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Wohnungslos und Wohnungsnot

„Wohnungsnot ist ein Megathema in der Stadtpolitik“, sagte Erster Bürgermeister Konrad Seigfried. Auch seien es überwiegend Frauen, die mit Wohnungssorgen zu ihm kämen. Zu wenig Platz in der Stadt – dieses Problem wurde beim politischen Frauenfrühstück immer wieder angesprochen. Anlässlich des Weltfrauentags hatte die Arbeiterwohlfahrt Ortsverein Ludwigsburg (AWO) dazu eingeladen. Um die 20 Frauen waren gekommen, um mit Stadträtinnen und AWO-Vertreterinnen über Obdachlosigkeit zu diskutieren.

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Diskussion im Ludwigsburger AWO-Pflegezentrum Hans-Klenk-Haus über Wohnungsnot und Obdachlosigkeit, von links: Laura Wiedmann (Grüne), Erster Bürgermeister Konrad Seigfried, Gisela Steinhilber (ehemalige Geschäftsführerin AWO Reutlingen), Margit Liepins (Fraktionsvorsitzende SPD), Gabriele Moersch (Freie Wähler), Dr. Uschi Traub (CDU), Anna Hoeffler (Beauftragte für Chancengleichheit) und Meike Günter (AWO). Foto: Foto: AWO
Ludwigsburg. „Was bedeutet überhaupt wohnen“, führte Meike Günter von der AWO in die Thematik ein und erklärte, dass eine Wohnfläche mindestens 23 Quadratmeter betragen müsse. Wohnen sei nicht nur Grundbedürfnis, sondern gehöre zum Existenzminimum. Wohnungslosigkeit bedeute, dass ein ungesichertes Wohnverhältnis bestehe – ob man sich in einer Notaufnahme aufhalte, auf dem Sofa bei Bekannten schlafe oder eine Unterkunft aufsuche, die man jederzeit verlieren könnte, erklärte Gisela Steinhilber, ehemalige Geschäftsführerin der AWO Reutlingen. Auf 10,5 Millionen Einwohner in Baden-Württemberg kämen 30 000 obdachlose Menschen, davon seien drei Viertel Männer. Jedoch nehme der Anteil der Frauen zu, so Steinhilber. Das sei auch in Ludwigsburg so, fügte Kerstin Stilp von der Wohnungslosenhilfe Ludwigsburg hinzu. Unter den 150 längerfristig Betreuten seien 21 Frauen. Warum Menschen wohnungslos werden, habe viele Ursachen, so Steinhilber. „Es sind komplexe Problembündelungen.“

Der Mangel ist akut

Auch die Stadträtinnen sprachen den Mangel an Wohnraum an. „Das Thema ist wichtig, weil die Wohnungsnot groß ist“, sagte Grünen-Stadträtin Laura Wiedmann. „Ich habe immer wieder Kontakt zu Frauen, die in schwierigen Situationen leben“, sagte Gabriele Moersch (Freie Wähler). Durch die Wohnungsnot sei es noch schwieriger, dass diese Leute eine Bleibe fänden.

„Der Wohnungsmangel ist akut“, sagte SPD-Fraktionsvorsitzende Margit Liepins. Flüchtlinge, kinderreiche Familien und Obdachlose hätten auf dem Wohnungsmarkt keine Chance. „Wir müssen umdenken“, appellierte Liepins. Ein verdichteter Wohnbau sei wichtig, ohne jedoch Brennpunkte zu schaffen.

„Was mich als Ärztin bewegt, ist, dass 80 bis 90 Prozent der Obdachlosen behandlungsbedürftig sind“, führte CDU-Stadträtin Uschi Traub einen weiteren Aspekt an. Auch sei die Sterberate hoch. Ein Viertel der Betroffenen sterbe in Unterkünften. „Man muss die medizinische Versorgung dort hinbringen“, forderte Traub.

In der Diskussionsrunde gab es einige Wortmeldungen. Eine Zuhörerin sprach die Not auf dem Wohnungsmarkt an. Es sei schwer, als Betroffene etwas zu finden. Dabei stünden viele Wohnungen leer und oft hätten Vermieter keine Lust, ihre Räume zu vermieten, nachdem ein Messie darin gehaust habe, so eine andere Teilnehmerin. Um dem entgegenzuwirken, gebe es in Reutlingen das Konzept Wohnungsloten, sagte Gisela Steinhilber. Ehrenamtliche zeigen dabei jungen Obdachlosen, wie Wohnen geht. Betroffene seien in diesem Fall die Leidtragenden, weil ihnen ihr Umfeld nie beigebracht hätte, wie Wohnen eigentlich funktioniert.