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Wilde Graffiti weichen Kunstprojekt

Kinder und Jugendliche verzieren ehemalige Obsterfassungshalle an der Umgehungsstraße – Tag der offenen Tür am Samstag

Michael Kaufmann (links) erhält für das Graffitiprojekt an der Obsterfassungshalle einen Gutschein von Bürgermeister Torsten Bartzsch.Foto: privat
Michael Kaufmann (links) erhält für das Graffitiprojekt an der Obsterfassungshalle einen Gutschein von Bürgermeister Torsten Bartzsch. Foto: privat

Murr. Bunte Blätter flattern durch die Lüfte, als Bürgermeister Torsten Bartzsch den Umschlag mit dem Geschenkgutschein als Dank an Michael Kaufmann übergibt. Dieser hat nach Angaben des Murrer Jugendhauses den Sommer über ein großes Projekt gestemmt: Es galt, die ehemalige Obsterfassungshalle in Sichtweite der Umgehungsstraße zu verschönern.

Zwei FSJler bringen ihre Erfahrung ein

Bereits im August vergangenen Jahres hatte der Bürgermeister demnach das Jugendhausteam gefragt, ob es an diesem „Schandfleck die wilden Graffiti durch künstlerische Graffiti“ ersetzen könne. Da habe es sich gut getroffen, dass Michael Kaufmann, der dann im September sein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Jugendhaus begann, bereits erste Erfahrungen in Graffitikunst gesammelt hatte. Ein Freund von ihm, Thibaut Gousset, der bei der Jugendbauhütte Baden-Württemberg ein FSJ machte, hatte laut Jugendhaus noch mehr Erfahrung. Er habe sich gefreut, legal sprayen zu dürfen. Gemeinsam mit Kindern, Jugendlichen und Sozialstündlerinnen des Jugendhauses Murr krempelten die beiden FSJler die Ärmel hoch, um die Halle zu verschönern. Kurz vorher strich der Bauhof Murr noch drei Wände weiß, und es konnte losgehen.

„Ab Juni hörte man dort ständig chillige Musik, junge Stimmen und das metallische Klickern der Spraydosen“, berichtet das Jugendhausteam weiter. „Man roch den penetranten Lack und den Duft des Sommers und sah entspannte Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene beim Bemalen der alten Obsthalle.“ Der Bauhof stellte ein Gerüst zur Verfügung und der in der Halle beheimatete Verein eine Biergarnitur, an der pausiert, gevespert und diskutiert wurde. Gespräche über Schule und Ausbildung und auch über die Motive für die Wände fanden statt. Jüngere wurden angeleitet, wie sie mit Maske und Handschuhen den Sprühkopf der Spraydose drücken, damit das Ergebnis ungefähr so aussieht wie auf den Entwürfen.

Entstanden ist laut Jugendhaus ein wahres Kunstwerk. Michael Kaufmann sei begeistert, dass durch sein Projekt einige Kinder und Jugendliche „ihre Leidenschaft an der Kunst gefunden haben“. So sei zum Beispiel ein 14-Jähriger überrascht gewesen, wie viel Kreativität in ihm steckte. Und ein 17-Jähriger, der das Kunst-Gymnasium enttäuscht wieder verlassen hatte, habe seine künstlerische Ader und Freude am kreativen Gestalten wiedergefunden.

Zwei große Gemälde an zwei Wänden sind entstanden. Die dritte Wand diente den Jüngeren zum Üben und wird demnächst vom Jugendhaus wieder weiß überstrichen. Bürgermeister Torsten Bartzsch hofft, dass diese „so schön gestalteten Wände lange Bestand haben“ und nicht wieder verschandelt werden. Graffitikünstler Thibaut Gousset ist sich sicher, dass dies nicht geschehen wird, denn es sei „ein ungeschriebenes Gesetz unter Sprayern, dass es sich nicht gehört, über Werke anderer drüberzusprühen“. (red)

INFO: Am Samstag, 9. Oktober, findet von 14 bis 18 Uhr ein Tag der offenen Tür im und ums neue Jugendhaus am Hermannsplatz in Murr statt. Es gibt Führungen, Bewirtung und ein Bühnenprogramm unter Mitwirkung von Murrer Vereinen und Organisationen.