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Wenn der Mops mit dem Pitbull planscht

Hundebadetag in der größten Wanne Ludwigsburgs. Am Samstag durften wieder die Fellnasen die Saison im Freibad Hoheneck am Neckar endgültig beenden. Zum sechsten Mal war die Aktion auch dieses Jahr der „volle Beller“.

Ob mit Schwimmweste oder ohne – für die Hunde ein Riesenspaß. Manche finden gar kein Ende und wollen einfach noch einmal und noch einmal. Fotos: Ramona Theiss
Ob mit Schwimmweste oder ohne – für die Hunde ein Riesenspaß. Manche finden gar kein Ende und wollen einfach noch einmal und noch einmal. Foto: Ramona Theiss
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Foto: Ramona Theiss
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Foto: Ramona Theiss

Ludwigsburg. Aufgeregt zerren sie am Kassenhäuschen noch an der Leine. Während Herrchen und Frauchen den Obolus – 50 Cent pro Fuß und Pfote – zahlen und den Meldebogen ausfüllen. Eine Eintrittskarte gibt’s keine. Dafür einen Kotbeutel gratis. Ein Wink mit dem Zaunpfahl.

Die Tiere riechen das Wasser und wollen rein. Die meisten jedenfalls. Alle wollen mit ihren Artgenossen auf der großen Liegewiese spielen und um den Beckenrand herumtoben. „Bislang kam es noch zu keinen schweren Raufereien“, meint Manuela Kaiser. Die Angestellte der Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim organisiert die Aktion. Sie sagt: „Solange Mensch sich nicht einmischt, regeln das die Tiere selber.“ Außer ein paar kleinere Zickereien. Und wer sich nicht leiden kann, der geht sich einfach aus dem Weg. Das Gelände ist groß genug.

Heute ist erlaubt, was sonst verboten ist: Vom Beckenrand springen. Manche machen das unermüdlich. 20-, 30-, 40-Mal. Immer wieder dem geworfenen Spielzeug hinterher, schnappen, bringen. Stundenlang. Am Ende des Tages werden sie komplett platt sein. Nur noch Fressen, dann schlafen. Ebenfalls stundenlang.

Schon am Vormittag füllen sich die beiden Becken rasant. Gerade noch war das Wasser jungfräulich und spiegelglatt, jetzt ist es aufgewühlt. Die Wogen der Begeisterung schlagen hoch. Orissa, ein achtjähriger altdeutscher Schäferhund, hechtet in elegantem Sprung seinem Ring hinterher. „Wenn ich ihn nicht bremse, macht er das auch den ganzen Tag“, erklärt sein Besitzer Armin aus Aspach. Der Hund steigt die Treppe des Nichtschwimmerbeckens hoch und schüttelt sein schweres langes Fell trocken. Jetzt sind dafür im Umkreis von fünf Meter alle anderen wie durch einen zerstäubten Sprühnebel von Wassertropfen nass und sehen selber aus wie begossene Pudel.

Andere dagegen gehen etwas vorsichtiger an die Sache heran und tasten sich langsam und mit Skepsis an das feuchte Element heran. Manche gehen nur bis zur Brust hinein und ziehen wieder Leine. Auch Tessa, ein tiefer gelegter Mix aus Border-Collie und Australian Shepard, kneippt lieber. Sie stakst bei den Duschen herum und achtet darauf, dass der Bauch dabei nicht allzu nass wird. Dabei nimmt sie ab und zu ein Schlückchen und schlabbert.

Es ist auch Training für die Besitzer, die ihre Vierbeiner ins Schwimmerbecken lassen. Denn aus eigener Kraft schaffen sie die Leitern nicht, sie müssen am Geschirr rausgezogen werden. 15 Kilo Hund am Stück. Aber auch viel mehr. Und das nicht nur einmal. Einige haben spezielle Hunde-Schwimmwesten an, mit denen die Lage im Wasser besser ist.

Herrchen und Frauchen wärmen sich mit Kaffee und Tee

Michael Sax aus Sachsenheim ist mit Frau und Tochter sowie den beiden Retrievern da. Wasser ist nicht so das Element vom älteren Daimon. Im Gegensatz zu Hero, der, wenn er sich daran gewöhnt hat, kaum noch rauszukriegen ist. Erst wenn die Familie den Badetag beendet. Nach drei Stunden.

Dalmatiner Harry heult am Eingang. Es dauert ihm alles zu lange. Drinnen ist schon Wotan, der Riesenschnauzer. Die beiden können es gar nicht mehr erwarten von der Leine gelassen, ausgelassen miteinander zu spielen.

Das Wasser ist kalt. Nur 15 Grad. Draußen ist es gegen 10 Uhr kälter. Nur zehn Grad. Während sich Herrchen und Frauchen die Hände an den Pappbechern mit Kaffee und Tee wärmen, dazu Hefezopf essen, rennen sich die Hunde warm. Sie jagen sich, fordern hechelnd mit tief gelegter Brust auf zum Spiel. Die Ohren zeigen neugierig nach vorn. Die Größe und Herkunft sind egal. Ausschlaggebend ist die Sympathie und die wurde vorab ausgiebig und wedelnd erschnüffelt. Da versteht sich der schwarze Mops mit neongelber Schwimmweste auch mit dem sandfarbenen Pittbull-Mix.

Es war das Abschwimmen auf vier Pfoten. Denn danach schließt das Freibad für diese Saison endgültig und wird winterfest gemacht. Und am Abend träumen die Wasserratten hundemüde alle vom ereignisreichen Tag im Hundeparadies.

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