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Wildpflanzen für den Klimaschutz

Summen statt Brummen: Zahlreiche Kommunen haben in den vergangenen fünf Jahren Blühoasen in Asphaltwüsten geschaffen. Der Abschluss der ersten Projektrunde „Natur nah dran“ von Nabu und Umweltministerium ist jetzt in Kornwestheim gefeiert worden.

Farbtupfer vor Beton: Die Kreiskommunen Kornwestheim, Ludwigsburg, Vaihingen, Marbach und Eberdingen haben in den vergangenen fünf Jahren versucht, triste Flächen aufzuwerten. Fotos: Holm Wolschendorf
Farbtupfer vor Beton: Die Kreiskommunen Kornwestheim, Ludwigsburg, Vaihingen, Marbach und Eberdingen haben in den vergangenen fünf Jahren versucht, triste Flächen aufzuwerten. Foto: Holm Wolschendorf
In Kornwestheim kündigt Umweltministerin Thekla Walker am Donnerstag an, dass „Natur nah dran“ in eine zweite Runde gehen wird.
In Kornwestheim kündigt Umweltministerin Thekla Walker am Donnerstag an, dass „Natur nah dran“ in eine zweite Runde gehen wird.

Kornwestheim. Wild ist das neue Schönheitsideal. Heimische Kräuter und Stauden, die nicht akribisch in Form gehalten werden, decken Insekten und Vögeln den Tisch. Die Straßenränder, Verkehrsinseln und Kreisverkehre erblühen in Vielfalt. Wiesen dürfen wieder wachsen, statt englisch zurechtgestutzt zu werden. Das ist auch mitten im Klimawandel deutlich robuster. 61 ausgewählte Kommunen, darunter fünf aus dem Landkreis Ludwigsburg, haben sich an dem Projekt beteiligt und 200000 Quadratmeter Fläche biodivers umgestaltet. Das entspricht fast 30 Fußballfeldern. Neben Kornwestheim beteiligten sich Ludwigsburg, Vaihingen, Marbach, Eberdingen daran.

Vor drei Jahren wurde der Gastgeber der Veranstaltung, Kornwestheim, in das Programm aufgenommen. „Fünf triste Flächen wurden in blühende Landschaften verwandelt“, sagt der Erste Bürgermeister Daniel Güthler. Dies habe das ohnehin hohe ökologische Niveau der Stadt auf ein weiteres Level gehoben. Die finanzielle Förderung durch das Land habe wichtige Impulse geliefert. Zwei weitere Flächen würden im Herbst umgestaltet, es gebe außerdem Wildbienenprojekte in zwei Kitas. Die Resonanz in der Bevölkerung sei riesig. Die Anlagen würden respektiert und geschont. Niemand störe sich daran, dass auch einmal dürre Stängel stehen blieben. Im Gegenteil: Güthler beobachtet eine gewisse Strahlkraft der Aktion hinein in private Gärten, in denen es mittlerweile auch Ecken gäbe, die nicht 100-prozentig aufgeräumt sind.

Im Kornwestheimer Salamanderpark wachsen Purpur-Leinkraut, Steppen-Salbei, Rapunzel-Glockenblume und viele weitere Wildpflanzenarten. Bei einem Rundgang mit Umweltministerin Thekla Walker (Grüne) neben dem Kulturtempel „K“ wird beispielhaft deutlich, dass die Städte und Gemeinden einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt leisten können und wollen. Fast jede vierte Kommune im Land hat sich seit 2015 für eine naturnahe Umgestaltung von Grünflächen im Rahmen des Projekts beworben, das Interesse ist weiter groß.

„Die Perspektive hat sich grundlegend geändert“, betonte die Umweltministerin, die gemeinsam mit Vertretern aus den 60 weiteren „Natur nah dran“-Kommunen zur Abschlussfeier der ersten Projektrunde ins „K“ nach Kornwestheim gekommen war. Es sei in den Köpfen angekommen, dass biologische Vielfalt so wichtig sei wie Klimaschutz. Gerade in den Städten und Gemeinden würde enormes Potenzial für Biodiversität schlummern. „Mehr als in landwirtschaftlichen Flächen“, so die Politikerin, die für die Grünen im Landtag sitzt. Umso wichtiger sei Biodiversität entlang der Straßen, zwischen und auf den Häusern.

Ähnlich wie bei den Äckern könnten noch unendlich viele Straßenränder und Verkehrsinseln insektengerecht gestaltet werden und auch Hauseigentümer zum Mitmachen animieren. „Städte und Gemeinden haben Vorbildcharakter und sorgen dafür, kleine Paradiese für Blütenbesucher und für das menschliche Auge zu schaffen“, sagte Walker. Aus vielen kleinen Mosaiksteinen könnte schließlich auch ein großes Bild werden.

Wichtig sei jetzt, so die Ministerin, dass die beteiligten Kommunen sich austauschen, um voneinander zu lernen. Davon könnten auch künftige Städte und Gemeinden profitieren. Denn, das kündigte Walker an, das Programm wird bis 2027 fortgeführt. Die Bewerbungsfrist laufe ab September. 75 weitere Kommunen kommen zum Zug. Die Fördersumme liege jeweils bei maximal 15000 Euro. „Alleine diese neue Sichtbarkeit schafft Mehrwert und ist wirksame Öffentlichkeitsarbeit“, betonte Susanne Nusser vom baden-württembergischen Städtetag und sprach ebenfalls den Vorbildcharakter der Aktion an. Sie sei Vorreiter, Lebensräume für Fauna und Flora neu zu entdecken.

„Praxisnahe Schulungen sind der Schlüssel zum Erfolg“, sagte der Nabu-Landesgeschäftsführer Uwe Prietzel. Das habe dazu beigetragen, dass die Kommunen viel mehr Flächen nach der „Natur nah dran“-Methode umgemodelt hätten. Bei diesen Schulungen bekommen die Mitarbeitenden der kommunalen Bauhöfe an mehreren Terminen kompetenten Besuch, um gemeinsam und beispielhaft Flächen naturnah anzulegen und zu pflegen. Dabei gibt es Tipps und Beratung von Naturgartenplanern sowie dem Nabu-Team. Dieses Wissen wird direkt auf den Flächen der Heimatkommune umgesetzt. Die Reaktionen bei den Städten und Gemeinden sind durchweg positiv. Fast alle bekennen sich hinterher als „künftige Wiederholungstäter“.

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