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„Wo bleibt der Naturschutz für bedrohte Tiere?“

Ausgetrocknete Teiche werden zunehmend zum Problem – Immer weniger Niederschläge aufgrund des Klimawandels

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Ingersheim. Quakende Frösche in den Teichen im Bereich des Ried-, Schöll- und Schlangenbaches, das war einmal. Diesen Sommer blieb es stumm, die Teiche waren ausgetrocknet und zugewachsen. Darüber ärgert sich LKZ-Leser Manfred Schulz aus Benningen und fordert rasches Handeln.

„Wo bleibt da der Naturschutz für bedrohte Tiere?“, fragt er und spricht gleichzeitig die Hoffnung aus, dass die Teiche wieder so hergerichtet und mit Wasser gefüllt werden, dass sie von Fröschen und sonstigen Amphibien angenommen werden können. Unsere Zeitung hat nun nachgehakt. „Der trockene Sommer ist schuld“, sagt Harald Schnabel von der Ingersheimer Gemeindeverwaltung. Das von ihm genannte Problem: Die Bachläufe haben deutlich weniger Wasser geführt und so kam in den Teichen auch zu wenig an. Was im Bereich Schöll- und Riedbach einst als ökologische Ausgleichsfläche für das Baugebiet BrühlII angelegt worden war, verlandet immer mehr. Ein Phänomen, das dem Landratsamt Ludwigsburg nicht unbekannt ist und das die Kreisbehörde auf den Klimawandel zurückführt. So würden grundwasserabhängige Biotope zunehmend austrocknen, heißt es aus dem Kreishaus. Was hier passiert, zeigt eine Grafik zu Jahresniederschlag und Grundwasserneubildung von 1951 bis 2019 im Landkreis Ludwigsburg. Der eindeutige Trend seit 2003: Weniger Niederschläge und geringere Grundwasserneubildung. Lokal könne gegen das zeitweise Austrocknen von Biotopen scheinbar nur eingeschränkt agiert werden. Trotzdem würden sich Kommunen sowie Forst- und Naturschutzverwaltung engagieren, um neue Amphibien-Laichgewässer an dafür geeigneten Stellen anzulegen oder das systematische Entschlammen von vorhandenen sowie stark verlandeten Tümpeln zu fördern. „Der Kreistag hat 2015 ein integriertes Kreisklimaschutzkonzept mit 88 Maßnahmen beschlossen, das sich seit drei Jahren in der Umsetzung befindet und zum Ziel hat, den Landkreis Ludwigsburg bis zum Jahr 2050 klimaneutral zu gestalten. Neben den Aktivitäten zum Klimaschutz sind auch Maßnahmen zur Anpassung an die unvermeidbaren Folgen des Klimawandels notwendig“, heißt es in der Stellungnahme des Landratsamtes.

In Ingersheim kümmert sich laut Harald Schnabel der Bauhof um die Biotop-Sorgenkinder, zweimal im Jahr wird hier gemäht, mehr dürfe auch nicht sein. Renaturierung heiße eben auch, dass die Natur sich weitgehend selbst überlassen bleibe. „Es ist in diesem Sommer nicht viel Wasser gelaufen“, bestätigt auch die Vorsitzende des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz)-Ortsverbandes und WIR-Gemeinderätin Karin Zimmer. Sie fordert, dass das vor einem Jahr im Gemeinderat vorgestellte Biotopvernetzungskonzept, das auch die Erhaltung und Entwicklung von Still- und Fließgewässern als Lebensraum für Amphibien aller Art vorsieht, nun auch Realität wird. Doch Zimmer macht sich nichts vor: Wo kein Wasser fließe, könne auch kein Biotop langfristig bestehen. Sie zeigt sich aber zuversichtlich, dass die Frösche wiederkommen – wenn es denn mal wieder mehr regnet. „Die Folgen des trockenen Sommers erleben wir auch im Wald und auf dem Friedhof, Bäume sterben ab“, berichtet Harald Schnabel von der Verwaltung. Er schildert auch den Konflikt in einem Trockensommer wie dem letzten. Das Bewässern sei dann nur auf landwirtschaftlichen Feldern erlaubt – um die Ernährung zu sichern.

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