Logo

Weiter mit Schwung und Charme

Konkrete Trassen für die Stadtbahn und neuen Schwung für die Bottwartalbahn kündigt Landrat Dietmar Allgaier im ÖPNV-Sommergespräch an. Der VVS setzt unterdessen auf eine Charmeoffensive.

Das Gleis der stillgelegten Bahnstrecke zwischen Ludwigsburg und Markgröningen: Kreis und VVS wollen mit Blick auf den Klimaschutz das ÖPNV-Angebot ausbauen. Foto: Marijan Murat/dpa
Das Gleis der stillgelegten Bahnstrecke zwischen Ludwigsburg und Markgröningen: Kreis und VVS wollen mit Blick auf den Klimaschutz das ÖPNV-Angebot ausbauen. Foto: Marijan Murat/dpa

Kreis Ludwigsburg. Der Nahverkehr ist dem Landkreis Ludwigsburg offenbar lieb und teuer. Mit rund 40 Millionen Euro beziffert Landrat Dietmar Allgaier die Zuschussleistungen aus dem Kreishaus aktuell – das sind mehr als doppelt so viel wie im Vergleich zum Jahr 1996. „Wir haben mittlerweile ein dichtes Netz aufgebaut“, sagte Allgaier bei seinem ersten ÖPNV-Sommergespräch als Landrat am Donnerstagmittag. „Aber mehr geht natürlich immer.“

Wie geht es bei der Stadtbahn weiter?

Ende September erwartet der Landrat die Ergebnisse einer Potenzialanalyse für einen Stadtbahnast aus Pattonville über den neuen W&W-Campus und die Ludwigsburger Südstadt zum Bahnhof. Befahren werden könnte er mit gelben Hochflurstadtbahnen der SSB. Daraus ergeben sich laut Allgaier dann die weiteren Schritte – insbesondere, über welche Trassen die Züge konkret fahren sollen. Gesetzt ist, dass die Markgröninger Bahn über Möglingen nach Ludwigsburg zum Fahrplanwechsel 2028 zuerst reaktiviert wird. Die Ludwigsburger Innenstadtäste nach Schlösslesfeld und Oßweil in der Niederflurversion sollen bekanntlich 2032 folgen.

Als großen Erfolg bezeichnet es Allgaier, dass mit der Bahn eine Verständigung über eine langfristige Pacht der Markgröninger Bahn erzielt worden sei. „Die Fachwelt hat uns gratuliert, dass wir diesen Weg gehen“, sagte der Landrat. „So haben wir das Geschehen in der Hand und sind nicht abhängig vom Bahnkonzern.“ Darüber hinaus will er jetzt eine standardisierte Bewertung auf den Weg bringen, um das Gesamtprojekt genehmigt zu bekommen.

Der Chef des Stuttgarter Verkehrs- und Tarifverbundes (VVS), Thomas Hachenberger, zeigte sich am Donnerstag „guten Mutes“, dass schnell Fakten geschaffen werden. Die Chancen auf Fördermittel seien so gut wie nie. Derzeit wird das XXL-Vorhaben auf rund 250 Millionen Euro taxiert. Rund 90 Prozent könnten vom Bund und Land kommen.

Gibt es noch Hoffnung für die Reaktivierung der Bottwartalbahn?

Das Land subsumiert die Bottwartalbahn unter 41 Strecken, die für eine Wiederbelebung infrage kommen. Hinsichtlich des Fahrgastpotenzials zwischen Marbach und Heilbronn liegt sie im Landesranking gar auf Platz zwei. Nur: Die Kosten-Nutzen-Abschätzung, die für eine Förderung derzeit maßgeblich ist, liegt bei allen möglichen Varianten weit unter der magischen Schwelle von 1,0.

Allgaier rechnet nun damit, dass der Bund zeitnah nach der Wahl Ende September neue Verfahrensrichtlinien erlassen werde, die womöglich die jetzigen starren Kriterien aufweichen könnten. „Dann werden wir das Thema noch einmal aufgreifen“, so der Landrat.

Wie ist der VVS unterwegs?

Den Start ins Jahr bis einschließlich April bewertet der VVS-Chef Hachenberger seuchenbedingt als „sehr mau“, den Mai noch mit mau. „Seit Juni sind wir wieder hoffnungsfroh.“ Auf rund 120 Millionen Euro schätzt er die Einnahmeverluste in den Pandemiejahren 2020 und 2021. Das sei nur durch Rettungsschirme des Bundes und Landes zu überbrücken gewesen. Lediglich 40 Prozent des Kostendeckungsgrades entfallen noch auf Fahrgäste, der Rest kommt von der öffentlichen Hand.

Zu Rekordzeiten verzeichnete der VVS rund 1,3 Millionen Fahrten am Tag. Jetzt sind es etwa 800000.

Wie will der VVS seine Kunden zurück in die Busse und Bahnen holen?

Durch eine Charmeoffensive. Bei Schülern hat der VVS im Frühjahr eine weitere Monatsrate des Abos übernommen. Stammkunden und Jahresticketinhaber haben im April eine halbe Monatsrate ausgezahlt bekommen, darüber hinaus gibt es einen Freimonat für Neueinsteiger. In den zwei Wochen nach den Sommerferien gelten VVS-Abos und Jahrestickets deutschlandweit. Die Kunden können mit ihren Tickets also den Nahverkehr in Berlin, München oder Hamburg nutzen.

Außerdem soll das Verkehrsangebot wachsen. Die S-Bahn bekommt ein Redesign und mehr Kapazität durch Langzüge. Ab September 2022 setzt der Stuttgarter Regionalverband wohl eine Express-S-Bahn über Weil der Stadt, Korntal und Ditzingen nach Zuffenhausen (später bis Feuerbach) aufs Gleis.

Die Regionalbahnen fahren ab Dezember 2021 an Sonn- und Feiertagen zwischen Heilbronn und Stuttgart sowie Pforzheim und Stuttgart tagsüber alle 30 Minuten.

Was bedeutet das für die Ticketpreise?

Die nächste Fahrpreiserhöhung um 2,5 Prozent zum April 2022 steht so gut wie fest. Allerdings hat der VVS eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die untersuchen soll, ob die Tarife in Zukunft auf zwei oder mehr Jahre festgelegt werden könnten. Aus Ludwigsburg kommen positive Signale. „Das wäre in unserem Interesse“, so der Landrat Allgaier am Donnerstagmittag. Er sagt mit Blick auf Corona, dass der ÖPNV jetzt vor allem Kontinuität brauche.

Autor: