Logo

AfD-Landtagskandidat Friedemann Meyer zum Thema Verkehr

Friedemann Meyer bewirbt sich für die AfD um ein Landtagsmandat in den Wahlkreisen Ludwigsburg sowie Vaihingen/Enz. Für das Interview mit unserer Zeitung hat er sich das Thema Verkehr ausgewählt.

350_0900_30391_Friedemann_Meyer.jpg
350_0900_30874_LKZ_Landtagswahl2021.jpg

Die AfD fordert, Baden-Württemberg müsse wieder Autoland statt Stauland sein, weshalb mehr Autobahnen gebaut werden sollen. Ist das noch zeitgemäß?

Uns geht es hierbei nicht so sehr um den Autoverkehr, sondern um ein Transportproblem im Güterverkehr. Es fehlt im Grunde eine Ost-West-Achse. Von Memmingen eine Traverse über den Schwarzwald nach Freiburg. Derzeit gibt es zwei Süd- und Nordachsen im Südwesten, wo es auf den rechten Spuren Elefantenrennen und Staus gibt. Denn der Ost-West-Transit führt ja bisher auf der A8 Richtung Leonberger Kreuz und verursacht dort Staus, macht dann am Karlsruher Dreieck wieder Staus und fährt schließlich die Rheinschiene nach Süden und Westen. Das wollen wir abkürzen. Eine Querverbindung hätte auch Standortvorteile für Villingen-Schwenningen oder Sigmaringen. Diese Gebiete sind in Baden-Württemberg derzeit Sorgenkinder bei der Infrastruktur. Die Verbindung nach Freiburg wird sicher nicht einfach, da müssen Ingenieure eine Lösung finden.

Und wie sieht es mit der Entlastung in der Region Stuttgart aus?

Da wäre eine weitere Autobahn als Nord-Ost-Umfahrung Stuttgart dringend notwendig. Eine Nord-Ost-Entlastung ist ja schon lange im Gespräch. Wir tendieren da eher zu einer Untertunnelung. Man könnte damit sowohl die Stadt entlasten als auch die Luftqualität verbessern. Die Planung ist ja da, man müsste sie nur endlich anschieben.

Wäre es nicht besser, den Schwerlastverkehr mehr auf die Schiene zu verlagern, dann könnte man sich zusätzliche Autobahnen sparen?

Der Gütertransport auf der Schiene schafft leider nur 15 Prozent des Güterverkehrs. Mehr ist technisch momentan nicht drin. Man kann die Züge ja nicht endlos lang machen. Wir haben mit der Bahn darüber auch schon gesprochen. Da bräuchten wir ein separates Güternetz, das ich aber nicht für zielführend halte. Besser wäre es, dass wir das bisherige Netz erhalten, um darauf den Güterverkehr zu erhöhen. Und ergänzend zu ICE-Schnellstrecken, von denen die Bahn ja schon einige gebaut hat, könnte man ein weiteres Personenverkehrsnetz schaffen. Da wären unsere Ingenieure gefordert, die dabei gleich eine neue Technikinnovation hervorbringen könnten.

An was für ein System denken Sie dabei?

Wie etwa beim Transrapid. Das muss ja keine Magnetschwebebahn sein, sondern eine neue Technologie, etwa Mono-Schiene. Das brächte neues Know-how, das wir exportieren könnten. Mit einem weiteren Schienensystem könnte die Kapazität für den Gütertransport auf dem bestehenden Netz gut zwischen 30 und 40 Prozent, vielleicht bis zu 50 Prozent gesteigert werden. Wo es möglich ist, bin ich dafür, dass mehr auf die Schiene verlagert wird. Allerdings wird man um die Ost-West-Achse über den Schwarzwald langfristig nicht herumkommen. Auch wegen der schnellen Verbindung.

In Städten wird der Autoverkehr, dem Ihre Partei gerne den Vorrang einräumt, zunehmend zum Problem. Zugleich entdecken immer mehr Menschen das Fahrrad. Wäre das nicht die Chance, Radwegnetze zulasten des Autoverkehrs auszubauen?

Grundsätzlich ist das gut, wenn man den Verkehr zweckmäßig reduzieren kann. Da bin ich auch dafür. Wir haben aber das Problem, dass wir in der Region noch viel Pendlerverkehr haben. Und Pendler kriegen Sie kaum aufs Rad. Bei einem Radwegausbau kann es aber nicht sein, dass man einfach von zwei Spuren eine wegnimmt oder Straßen verengt. Wie beispielsweise der Radweg an der Marbacher Straße in Ludwigsburg, der noch nicht einmal stark frequentiert wird. Besser wäre es, den Auto- und Radverkehr zu trennen. Auch aus Sicherheitsgründen, damit Radler auf Abstand bleiben können zu den Autofahrern.

Sie treten ja in zwei Wahlkreisen an. Welche Projekte halten Sie mit Blick auf den gesamten Landkreis für wichtig?

In Ludwigsburg müsste endlich eine Lösung für die B27 her, um diese Autoschlucht, die die Stadt trennt, zu beseitigen. Was am besten wäre, Tunnelbohrung oder Deckelbauweise, das müssten die Straßenplaner ermitteln. Letztlich ist es eine Kostenfrage. Für ganz dringlich halte ich eine S-5-Verlängerung nach Sachsenheim und Sersheim. Ein Problem gibt es zum Beispiel auch in Vaihingen/Enz für Pendler, die in die Gewerbegebiete wollen. Da bräuchte es eine bessere Shuttle-Taktung, damit diese Personen nicht zu lange am Vaihinger Bahnhof stehen. Zum Teil muss man dort eine Stunde lang warten. Hilfreich wären an S-Bahnen ohnehin mehr Park-and-ride-Plätze. Dann würden sicher mehr Menschen auf die Bahn umsteigen.

Autor: