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Warten auf den Zug und einen Halt

Seit Jahren köchelt das Thema vor sich hin. Wird ein Haltepunkt Schwieberdingen-Markgröningen an der Schnellfahrstrecke der Bahn jetzt wieder heißer?

Schnellfahrstrecke der Bahn zwischen Schwieberdingen und Markgröningen: Züge legen hier keinen Stopp ein. Das will eine Allianz aus Politik und BUND ändern. Foto: Holm Wolschendorf
Schnellfahrstrecke der Bahn zwischen Schwieberdingen und Markgröningen: Züge legen hier keinen Stopp ein. Das will eine Allianz aus Politik und BUND ändern. Foto: Holm Wolschendorf

Schwieberdingen/Markgröningen. Merklingen auf der Alb, zwischen Stuttgart und Ulm gelegen, hat seinen Jackpot bereits geknackt. Die Kommune hat einen Haltepunkt an der vor der Fertigstellung stehenden Schnellfahrstrecke der Bahn bekommen – und zwar „auf den letzten Drücker“, wie der ehemalige Schwieberdinger FDP-Fraktionschef Hugo Matz sagt. Matz kämpft seit Jahren dafür, dass seine Heimatgemeinde ebenfalls an eine Schnellfahrstrecke angebunden wird: die zwischen Stuttgart und Mannheim. Dabei muss es laut Matz ja nicht mal eine ICE-Verbindung sein. Es würde ihm völlig ausreichen, wenn er zu Hause in einen Metropolexpress einsteigen und nach Pforzheim, Mühlacker und Vaihingen fahren könnte. Oder nach Feuerbach, Böblingen, Esslingen oder Wendlingen.

B10-Ausbau könnte obsolet werden

Unterstützung für sein Vorhaben kommt jetzt aus der Nachbarschaft: aus Markgröningen. „Es wäre ein absoluter Hauptgewinn“, sagte dort der Freie Wähler Matthias Reutter, „wenn die Raumschaft Schwieberdingen, Markgröningen und Möglingen einen einfachen Bahnhaltepunkt wie Merklingen an der Schnellfahrstrecke bekommen würde.“

So sieht das wohl auch der örtliche BUND. Ebenfalls in Markgröningen hat der Vordenker Peter Fendrich einen Plan entworfen und im Internet veröffentlicht, wie das Projekt umgesetzt werden könnte. Der Arbeitstitel: Pendler-Turbo auf der Schnellbahntrasse. Fendrich schwebt der Stopp für den Metropolexpress zwischen der Münchinger- und Schwieberdinger Straße vor. Die auszuschleifenden Bahnsteiggleise würden mit einer Länge von 800 Metern schnelle Ein- und Ausfahrten und auch das Überholen von langsameren Langzügen ermöglichen. Fendrich weiter: „Eine attraktive Pendler-Verbindung könnte zudem den doppelspurigen Ausbau der B10 und Umfahrungen wie die Enzweihingens obsolet machen.“

Dazu müssten laut BUND attraktive Busverbindungen an die Bahnhöfe in Markgröningen und Schwieberdingen, zum Bosch-Standort, zum Bildungszentrum Benzberg und nach Möglingen geschaffen werden. Eine zentrale Rolle spielt in den Überlegungen auch die künftige Stadtbahn zwischen Markgröningen und Ludwigsburg. Über den Schwieberdinger Ast würde sie ebenfalls den Regionalbahnhalt ansteuern und ins Zentrum der Gemeinde verlängert werden. „Am besten wäre noch eine Verknüpfung mit der Strohgäubahn“, sagt Matz.

An Schienenvisionen hat es im Strohgäu nie gemangelt, wohl aber an der Umsetzung. Das Land scheute bislang immer vor den hohen Kosten eines Bahnhofs an der Schnellfahrtrasse und eines Ausleitungsgleises zurück – vor allem aber laut dem Schwieberdinger Bürgermeister Nico Lauxmann vor Änderungen am engmaschigen Zeitplan. „Ein zusätzlicher Halt auf Höhe Schwieberdingen würde deutliche Verzögerungen im Takt der Züge verursachen und entspreche nicht dem Grundgedanken von Stuttgart 21“, so Lauxmann. Der sieht vor, Züge aus dem Umland schnell in den Hauptbahnhof und schnell wieder auf die Strecke zu bringen.

Die Vordenker sehen Hoffnungszeichen

In Schwieberdingen will sich die Kommunalpolitik aus diesen Gründen offenbar vor allem auf die Realisierung der Stadtbahn und die Verlängerung zu Bosch konzentrieren. „Wir sehen weiterhin die Vorteile eines Halts an der Schnellbahntrasse. Die Priorität eins liegt aber auf der Stadtbahn“, sagt der Schultes unserer Zeitung.

Der FDP-Kommunalpolitiker Matz denkt trotzdem nicht daran, kleinbeizugeben. „Hoffnungsschwanger“ machen ihn die neuen politischen Machtverhältnisse in Berlin. Das dortige Bundesverkehrsministerium ist bekanntlich an die FDP gegangen und erneut mit einem Parlamentarischen Staatssekretär aus dem Südwesten besetzt worden. Der heißt nun Michael Theurer statt Steffen Bilger (CDU).

Matz setzt jetzt auf „Rückenwind von oben nach unten“ – und dass sich der Autozulieferer Bosch öffentlich für den Regionalbahnhalt vor seinem Werkstor einsetzt. Matz: „Das würde den größten Schwung für das Projekt bringen.“

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