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Zwischen den Wendepunkten

Der Bietigheimer Songwriter Mike Janipka spielt am Samstag in der Musikhalle

Mike Janipka. Foto: Michael Fuchs/p
Mike Janipka. Foto: Michael Fuchs/p

Ludwigsburg. In Coronazeiten bedeutet Kartenvorverkauf Mathematik für Fortgeschrittene. Die Kernfrage lautet dabei: Wie viele Zuschauer kann ich maximal in den Saal lassen, ohne die Abstandsregeln zu gefährden? Und lohnt sich das überhaupt? Mike Janipka geht einen Weg, den derzeit viele Kulturveranstalter erproben: Der Bietigheimer Musiker wird an diesem Samstag, 24. Oktober, gleich zweimal mit dem gleichen Programm in der Musikhalle auftreten – um 18 und 20.30 Uhr. 86 Plätze (von eigentlich 400) bleiben da noch jeweils übrig. Zumindest würde das keinen Verlust bedeuten, erklärt Janipka. Doch das sei nicht alles, was zähle. „Wir möchten vor allem zeigen: Es passiert noch etwas. Wir wollen mit der Veranstaltung den Menschen Mut machen.“ Dank Hygienekonzept sei das Konzert sicher, betont er.

Corona hin, Corona her, am Ende steht natürlich dennoch das Programm unter dem Motto „Music & (He)art“ im Mittelpunkt – und das geht über das rein Musikalische weit hinaus: Neben Gesang und Gitarrenspiel von Mike Janipka, der von Michael Schlierf am Piano begleitet wird, ist auch eine Beamerprojektion von Jürgen Redelius, Professor für Digitale Medien in Mannheim, auf einer großen Leinwand zu sehen sein, bis zu fünf Bilder pro Song, die das jeweilige Thema aufgreifen. Dazu gibt es eine Tango-Tanzeinlage von Enrique Grahl und Romina Tumini, außerdem zeigt Dagmer Härle aus Freiberg ihre „Herzenskunst“. Ein Abend für fast alle Sinne also. „Wir spielen Romantisches, Nachdenkliches und natürlich Visionäres“, erklärt Janipka die Felder, auf denen er und seine Mitstreiter agieren. Im Februar, also kurz vor dem Lockdown, zeigten sie das Programm im Theater Heilbronn, bei anderer Gelegenheit in Stuttgart hat sogar Ministerpräsident Winfried Kretschmann schon einem Teil des Programms lauschen dürfen. Wie der Landesvater es wohl fand? Das ist leider nicht überliefert.

Wirklich gerecht gehe es in der Coronakrise oft nicht zu, findet Janipka. Während große Konzerne mit Kurzarbeit und anderen Maßnahmen gestützt würden, stehe die Kultur, abgesehen von einzelnen Finanzhilfen, alleine da. Der Berufsmusiker spüre die große Verunsicherung – bei Künstlern, Veranstaltern und Publikum gleichermaßen. Die Menschen zögen sich zurück, Kultur rücke aus dem Blickfeld. Zumal es in der kalten Jahreszeit, in der Open-Air-Konzerte als Konzept wegfielen, automatisch noch um einiges schwerer werde. Zehn Konzerte spiele er in der Regel monatlich, seit Beginn der Coronakrise im Frühjahr sind 80 Prozent davon ausgefallen, schätzt der Songwriter.

Wie so manch ein Kulturschaffender machte Mike Janipka aus der Not eine Tugend und strukturierte seinen Alltag um. Statt der geplanten Konzerte widmete er sich der Aufnahme seines neuesten Albums „Wendepunkt Liebe“. „Es ist wichtig, in solchen Situationen umzudenken, umzuschichten“, erklärt Janipka. „Man muss den Blick immer auf das lenken, was möglich ist.“

Wie eine Vorahnung erscheint ihm heute der Song „Am Wendepunkt“, den er noch vor der Coronakrise komponierte: „Was fang’ ich an, in dieser Zeit / was nützt mir noch, was will ich aussortier’n / was ist von Wert, was ist hinüber / was will ich halten, was verliern“ heißt es darin. Der Text, findet Mike Janipka, passe heute besser denn je.

Info: Unter www.mikejanipka.de gibt es weitere Infos zum Konzert am Samstag, 24. Oktober, um 18 und 20.30 Uhr in der Musikhalle. Es wird auch eine Abendkasse geöffnet sein.

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