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Urbanes Gärtnern

Zucchini mit einer Prise Feinstaub?

Das Gemüse von der Sternkreuzung kommt auf den Tisch – Laut einer Studie kann es ohne Bedenken gegessen werden

Mitarbeiter des Museums präsentieren das frisch geerntete Gemüse. Knapp 100 Salatköpfe wurden geerntet.Fotos: Holm Wolschendorf
Mitarbeiter des Museums präsentieren das frisch geerntete Gemüse. Knapp 100 Salatköpfe wurden geerntet. Foto: Holm Wolschendorf
Koch Pavlos Papadopoulos bereitet die gebratenen Zucchinistreifen für den Salat vor.
Koch Pavlos Papadopoulos bereitet die gebratenen Zucchinistreifen für den Salat vor.

Ludwigsburg. In einem strahlenden Gelb liegen die Zucchini-Stücke auf den Salatblättern. Auf einem anderen Teller schwimmen Kohlrabi-Streifen in einer Curry-Sahne-Soße. Es ist dem Gemüse nicht anzusehen, dass es wenige Stunden zuvor noch direkt neben einer der meistbefahrenen Straßen der Stadt wuchs. Wie bereits berichtet, wurde auf der Verkehrsinsel an der Sternenkreuzung, rund um das Mikrohofhaus, in den vergangenen Wochen Gemüse angebaut. Begleitend zur Ausstellung „Eine Stadt isst“ wachsen auf der Verkehrsinsel Salat, Kräuter, essbare Blumen und verschiedene Gemüsearten. Gestern haben das Ludwigsburg Museum und das Café im MIK eingeladen, einen Teil des Gemüses zu verspeisen. „Wir haben erst ein Viertel geerntet, denn vieles ist noch nicht reif“, sagt Alke Hollwedel, die Leiterin des Museums.

Sind Schadstoffe am Gemüse?

Klaudia Poptsis, die Chefin des Cafés im MIK, hat sich mit ihrem Team verschiedene Gerichte einfallen lassen. Um 10 Uhr wurden ihnen Zucchini, Kohlrabi und Salat geliefert, dann ging es ans Waschen, denn Dreck und kleine Tierchen mussten abgewaschen werden. Danach überlegten sie sich Gerichte: Kohlrabisuppe, Salat mit gebratenen Zucchini und Kohlrabistreifen mit Curry-Sahne-Soße standen auf der Tageskarte. „Natürlich wurde das Gemüse mit anderen Zutaten serviert“, sagt Hollwedel. Allerdings stammt der Großteil der verwendeten Zutaten von der Kreuzung nur wenige Meter vom Museum entfernt. „Es ist total cool, etwas zu essen, was wirklich von hier ist“, sagt eine junge Ludwigsburgerin, während sie ihren Salat mit Zucchini isst. Als „maximal regional“ beschreibt ihre Kollegin das Mittagessen.

„Ich hab mir ehrlich gesagt schon Gedanken wegen der Schadstoffe gemacht“, gibt eine der wenigen Besucherinnen zu. Immerhin weiß jeder in Ludwigsburg, wie viele Autos täglich auf der B.27 – und damit direkt am Gemüse vorbei – fahren. „Aber ich esse ja auch Filderkraut“, sagt sie in Anspielung auf den Spitzkohl, der in der Nähe des Stuttgarter Flughafens wächst. Der Meinung ist auch Alke Hollwedel. „Man wäscht alles Schädliche ab, so wie bei jedem Gemüse“, sagt sie. Im Vorfeld habe eine Studie der Universität Hohenheim belegt, dass es unbedenklich ist, das Gemüse zu essen.

Auch das Tierheim bekommt Salat

Die Studie sei von der Stadt in Auftrag gegeben worden, sagen zwei Mitarbeiter des Fachbereichs Grünpflege, die sich den Salat, den sie selbst angepflanzt haben, schmecken lassen. Und zwar schon 2014, als das erste Mal Gemüse auf der Sternkreuzung gepflanzt wurde. Damals wurde das Gemüse der LudwigsTafel gespendet, wo auch jetzt ein Teil der Ernte hinkommt. Außerdem haben die Mitarbeiter der Stadt geschossenen Salat zum Ludwigsburger Tierheim gebracht. „Die haben sich wahnsinnig gefreut“, sagt der Stadtgärtner.

Ingeborg Kölitz-Koch hat in der Zeitung von der Möglichkeit gelesen, das Gemüse von der Sternkreuzung zu probieren. „Es stand ja dabei, dass die Uni Hohenheim das kontrolliert hat“, sagt die Ludwigsburgerin. Deshalb habe sie keine Bedenken, das Gemüse zu essen. An vielen Steillagen führe auch eine stark befahrene Straße vorbei. „Und den Wein trinke ich ja auch“, so Kölitz-Koch.

Die Idee, urbanes Gärtnern mehr in das Bewusstsein der Bürger zu bringen, findet sie gut. Sie ist der Meinung, dass an viel mehr Stellen in der Stadt Gemüse angebaut werden könnte, das dann verwertet wird. „Es muss ja nicht unbedingt an so einer großen Kreuzung sein.“ Außerdem sei die Aktion auch eine gute Anregung für die Ludwigsburger, was im eigenen Garten angebaut werden kann. Vor allem Steingärten sollten in Wiesen oder Gemüsebeete umgewandelt werden, sagt Ingeborg Kölitz-Koch.

Das ist auch laut Alke Hollwedel die Idee hinter der Aktion: Passanten darauf aufmerksam zu machen, dass man auf kleinstem Raum Gemüse pflanzen kann. Artischocken, Rotkohl, Fenchel und Mangold wachsen weiterhin auf der Verkehrsinsel, bis sie geerntet werden können. Die Mitarbeiter des Fachbereichs Grünpflege werden außerdem noch einmal Salat anpflanzen. „Sonst sieht es auf der Verkehrsinsel so leer aus“, sagen sie.

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