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Zweite Sieger werden noch Gewinner

Geschichte wiederholt sich doch: Wie vor fünf Jahren wird der Landkreis mit fünf Parlamentariern in Stuttgart vertreten sein. Drei Grüne holen das Direktmandat – und mit Konrad Epple und Tobias Vogt rücken zwei Konservative nach.

Mit Zweitmandaten ausgestattet: Die CDU-Politiker Konrad Epple...
Mit Zweitmandaten ausgestattet: Die CDU-Politiker Konrad Epple... Foto: Andreas Becker
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Kreis Ludwigsburg. Es ist kurz vor Mitternacht, als Konrad Epple am Wahlabend daheim in Ditzingen nach der Zweitauszählung endlich Klarheit hat. Dass es für den CDU-Abgeordneten nach zwei Legislaturperioden fünf weitere Jahre im Stuttgarter Landtag geben wird. Markus Rösler, sein grüner Konkurrent im Wahlkreis Vaihingen, hatte da längst das Direktmandat sicher und mit seinen Kollegen mit Sekt und Wein angestoßen sowie Beethovens neunter Sinfonie gelauscht: Freude schöner Götterfunken.

Am Morgen danach ordnet Epple seine 24,8 Prozent als „ordentliches Ergebnis“ ein, das immerhin leicht über dem Landesschnitt liegt. „Bei einer Wahl ist immer alles möglich“, sagt Epple, der kaum geschlafen hat. Das musste der 57 Jahre alte Ditzinger schon vor fünf Jahren erfahren, als er am Wahlabend ähnlich lange zittern musste, bis sein Einzug in den Landtag per Zweitmandat feststand. Unter den 14 CDU-Bewerbern, die im Regierungsbezirk Stuttgart zum Zug kommen, rangiert Epple auf Platz zehn. Und jetzt? „Werde ich Minister“, sagt der Ditzinger mit dem Faible für schräge Sprüche schmunzelnd, bevor er sich am Montagmittag nach Stuttgart zur konstituierenden Sitzung seiner Fraktion aufmacht. Auf der soll auch vorberaten werden, ob eine Fortsetzung der grün-schwarzen Koalition möglich ist. „An mir wird es nicht liegen“, sagt Epple, „auch wenn uns die vergangene Legislaturperiode keinen großen Schub gebracht hat.“

Mit dabei ist ebenfalls Tobias Vogt, der sich ab 22 Uhr immer sicherer wurde. Vor Mitternacht war ihm dann klar: Mit 24,5 Prozent im Wahlkreis Bietigheim-Bissingen landet er bezirksweit direkt hinter Epple auf Platz 11, deutlich besser als bei der vorangegangenen Wahl, die am Ende Platz 16 und noch knapp den Einzug in den Landtag für seinen Vorgänger Fabian Gramling bedeutet hatte, der nicht mehr antrat. Und trotz des desaströsen Abschneidens der Landespartei und dem Sturz auf 24,1 Prozent hat Vogt am Montag auch etwas Positives gefunden: „Das erste Mal seit Lothar Späth liegen wir im Wahlkreis Bietigheim-Bissingen über dem Landesschnitt“, sagt er über „seine“ 24,5 Prozent und den Vergleich mit 2016, wonach es umgerechnet nun in jeder Kommune besser lief.

Bei aller Freude über seine persönlichen Ergebnisse wurde er aber schon am Montag auf den Boden der Tatsachen geholt, bei der Fraktionssitzung – „mit Aussprache, da gab es viel zu bereden“. Und für ihn zu tun, schließlich beginnt nun ein neuer beruflicher Abschnitt, während sein Bruder das elterliche Autohaus weiterführen wird.

Bei FDP und SPD ist am Wahlabend dagegen schnell klar, dass es nichts mit Landtagsmandaten wird. Die Kreis-Liberalen kommen erstaunlich ähnlich ins Ziel. Elvira Nägele holt in Bietigheim-Bissingen 10,9 Prozent, Roland Zitzmann in Vaihingen 11,1 Prozent und Stefanie Knecht in Ludwigsburg 11,2 Prozent – also etwa einen halben Prozentpunkt vor der Landespartei. Allerdings hätte es noch etwas mehr sein müssen: 11,6 Prozent erreicht jener Liberale, der es als Letzter aus dem Regierungsbezirk in den Landtag schafft. „Es war von vornherein schwierig“, sagt der Horrheimer Zitzmann. „Aber die Politik ist kein Ponyhof.“ Für ihn war es der zweite Anlauf – einen dritten wird es wohl nicht geben. „In fünf Jahren bin ich über 60“, sagt Zitzmann. „Dann müssen die Jüngeren ran.“

Bei der SPD ist die Luft noch deutlich früher raus. „Das Thema Landtagsmandat ist durch“, sagt der Asperger Torsten Liebig, der in Vaihingen einstellig bleibt, kurz nach der ersten Hochrechnung. Der Remsecker Physiker Colin Sauerzapf schafft in Ludwigsburg immerhin 12,1 Prozent. Mit Daniel Haas in Bietigheim-Bissingen setzte die SPD in allen drei Wahlkreisen auf relativ junge Männer – es scheint kaum denkbar, dass Frauen bei der Kandidatur in fünf Jahren erneut leer ausgehen werden.

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