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Wie werden all die Kürbisse verwertet?

Für die Veranstaltung im Blühenden Barock in Ludwigsburg werden rund eine halbe Million Kürbisse benötigt, davon ein Drittel für die Ausstellung selbst. Archivfoto: Andreas Becker
Für die Veranstaltung im Blühenden Barock in Ludwigsburg werden rund eine halbe Million Kürbisse benötigt, davon ein Drittel für die Ausstellung selbst. Archivfoto: Andreas Becker
Kürbisse in allen erdenklichen Formen und Farben sind derzeit im Blühenden Barock in Ludwigsburg zu sehen. Was bei den einen das Auge erfreut, regt andere zum kritischen Nachdenken an. Denn was passiert am Ende der Kürbisausstellung mit all den Früchten? Und wie viele davon werden gegessen?

Kreis Ludwigsburg. „Das sind berechtigte Fragen, mit denen wir auch ständig konfrontiert werden“, sagt Stefan Hinner, der für die Kürbisausstellung im Blühenden Barock verantwortlich ist. Der Bedarf an Kürbissen für die gesamte Veranstaltung beläuft sich auf rund 500 000 Stück – verteilt auf Dekoration, Verkauf und Gastronomie. Fast alle baut der Obsthof Eisenmann mit Saatgut aus aller Welt in Rielingshausen an.

Angesichts dieser Zahl fragt sich LKZ-Leserin Jessica Lorenz aus Kornwestheim, ob die Produktion von Kürbissen zu Dekozwecken überhaupt noch angebracht ist: „In Zeiten, in denen fehlende Flächen für den Getreideanbau beklagt und Überlegungen angestellt werden, renaturierte Randzonen wieder zu Ackerland zu machen?“ Es mache sie nachdenklich, dass ein wertvolles Lebensmittel am Ende in großen Mengen verderbe. Wie viele eigentlich essbare Kürbisse nur zu Dekozwecken verwendet werden, können sie aber nicht einschätzen.

Kein Einfluss auf Verwendung zu Hause

„Etwa ein Drittel der Kürbisse geht bei uns in die Mägen“, sagt Stefan Hinner. Denn das gastronomische Angebot um die Ausstellung herum reicht inzwischen von der Kürbissuppe über Kürbispommes bis hin zu Kürbiswaffeln. Ein weiteres Drittel wird laut dem Organisator verkauft und dabei klar nach Zier- und Speisekürbis getrennt. Doch auch die eigentlich essbaren Halloweenkürbisse verwendeten die meisten Menschen zum Schnitzen von Kürbisgeistern: „Ob sie sich daheim aus den Resten eine Suppe kochen, wissen wir nicht.“ Das letzte Drittel Kürbisse wird zunächst zu Figuren und weiterer Dekoration.

Auch in diesem Jahr können am Tag nach der Ausstellung, dem 5. Dezember, wieder Gruppen wie Vereine oder Schulen kostenlos Kürbisse abholen. Das Angebot gilt laut Stefan Hinner nicht für Privatpersonen, um einen Ansturm von Autos auf das Blühende Barock zu vermeiden. Ab November kaufe man kaum noch Kürbisse nach, sondern verkaufe auch die zur Deko auf dem Boden oder den Rampen verwendeten Speisekürbisse. Weitere werden zu Chutney und Marmelade verarbeitet, die dann im kommenden Jahr zum Verkauf stehen sollen. „Somit verwenden wir, was möglich ist“, fasst der Organisator zusammen.

Einige Kürbisse landen auf dem Acker

Kommt der Rest in die Tonne? „Nein“, sagt Stefan Hinner, „eine kleine Menge wird am Ende auf den Feldern entsorgt, um den Boden zu düngen.“ Doch müsste der Fokus etwa angesichts der erwähnten Flächenknappheit nicht noch mehr auf dem Lebensmittel und weniger auf der Deko liegen? Laut Stefan Hinner hat sich hier seit der ersten Kürbisausstellung im Jahr 2000 schon einiges getan. Damals hätten Zierkürbisse rund 90 Prozent und Speisekürbisse nur zehn Prozent der Gesamtmenge ausgemacht – inzwischen sei das Verhältnis mehr als umgekehrt. Man wolle nicht nur Besucher beglücken, sondern auch dazu beitragen, dass mehr Menschen Kürbisse essen.

Angesichts von Wasser- und Energieknappheit will der Kürbisexperte für die Pflanze „eine Lanze brechen“. Da sie aus wärmeren Regionen um Mittelamerika stamme, überlebe sie bei Hitze mit wenig Wasser. Allerdings hänge die Fruchtgröße von der Wassermenge ab. Sorten wie Grüner Hokkaido oder Butternut lassen sich laut Stefan Hinner ohne Kühlschrank – und damit ohne zusätzlichen Energiebedarf – ein Jahr lagern. Nur vor Frost müssen sie geschützt sein.