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Wälle in Steinheim als Schutz vor Starkregen

Laut Gefahrenkarte ist die Marktstraße und ihr Umfeld in Steinheim ein neuralgischer Punkt, wenn ein Starkregen niedergeht. Wälle und Mauern sowie Rückhalteflächen können Schlimmeres verhindern.

Der Starkregen in Oberstenfeld am 19. Mai ist allen noch eindrücklich in Erinnerung.Archivfoto: privat
Der Starkregen in Oberstenfeld am 19. Mai ist allen noch eindrücklich in Erinnerung.Archivfoto: privat

Steinheim. Die Wassermassen, die sich vor drei Wochen durch Oberstenfeld, Großbottwar und Mundelsheim wälzten, machten wieder einmal deutlich, wie gefährlich Starkregen im Rahmen eines Gewitters ist. Die Stadt Steinheim ist bei der Vorsorge schon relativ weit: Für Höpfigheim sind bereits Maßnahmen geplant, für Steinheim und Kleinbottwar stellte sie Armin Binder vom Ingenieurbüro Winkler und Partner am Dienstagabend im Gemeinderat vor.

Neuralgischer Punkt ist die Marktstraße, wo häufiger die Keller volllaufen: Hier kommt nach einem Starkregen das Wasser von den Höhenlagen an und richtet Schäden an, bevor es in die Murr fließt: „60 Prozent der Schäden entstehen außerhalb von Gewässern nach Starkregen“, so Binder. Schon bei einem Starkregen mit 44 Millimeter pro Stunde, ein seltenes Ereignis, sind mehrere Straßen betroffen, aber auch noch bei einem außergewöhnlichen Ereignis mit 55 Millimeter pro Stunde. Die Fließgeschwindigkeiten liegen teils bei einem Meter/pro Sekunde, „Da kann man schon nicht mehr stehen“, so Binder. Der Kindergarten Schillerstraße hat ein mittleres bis höheres Risiko, die Schulen ein geringes.

Im Zentrum ist das Problemkind die Marktstraße und die steilen Straßen Lammgasse und Klosterstraße, wo die Fließgeschwindigkeiten teilweise über einem Meter pro Sekunde liegen. Hohes Risiko besteht für das Röststüble und das Hotel Mühlenscheuer, hier liegt die Überflutungstiefe bei über 100 Zentimeter, zu Beginn der Marktstraße bei 50 bis 100 Zentimeter.

Unterführung der Landesstraße 1100 ebenfalls eine Gefahrenstelle

Bei einem außergewöhnlichen Ereignis kommt es auch in Bereichen der Murrer Straße und an der Unterführung der Landesstraße1100 zu hohen Überflutungstiefen. Die Fließgeschwindigkeiten sind hier aber moderater. Auch in der Bahnhofstraße kann es zu Überflutungen kommen.

Vom Osten fließt das Wasser ins Zentrum und bringt Schlamm von den Feldern am östlichen Höhenweg, Hofstattweg und Holzweg mit, was die Schäden noch maximiert. Die Überflutungstiefen sind aber geringer. Hier könnte deshalb auch ein Wasser- und Schlammrückhaltebecken gebaut werden. Mauern und Verwallungen entlang der Felder am Holzweg und der Höhenstraße sollen den Schlamm abhalten. Die Stadt hat zudem bereits mit den Landwirten eine Vereinbarung zu Blühstreifen am Feldrand getroffen, informiert Bürgermeister Thomas Winterhalter. Im Hofstattweg könnte die Straßenentwässerung über neue Gräben an der Straße verbessert werden. Am Spielplatz Bisamstraße soll ein Durchstich zur Bottwar für einen besseren Abfluss sorgen.

An der Marktstraße gestaltet sich eine Verbesserung schwierig. Langfristig könnte die Straße entsprechend umgestaltet werden, aber das kostet Geld – „viel Geld“, wie Winterhalter betonte.

Bei zukünftigen Baugebieten gehe es darum, Straßen anders auszubilden, keine bodengleichen Eingänge oder Garagenausfahrten zuzulassen. Im neuen Kleinbottwarer Baugebiet Scheibenäcker muss jeder Grundstücks-eigentümer drei Kubikmeter Retensionsraum nachweisen, zudem wird das Oberflächenwasser über die Klinge nach unten geführt. „Die Aktionen der Hausbesitzer selbst sind aber am effektivsten“, so Binder. Denn diese sind verpflichtet, Vorsorge zu treffen. Mauern können – in Absprache mit dem Nachbarn, wie Binder betont – gebaut werden, auch Rückschlagklappen haben sich bewährt, ebenso druckwasserfeste Türen und Fenster, wo es möglich ist. Wer kann, erhöht die Hauseingänge, deckt die Kellerlichtschächte ab. Elektroinstallationen und Heizung sollten sich im oberen Bereich des Hauses befinden, mobile Möbel im Keller auf einem Podest. Aber auch die Landwirte können etwas tun, indem sie die Äcker im Winter begrünen, auf Bewirtschaftung quer zum Hang setzen. Auch Blühstreifen können als Puffer dienen. Beim Mais sind schmale Reihen hilfreich.

Bottwartalhalle in Kleinbottwar mit hohem Risiko

Die Information der Bürger erfolgt über Presse und Homepage der Stadt, im Grundsatz sind die Bürger aber verpflichtet, sich selbst zu informieren. Auch den Landwirten könne man keine Vorschriften machen. „Auf lange Zeit hilft nur, den Flächenverbrauch zu stoppen, wir können nicht vom Asphalt beißen“, so CDU-Rat Volker Schiele und übte Kritik an den Nachbarn in Mundelsheim: „Da säuft der Ort fast ab und kurz darauf stimmt man für ein 20 Hektar großes Gewerbegebiet.“

In Kleinbottwar kommt das Wasser ebenfalls von den Feldern über die Paul-Aldinger Straße in den Ort, weshalb für die Paul-Aldinger-Schule ein mittleres Risiko besteht, bei der Bottwartalhalle ist es sogar ein hohes Risiko. Ebenfalls gefährdet sind der Friedhof und das Gemeindehaus Pfarrscheuer. Auch hier könnten Wälle das Oberflächenwasser sowie den Schlamm von den Feldern zurückhalten. Vom neuen Baugebiet Scheibenäcker fließt das Wasser über die Klinge in der Mitte unter der Straße hindurch auf die vorhandene Retensionsfläche. Ein Wassergraben von der Ortsmitte zur Bottwar besteht bereits, dieser könnte noch optimiert werden.

Zwei Wälle in Höpfigheim

In Höpfigheim wurden nach einem Starkregen 1997 bereits 2018 die Gefahrenkarten vorgestellt und zudem die weitere Untersuchung beauftragt. Im Gespräch sind hier zwei größere Wälle. Einer könnte entlang der Meisenstraße, links von der Schule, verlaufen. Zudem könnte der Fußballplatz als Retensionsfläche dienen und ein neuer Regenwasserkanal gebaut werden. Der andere Wall würde am Gewerbegebiet Obere Seewiesen rechts von der Landesstraße entstehen. Das Wasser würde gedrosselt unter der Straße hindurch in den Beutenmühlenbach geleitet. Die Kosten liegen bei mindestens einer Million Euro und müssen vom Gemeinderat noch genehmigt werden. (pat)

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