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Zweite Runde für die blauen Räder

Die Region Stuttgart fördert mit knapp 388000 Euro ein dichteres Netz von Regiorad, fast die Hälfte des Betrags geht in den Kreis. Damit gibt es sechs neue Standorte mit Leihfahrrädern und -Pedelecs – und eine neue Teilnehmerstadt.

Regiorad-Station am Ludwigsburger Bahnhof: Das Netz wird im Kreis jetzt weiter ausgebaut. Foto: Holm Wolschendorf
Regiorad-Station am Ludwigsburger Bahnhof: Das Netz wird im Kreis jetzt weiter ausgebaut. Foto: Holm Wolschendorf

Kreis Ludwigsburg. Wohl genau so hat man sich das beim Verband Region Stuttgart (VRS) vorgestellt, als man 2018 in ein Verleihsystem für Fahrräder eingestiegen ist in der Hoffnung, mehr Menschen weg vom Auto zu bekommen – und diese Initiative nicht nur mit steigenden Nutzerzahlen bestätigt sieht. Sondern auch mit immer mehr teilnehmenden Kommunen. Deshalb dürfte man auch die Nachrichten aus der Korntaler Gemeinderatssitzung am Donnerstag gern gehört haben: Als „eine große Chance“, „angemessene Investition“ und „idealer Beitrag, um mehr zum Klimaschutz beizutragen“ wurden da die Pläne bezeichnet, jüngstes Mitglied im Regiorad-Verbund aus über 40 Orten zu werden.

Der Beschluss – bis auf eine Enthaltung aus der CDU gab es nur Zustimmung – kostet zwar bis 2026 rund 149000 Euro. Doch leicht gemacht hat die Entscheidung sicher die tags zuvor vom VRS-Verkehrsausschuss genehmigte zweite Förderrunde des Programms „Zwei für eine“. Es soll ein engeres Netz von Stationen außerhalb der Landeshauptstadt schaffen – nachdem das Verleihsystem des früheren Anbieters Nextbike stotterte und erst mit dem Einstieg der Region und Zusammenführung mit dem Stuttgarter Angebot der Deutschen Bahn, die heute auch für Regiorad zuständig ist, besser ins Rollen kam.

Nun also werden Neuinstallationen mit 50 Prozent der Kosten für Bereitstellung und Betrieb kofinanziert, die für Tiefbauarbeiten, Stromanschlüsse oder Flächenvorbereitungen werden nicht berücksichtigt. Doch es gibt noch andere Fördertöpfe. Und im Fall von Korntal-Münchingen, das ab April eine Station am Bahnhof Münchingen und eine an der Kirche in Kallenberg bekommt, bedeutet das mit den 50000 Euro der Region (sowie 39000 Euro vom Bundesamt für Güterverkehr für eine dritte Station in Korntal) am Ende einen Eigenanteil von nur noch 60000 Euro. Nicht berücksichtigt ist dabei, dass ein Teil der Einnahmen an die Standortkommunen geht.

Die Stadt war eine von neun Antragstellern, die in der zweiten Förderrunde des VRS zum Zug kommt, möglich gemacht durch eine Aufstockung der Mittel aufgrund der Nachfrage. Ausgeschüttet mit dieser Entscheidung werden damit knapp 388000 Euro für 16 Stationen mit 28 Fahrrädern und 58 Pedelecs, nachdem es im Herbst schon einmal 300000 Euro gegeben hatte. Davon hatten im Kreis Bietigheim-Bissingen mit zwei Stationen und Ludwigsburg mit ebenso vielen profitiert.

Weil eine Konzentration von Fördermitteln vermieden werden soll, wäre die Barockstadt nun eigentlich nicht mehr zum Zuge gekommen, denn diesmal hatte das Landratsamt Zuschüsse für je eine Station am Kreishaus und eine am Schulzentrum Römerhügel beantragt (knapp 50000 Euro). Bei bedeutenden Standorten aber gibt es Ausnahmen. Fördergeld erhalten zudem Sachsenheim für eine Station im Gewerbegebiet Eichwald und Ditzingen für die Marktstraße (je knapp 25000 Euro).

Kosten als größte Hürde

Ditzingens Oberbürgermeister und SPD-Regionalrat Michael Makurath freut sich über die Förderzusage. Die beiden Standorte am Bahnhof Nord/Süd seien zwar relativ gut nachgefragt. Die neue Station in der Haupteinkaufsstraße aber soll das eigene Netz noch attraktiver machen und ebenso die Nachfrage aus anderen Orten stärken, denn nicht immer ist der Entleih- auch der Rückgabeort. Zwar liegen laut einer Auswertung der 719 Ausleihen im Jahr 2019 auf den Plätzen eins und zwei Routen wieder zurück zu einer der Stationen am Bahnhof. Vorne mit dabei sind aber auch Wegebeziehungen mit Gerlingen und dem S-Bahnhof in Weilimdorf. Ein enges Netz sei wichtig für die Attraktivität, so Makurath, das zeige das Beispiel Stuttgart – und da müsse man eben zunächst investieren.

Doch in der Region gibt es vor allem im eher ländlichen Raum Lücken. Erst vor kurzem hatte Eberdingen den Einstieg abgelehnt – der Mehrheit des Gemeinderats waren die Kosten (jährlich für zwei oder drei Stationen 8850 oder 12350 Euro) zu hoch, zudem gab es Zweifel, dass angesichts vieler privater Pedelecs die Nachfrage nach Leihrädern groß genug sei. Und der Gemeinderat von Oppenweiler (Rems-Murr-Kreis) versagte ebenfalls den Eigenanteil, obwohl der VRS schon den Zuschuss genehmigt hatte. Auch in Markgröningen und Tamm, die von den Regiorad-Verantwortlichen neben Eberdingen und Oberriexingen (dort steht eine Entscheidung noch aus) als weitere „Perspektivkommunen 2021“ im Kreis geführt wurden, sind die Kosten derzeit eine Hürde. Allerdings könnte man sich einen späteren Einstieg vorstellen, etwa, wenn die Stadtbahn in die Schäferlaufstadt fährt.

Bis dahin könnte es aber ohnehin noch mehr Regiorad-Stationen als bislang geben. Genehmigt und mit einer 80-prozentigen Förderzusage des Bundesamts für Güterverkehr versehen ist schon eine am Bahnhof Korntal nach größeren Umbaumaßnahmen dort. Und auch beim VRS heißt es, dass die Fördermittel noch 15 weitere Neuinstallationen ermöglichen. Und dass es weiterhin Zuschüsse geben wird, dürfte man wiederum in den interessierten Kommunen sicher gerne hören.

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