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Wengerter stehen jetzt unter Druck

Feuchtwarmes Klima, Fäulnis und die Kirschessigfliege sind der Grund für eine vorgezogene Traubenernte, die gestern an Enz und Neckar sowie im Stromberg begonnen hat. Die Gemmrigheimer Jungwengerter haben am Abend den Herbst traditionell „eingeschossen“.

Die Familie Weingärtner aus Gemmrigheim hat Chardonnay-Trauben gelesen.Fotos: Alfred Drossel
Die Familie Weingärtner aus Gemmrigheim hat Chardonnay-Trauben gelesen. Foto: Alfred Drossel
Die Altmanns haben in Bönnigheim Schwarzriesling geerntet.
Die Altmanns haben in Bönnigheim Schwarzriesling geerntet.

besigheim/Bönnigheim. Der Bönnigheimer Kellermeister Michael Schiefer kehrte gestern enttäuscht von einem Weinbergrundgang zurück: „Angesichts der wachsenden Fäulnis bei den Frühsorten müssen wir schnell, ja fast schon überstürzt handeln“, sagt er. Die Weingärtner Stromberg-Zabergäu haben gestern mit der Hauptlese der vollreifen Acolon- und der Schwarzriesling-Trauben begonnen. Rund 50 Tonnen Trauben wurden abgeliefert. Trotz des wenig erfreulichen Starts verbreitet der Kellermeister Zuversicht. Denn bei Lemberger und Riesling sehe es sehr gut aus. Am heutigen Samstag und in der kommenden Woche geht die Lese weiter.

Sebastian Häußer von der Felsengartenkellerei fordert von seinen Wengertern eine erhöhte Aufmerksamkeit im Weinberg. Es müsse der richtige Zeitpunkt zwischen Reife und Fäulnis zur Lese genutzt werden, sagt der Kellermeister. „Diese Situation haben wir von jetzt an bis in die letzte Oktoberwoche hinein“, betont Häußer. Das sei eine außergewöhnliche Situation.

Carina Weingärtner aus Gemmrigheim hat gestern mit ihren Lesehelfern im „Drachenloch“ die reifen Chardonnay-Trauben bei der Premium-Lese für den Grundwein geholt. Mit 77 Öchslegraden sei das ein gutes Ergebnis. Tobias Beckbissinger hat in den steilsten Gemmrigheimer Weinbergen im „Ketterschen“ am Neckar die faulen Trollinger-Beeren ausgelesen. Der Trollinger braucht noch Sonne, meint er.

Mit der ganzen Familie im Einsatz

Im Weinberg von Emil Altmann in Bönnigheim war die ganze Familie im Einsatz. „Die Schwarzriesling-Trauben müssen jetzt schnell gelesen werden“, betont er. Der 79-jährige Emil Altmann bedauert, dass seine Enkel diesmal nicht dabei sein können, weil sie im Kindergarten oder in der Schule sind. In Bönnigheim wurden gestern auch Acolon-Trauben gelesen, die ihre Reife voll erreicht haben.

Samuel Weiberle aus Hohenhaslach hat jetzt mit seinen sechs Vollerntern Hochbetrieb. In Bönnigheim hat er gestern den acht Ar großen Weinberg von Alexander Buchele geerntet. „Für mich gibt es keine andere Alternative als die Maschine“, so Weiberle. Er bekomme keine Helfer für die Lese. Eine Maschine kann in einer Stunde einen 50 Ar großen Weinberg ernten. Bei der Handlese dauert das ein Vielfaches, berichtet der Wengerter.

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