Logo

Wirte und Gäste zieht es ins Freie

Die Gastronomen am Markgröninger Marktplatz müssen anders als in Ludwigsburg ihre Außenterrassen schon um 22 Uhr schließen. Das tut vor allem nach der Corona-Zwangspause weh. Einige richten jetzt einen Hilferuf an die Behörden.

Markgröninger Marktplatz: Häuser wie die Herrenküferei (rechts) wünschen sich, ihre Gäste auch abends länger im Freien bewirten zu können. Foto: R. Theiss
Markgröninger Marktplatz: Häuser wie die Herrenküferei (rechts) wünschen sich, ihre Gäste auch abends länger im Freien bewirten zu können. Foto: R. Theiss

Markgröningen. Sebastian Maier, der Patron des Markgröninger Gourmettempels Herrenküferei, serviert in diesen Tagen Caruru auf dem Marktplatz, den brasilianischen Garneleneintopf oder Galinhada, das geschmorte Hühnchen Pollo fino. Dazu reicht er eine frische Caipirinha. Die Herrenküferei, mehr als 600 Jahre alt, hat sich auf eine kulinarische Weltreise begeben, um den Daheimgebliebenen in der Coronazeit den Alltag zu versüßen. Nächste Woche geht es dann nach Österreich. „Dieser fantastische Sommer hilft uns nach dem Lockdown enorm“, sagt Maier.

Er beobachtet, wie die Gäste an den milden Abenden bei ihm hocken bleiben, statt nach Hause zu gehen und noch ein Fläschchen Wein bestellen. Die Herrenküferei ist da keine Ausnahme am Marktplatz. Auch die anderen Gastronomen sorgen hier für Leben – „mehr als je zuvor“, wie der Markgröninger Bürgermeister Rudolf Kürner unserer Zeitung sagt. Doch um 22 Uhr ist für alle Schluss. So verlangt es eine Regelung, die vor Jahren erlassen wurde, um dem Ruhebedürfnis der Anwohner Rechnung zu tragen.

Gastronomen wie Maier versuchen nun, die Sperrzeit um eine Stunde zu verkürzen – und sie erst um 23 Uhr beginnen zu lassen. Sie erhoffen sich davon auch, die pandemiebedingte Umsatzlücke zu schließen. „Von mir aus könnten wir bis 24 Uhr öffnen“, sagt er. So wie es seine Kollegen in Ludwigsburg im Sommer in der City längst dürfen. In Besigheim einigte sich die Kommunalpolitik nach langen Debatten auf einen anderen Kompromiss: Bewirtung im Freien bis 22.30 Uhr gestattet, auch wenn das längst nicht allen weit genug geht. Denn Corona hat auch bewirkt, dass Innenräume nicht der Renner sind.

Der Patron Maier hat nun einen Brief mit der Bitte um unbürokratische Hilfe an den Markgröninger Bürgermeister geschrieben und Kontakt mit dem Landratsamt aufgenommen. Das müsste das Vorhaben genehmigen. „Ich bin mit dem Wunsch nach Verkürzung der Sperrzeit nicht alleine“, versichert er gegenüber unserer Zeitung.

Doch die Umsetzung gestaltet sich offenbar schwierig. Das Landratsamt will sich wohl bis zu sechs Wochen Zeit nehmen, um Stellungnahmen einzuholen. Dann wäre die Sommersaison für die Gastronomen aber gelaufen. Der Bürgermeister betont, dass „wir den Gastwirten schon entgegengekommen sind. Wir haben ihre Situation genau im Blick“. Die Außenflächen auf dem Marktplatz seien den Gastronomen kostenlos überlassen worden. Der Herrenküferei habe das Rathaus in Absprache mit dem Landratsamt bis zum 15. September erlaubt, einen Foodtruck aufzustellen. „Letztendlich sind wir aber auch den Anwohnern verpflichtet“, so der Bürgermeister.

Er berichtet von einer Beschwerde und einer Meldung der Polizei, wonach ein Wirt seine Gäste an einem Wochenende bis um 1.30 Uhr in der Nacht bedient habe. Daraufhin schrieb die Leiterin des Fachgebiets Bürgerdienste mit Kürners Zustimmung die Gastwirte an und verwies auf die grundsätzliche Sperrstunde um 22 Uhr – mit einer Antragsmöglichkeit für die Verkürzung. „In der Praxis sind wir großzügig“, sagt Kürner. Das gelte ausdrücklich auch für die Bewirtungszeiten im Freien.

Ihm ist nach eigenen Angaben klar, dass die Gastronomen auf Umsätze angewiesen sind – zumal in diesen Tagen das Internationale Musikfest und vor allem der Schäferlauf ausfallen müssen. „Es gibt bei uns auch deshalb keinen einzigen Fall, wo die Verwaltung den Marktplatz leergeräumt hätte.“ Ausdrücklich lobt er zudem die Anwohner am Marktplatz für ihr Verhalten. Sie würden Verständnis für die Gastwirte zeigen.

Und der Herrenküferei-Chef Maier? Die Hoffnung, noch in dieser Außensaison abends offiziell länger im Freien bewirten zu können, habe er nicht aufgegeben. Maier sagt: „Ich bin Optimist, kein Pessimist.“

Autor: