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Wie Meredith Monk auf Besuch im Berghain

Das finnische Frauen-Duo Puhti begeisterte mit seiner quirligen Show rund 70 Besucher im Kronekeller

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Bieten eine minimalistische wie mitreißende Interpretation der finnischen Folklore: Anne-Mari Kivimäki (rechts) und Reetta-Kaisa Iles.Foto: Oliver Bürkle

Ludwigsburg. Wenn das Akkordeon erklingt, erscheint der Teufel: Dieses Sprichwort aus Karelien haben sich Anne-Mari Kivimäki und Reetta-Kaisa Iles, die zusammen das finnische Duo Puhti bilden, eigens für ihren Auftritt im Kronekeller von Pascal Fetzer übersetzen lassen, der seit vergangenem Jahr den atmosphärischen Raum unter dem Hohenecker Gasthaus Krone mit Kultur bespielt.

Das passt gut zur Musik der beiden quirligen Künstlerinnen, obwohl diese ganz ohne Kajal auskommt, also auf jedweden Gothic- oder Emo-Chic verzichtet und somit kein bisschen okkult rüberkommen, sondern äußerst vital und lebendig.

 

Puhti bringen eine gleichermaßen minimalistische wie mitreißende Interpretation der Folklore ihrer Heimat auf die Bühne: Während Kivimäki den Akkordeonpart übernimmt, ist Iles als Tänzerin für die choreografische Umsetzung und rhythmisches Stampfen zuständig. Ihre Performance ist so humorvoll wie mitreißend, ihr Harmoniegesang produziert in Songs wie „Komia“, dem Titeltrack ihres aktuellen Albums, so berückende Schwebungen, dass man glauben könnte, Simon & Garfunkel hätten auf ihre alten Tage nochmals zusammengefunden und Körper und Geschlecht gewechselt.

 

Tonspur zum Stummfilm

In Stücken wie „Ei meillä ole hätää“ wird aber auch gerappt, „Hutjakka“ könnte bei einem Besuch von Meredith Monk im Berghain entstanden sein. Auf einer Leinwand zeigen sie ihren bereits ausgezeichneten SchwarzWeiß-Stummfilm „The Lost Soul“, der ohne Genehmigung in Karelien gedreht wurde, einer heute menschenleeren Region, die einst zu Finnland gehörte und am Ende des Zweiten Weltkrieges an Russland abgetreten wurde. Beeindruckt verfolgten die rund 70 an Tischen, Bänken und Stühlen verteilten Besucher, wie die beiden Finninnen live die Tonspur dazu erzeugten. Mit ihrem klischeefreien Folk begeisterten Puhti, so dass die anderthalb Stunden bis zu den beiden Zugaben wie im Flug vergingen.