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Zwei, die mehr als nur die Adresse teilten

Christoph Fritsche und Ronny Stein wohnen in Berlin jahrelang im gleichen Hochhaus. Dann stellen sie fest, dass sie Halbbrüder sind. Heute lebt Fritsche in Gerlingen – und am kommenden Montag sind die beiden bei „Das Quiz“ mit Jörg Pilawa zu sehen.

Unglaublich, aber wahr: Ronny Stein und Christoph Fritsche (rechts) leben jahrelang Tür an Tür, als die beiden feststellen, dass sie Halbbrüder sind. Das Foto zeigt ihren Auftritt in der Sendung „Das Quiz“ mit Jörg Pilawa, die am Montag ausgestrahlt
Unglaublich, aber wahr: Ronny Stein und Christoph Fritsche (rechts) leben jahrelang Tür an Tür, als die beiden feststellen, dass sie Halbbrüder sind. Das Foto zeigt ihren Auftritt in der Sendung „Das Quiz“ mit Jörg Pilawa, die am Montag ausgestrahlt wird. Foto: NDR (p)

Gerlingen. „Kaum zu glauben!“ ist eine Rateshow, die im NDR-Fernsehen ausgestrahlt und von Kai Pflaume moderiert wird. In der Sendung muss ein vierköpfiges Team, dem auch der Quizmaster Jörg Pilawa angehört, die Geheimnisse eines Gastes herausfinden. „Kaum zu glauben!“ war die folgerichtige Plattform für Christoph Fritsche, 39, der vor zwei Jahren aus Berlin nach Gerlingen zog.

Vor seinem Umzug in den Südwesten wohnte Fritsche im fünften Stock eines Hochhauses im Ostberliner Stadtteil Friedrichshain. Die XXL-Immobilie bot Platz für etwa 180 Parteien. Trotzdem traf Fritsche im Aufzug, im Treppenhaus oder am Briefkasten regelmäßig seinen Nachbarn aus dem 18. Stock: Ronny Stein, der dort mit seiner Frau und Tochter wohnte. Die beiden Männer waren sich auf Anhieb sympathisch. Sie hielten Smalltalk oder plauderten im Späti, dieser Institution, die Berliner Nachteulen aufsuchen, wenn sie eine Stärkung brauchen: Kippen und Bier.

Sie verabredeten sich in einer Bar. „Ronny kam gefühlt zwei Stunden zu spät“, sagt Fritsche. Sie stellten fest, dass sie aus der gleichen Gegend stammen: Rostock in Mecklenburg-Vorpommern. Ronny erzählte, dass er vier Geschwister habe, das fünfte sei kurz nach der Geburt zur Adoption freigegeben worden – wie Christoph. Dann fiel der Name der Mutter, der bei beiden gleich ist. „Ronny wurde ganz blass“, sagt Christoph Fritsche. Die beiden Halbbrüder bestellten sich an diesem Abend Schnaps und Bier. Ronny Stein rief um halb zwei in der Nacht seine Frau an und teilte mit ihr die Neuigkeit. „Da ist ein inneres Band zwischen uns“, sagt Fritsche, „das kann man nicht erfassen oder mit Worten beschreiben.“

Fritsche und Stein haben ihre Geschichte bei „Kaum zu glauben!“ und bei ein oder zwei weiteren Talkshows erzählt. Am kommenden Montag werden sie das nun auf Einladung der Produktionsfirma in der ARD bei „Das Quiz“ tun. Ihr Gastgeber: Jörg Pilawa. Die Sendung ist bereits im November in Köln aufgezeichnet worden. „Pilawa hat uns gleich wiedererkannt“, sagt Fritsche. „Er hat sich Zeit für uns genommen. Ein netter und lockerer Typ.“

In der Show treten immer Duos auf, der Vater mit dem Sohn, der Lehrer mit dem Schüler, die Chefin und ihr Sekretär – oder eben Halbbrüder wie Fritsche und Stein. Nach einem Jahrzehnt Sendepause ist die Show zurück. „Es gibt keine andere Sendung, auf die ich bis heute, zehn Jahre nach der letzten Folge, immer noch so häufig angesprochen werde“, sagt der Moderator. Zu Spitzenzeiten schalteten bis zu sechs Millionen Menschen ein.

Die Halbbrüder reisten im November mit geringen Erwartungen zur Aufzeichnung der Show. „Man hofft bei solchen Formaten ja immer, nicht kläglich zu versagen“, sagt Fritsche schmunzelnd. „Das ist uns nicht passiert.“ Mehr darf der 39-Jährige nicht verraten.

Er beschreibt sich als wissbegierig. „Ich mag keinen Stillstand. Ich will mich immer weiterentwickeln.“ In jungen Jahren beginnt Fritsche eine Ausbildung als Koch. Er geht zur Bundeswehr, wo er es bis zum Stabsunteroffizier bringt. Dann bewirbt er sich bei der Berliner Polizei, wo er im Streifendienst arbeitet. Von dort geht es zum Landesamt für Verfassungsschutz – und vor zwei Jahren nach Gerlingen. In der Nachbarschaft arbeitet er als Sicherheitsbeauftragter für eine Weltfirma, deren Namen er nicht in der Zeitung lesen will. Sie bietet Werkzeugmaschinen an. Berufsbegleitend versucht Fritsche gerade, seinen Meister für Schutz und Sicherheit zu machen. „Ich fühle mich wohl“, sagt er. „Als Rostocker fehlt mir manchmal das Meer.“

Die Wochenenden verbringt er meistens in Berlin, auch am Freitag hat sich Fritsche wieder in sein Auto gesetzt und ist in die Hauptstadt zu seiner Lebensgefährtin gefahren. Zu seinen vier Brüdern und der Schwester unterhält er nach eigenen Angaben guten Kontakt. „Wir schreiben uns, telefonieren und sehen uns regelmäßig“, sagt Fritsche.

Über seine Mutter, die er meistens „meine Erzeugerin“ nennt, sagt Fritsche, der in Kürze ins Schwabenalter kommt, von dem man ja sagt, dass die Geburtstagskinder dann vernünftig werden, dass sie keine besten Freunde mehr werden. „Ich hege aber auch keinen Groll.“ Bei seinen Adoptiveltern sei er geborgen aufgewachsen. „Warum mich meine Mutter zur Adoption freigegeben hat, behält sie für sich“, sagt der Neu-Gerlinger. „Vielleicht kommt irgendwann die Zeit, in der sie darüber sprechen will.“

Neu bei „Das Quiz“ ist jetzt die Wunschfrage: Jedes Kandidatenteam bringt einen persönlichen Wunsch mit, um den bei der ersten Frage gespielt wird. Wird die Wunschfrage richtig beantwortet, erfüllt ihn Pilawa und das Duo ist für das Spiel qualifiziert. Bei Christoph Fritsche und Ronny Stein ist es ein „Brudertag“ beim Wellness.

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