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interview

Weichen für Aufstieg werden gestellt

Seit Dienstagabend steht mit den Dresdner Eislöwen der Play-off-Viertelfinalgegner für Eishockey-Zweitligist SC Bietigheim-Bissingen fest. Am morgigen Freitag starten die Steelers um 20 Uhr in der Ege Trans-Arena die Mission Titelverteidigung.

Freut sich auf die Play-offs: Steelers-Geschäftsführer Volker Schoch.Foto: Baumann
Freut sich auf die Play-offs: Steelers-Geschäftsführer Volker Schoch. Foto: Baumann

Bietigheim-Bissingen. Steelers-Geschäftsführer Volker Schoch taxiert im LKZ-Interview die Chancen und wagt einen Blick in die Zukunft.

Mit einem starken Endspurt haben sich die Steelers einmal mehr das Heimrecht in den Play-offs gesichert und damit die erste Vorgabe erfüllt. Nach vier Meisterschaften seit 2009 – mit welchen Erwartungen geht der Geschäftsführer in die heiße Saisonphase?

An das Ziel Platz eins bis vier haben wir immer geglaubt. Ich glaube, ich war der Einzige, der das nie in Frage gestellt hat. Wir gehen jetzt konzentriert in die erste Play-off-Runde. Ich habe vor jeder Mannschaft höchsten Respekt, die unter die ersten Acht gekommen ist. Wir müssen jedoch vor keiner Mannschaft Angst haben und uns viermal zu schlagen ist sicher nicht so leicht.

Es gab in der eingleisigen zweiten Bundesliga noch keine Titelverteidigung. Ein schlechtes Omen für den Meister?

Es gibt keine Regel, die man nicht brechen kann. Ich bin nicht abergläubisch. Wir planen nichts, das wäre vermessen, denn die Hauptrunde hat gezeigt, dass jeder jeden schlagen kann. Die Teams, die jetzt vorne sind, waren in etwa auch dort zu erwarten.

Mit Sinisa Martinovic und Ilya Sharipov setzt Bietigheim auf das gleiche Torhüter-Duo wie in der vergangenen Saison. Beide haben bislang etwa gleich viel Einsatzzeiten erhalten. Hat sich die Variante mit Routinier und Youngster auf der wichtigsten Position im Eishockey bewährt?

Es geht gar nicht um Routinier oder Youngster. Es sind beides gute Torhüter, die unterschiedlich spielen. Wichtig ist, dass die Mannschaft beiden Keepern vertraut, das ist das Entscheidende. Wer beim Training den besseren Eindruck macht, wird spielen.

Es gibt also von vornherein keine Nummer eins?

Nein.

Der Zuschauerschnitt in der Hauptrunde lag bei knapp 2900 Besuchern. Entspricht diese Zahl Ihren Erwartungen?

Ja, wir liegen damit knapp über dem Vorjahr. Es war nicht zu erwarten, dass in einer Saison, in der es in Sachen Aufstieg mal wieder um nichts geht, die Zuschauerzahlen explodieren. Wir verspüren einen positiven Trend und haben auch mehr Dauerkarten verkauft als im Vorjahr. Allerdings sind wir im Wettbewerb mit Bietigheimer Mannschaften, wo es um den Ligaerhalt oder um den Aufstieg geht, das ist attraktiv.

Nach dem langen und erfolgreichen Wirken von Trainer Kevin Gaudet hat man in Bietigheim vor dieser Saison mit Hugo Boisvert einen neuen Bandenchef verpflichtet, der hier seinen ersten Cheftrainerposten antrat. Wie bewerten Sie seine Entwicklung und seine Arbeit mit der Mannschaft?

