Künstlerpersönlichkeit weiterentwickeln können. Zum ersten Mal gastiert das Opernstudio im Programm „Forum Open“ in der Musikhalle mit Arien und Ensembles aus 300 Jahren Operngeschichte. Mit zwei der beteiligten Sängerinnen hatten wir die Gelegenheit zum Gespräch am Opernhaus.

 

Josy Santos und Idunnu Münch, die als Mezzosopranistinnen in der vergangenen Spielzeit schon in tragenden Rollen in Verdis „Rigoletto“ oder der „Salome“ von Richard Strauss zu hören waren, sind vom Ensemblegeist und den Herausforderungen an der Stuttgarter Oper begeistert. „Im Opernstudio der Staatstheater Stuttgart“, sagt die in München geborene Idunnu Münch, „hat man das Gefühl, ein wichtiger Bestandteil des Ensembles zu sein und erhält im Zuge dessen auch die große und schöne Verantwortung, tragende Rollen am Haus singen zu dürfen.“

 

In der kommenden Saison sind das vor allem Cherubino in Mozarts „Figaros Hochzeit“, der alternierend mit Josy Santos besetzt ist, die Olga in Tschaikowskys „Onegin“ und die Mary in Wagners „Fliegendem Holländer“. Die aus Brasilien stammende Sängerin steht unter anderem als Oberto in Händels „Alcina“ und als zweite Magd in der „Elektra“ von Richard Strauss auf der Bühne.

 

„Bei mir war zu Hause nicht die Tradition klassischer Musik vorhanden“, erzählt Josy Santos auf die Frage, wann ihre Begeisterung für die Oper begonnen hat. Ihr älterer Bruder mochte Popsongs, die sie zusammen nachsangen, und im Schulchor wurde ihre Stimme entdeckt. Mit 17 zog sie mit ihrer Familie nach São Paulo und begann, an der Universität Cruzeiro do Sul Musik zu studieren. Seit dieser Zeit wollte sie Sängerin werden, schon während des Studiums sang sie Opernrollen an Theatern ihrer Heimat, zum Beispiel die „Cenerentola“ von Rossini. 2013 war sie Preisträgerin des Maria-Callas-Wettbewerbs in Brasilien, im selben Jahr kam sie zum Master-Studium an die Frankfurter Musikhochschule, das sie 2016 abschloss. Seit Februar dieses Jahres ist sie Mitglied des Opernstudios in Stuttgart.

 

Idunnu Münch war schon im frühen Kindesalter zu Hause von klassischer Musik umgeben: „Ab meinem dritten Lebensjahr erhielt ich Geigenunterricht, kurze Zeit später Klavierunterricht, und auch der Chorgesang spielte in dieser Zeit eine große Rolle für mich.“ Zur Gesangsausbildung kam sie jedoch mehr durch Zufall: Zum zwölften Geburtstag bekam sie von ihrer Mutter ein CD-Album mit Brahms-Liedern geschenkt, und bald regte sich ihr Wunsch nach einer professionellen Ausbildung. Schon im Alter von 14 Jahren bestand Idunnu Münch die Aufnahmeprüfung als Jungstudentin an der Münchner Hochschule, und „ab diesem Moment ging mein Weg zunehmend in Richtung des solistischen Operngesangs“.

 

Beide Sängerinnen pflegen neben ihrer Opernkarriere auch den Konzert- und Liedgesang. „Ich liebe den Liedgesang“, sagt Josy Santos, „denn es ist sehr gesund für die Stimme.“ Sie hat auch schon beim Bonner Schumannfest mitgewirkt, Idunnu Münch schon bei Recitals des „Italienischen Liederbuchs“ von Hugo Wolf. „Besonders am Kunstliedgesang finde ich vor allem, dass ich Regisseur und Interpret zu gleicher Zeit sein kann“, erklärt sie. Doch die Faszination der Oper hat Vorrang, und hier konnte sie auch schon als Mitglied des Young Singers Project im „Sommernachtstraum“ und „Rosenkavalier“ ihre Debüts bei den Salzburger Festspielen feiern. Außer Münch und Santos singen am 3. Februar in der Musikhalle Esther Dierkes (Sopran), Kai Kluge (Tenor), Padraic Roman (Bariton) und Michael Nagl (Bass), begleitet von Alain Hamilton am Klavier.