Hugo hat genau das erfüllt, wofür ich ihn geholt habe. Dafür wurde ich auch schon oft verspottet und unter der Gürtellinie angegriffen. Es sind hier in Bietigheim vor und hinter der Bande noch die gleichen Leute wie vor Saisonbeginn. Das sieht bei anderen Clubs anders aus. Es war für Hugo und mich nicht immer einfach zu ertragen, was im Umfeld geredet worden ist. Hugo als junger Trainer darf und muss Fehler machen, sonst würde er nichts lernen. Und er hat viel gelernt, denn er hat Dinge, die er am Anfang vielleicht unterschätzt hat, für sich neu bewertet. Man sieht, dass Hugo sich als Trainer weiterentwickelt hat und auch die Spieler weiterentwickelt hat. Norman Hauner und Alex Preibisch spielen ihre beste Saison, Benjamin Zientek ist zu einem wichtigen Akteur geworden. Ein Niki Goc hat sich über die Saison stabilisiert und spielt jetzt seine Rolle als defensiver Verteidiger. Das haben die Leute zum Teil vielleicht einfach nicht verstehen wollen. Für einen jungen Trainer nach Bietigheim zu kommen, ist eine Riesenherausforderung gewesen. In diese Fußstapfen zu treten, das trauen sich nicht viele.

In der Saison 2020/21 wird es nach langer Zeit erstmals wieder einen sportlichen Aufsteiger geben. An welchen Stellschrauben wird bereits jetzt gedreht, um in der übernächsten Spielzeit für den Aufstiegskampf gerüstet zu sein?

Wir haben mit Zientek und Hauner verlängert. Die haben Verträge, die das Ziel haben, mit Bietigheim aufzusteigen. Das sind deutsche Topstürmer. Wir werden weitere Spieler an uns binden, von denen wir glauben, das Ziel anvisieren zu können. Marcus Sommerfeld und Bastian Steingroß, die aufhören, werden adäquat ersetzt werden durch Spieler, die für sich die Perspektive sehen, mit Bietigheim aufzusteigen. Daran arbeiten wir intensiv.

Als einziger Zweitligaclub beteiligt sich Frankfurt diesmal am Lizenzierungsverfahren der DEL und könnte somit den Platz eines Erstligisten einnehmen, der aus wirtschaftlichen Gründen die Waffen strecken muss. Warum war ein möglicher Aufstieg durch die Hintertür für die Steelers kein Thema?

Wir haben es nicht getan, weil wir uns den sportlichen Aufstieg auf die Fahne geschrieben haben.

Namen von möglichen Neuzugängen werden bereits gehandelt. Aus Frankfurt sollen Verteidiger Tim Schüle, der aus Bietigheim stammt und hier im Nachwuchs gespielt hat, sowie Stürmer Brett Breitkreuz ins Ellental wechseln. Können Sie diese Personalien bestätigen?

Tim Schüle taucht jedes Jahr um diese Jahreszeit auf. Wir telefonieren auch sehr oft miteinander. Er hat aktuell noch Vertrag in Frankfurt, aber wir reden miteinander. Das ist zurecht ein Name, der genannt wird, er könnte auch vom Alter her passen. Jetzt müssen halt die Rahmenbedingungen passen. Breitkreuz ist auch ein sehr interessanter Spieler, jemand den man sich vorstellen kann. Aber wir werden uns für keinen Spieler wirtschaftlich verbiegen.

In der Ege Trans-Arena spielt auch der Handball-Bundesligist SG BBM Bietigheim, der um den Ligaverbleib kämpft. Ist die SG bei der Sponsorensuche ein Konkurrent für die Steelers und ist mit Blick auf einen möglichen DEL-Aufstieg wieder ein Hauptsponsor wie früher Porsche in Sicht?

Wir sind froh, dass die SG da ist. Es gibt kleinere Schnittmengen, was die Unterstützer beider Clubs angeht. Da mache ich mir keine Sorgen. Ein Hauptsponsor ist auf der einen Seite schön, aber da gibt es auch manchmal eine ungünstige Abhängigkeit. Mit dem plötzlichen Wegfall von Porsche waren bei uns auch auf einen Schlag 2,2 Millionen Euro weg. Wir haben inzwischen viele treue Unterstützer, über die wir sehr froh sind, aber ein exklusiver Hauptsponsor müsste einen hohen sechsstelligen Betrag bringen. Und da sehe ich zum jetzigen Zeitpunkt niemanden. Ich arbeite lieber mit unseren derzeitigen Sponsoren weiter.

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