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Landtagskandidat

AfD-Landtagskandidat Nikolaos Boutakoglou im Gespräch: „Rechtsradikalismus kein Thema“

Er ist geboren in Griechenland, er hat sein eigenes Handwerksunternehmen. Er steht auf Fleiß, Rechtschaffenheit und findet rechtes Gedankengut überhaupt nicht gut. Gleichwohl tritt Nikolaos Boutakoglou für die AfD im Wahlkreis Bietigheim-Bissingen an. Wie passt das zusammen?

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Foto: Andreas Becker

Bietigheim-Bissingen/Vaihingen. Einer seiner Lieblingsorte in Bietigheim sind die Weinberge zwischen der Kammgarnspinnerei und der Altstadt. Ein wunderbarer Blick hinunter ins Enztal und dann weiter auf die Altstadt. Es ist auch Industrie zu sehen und der Viadukt, eben alles, was zu Bietigheim gehört. „Ich mache hier öfters Mittag. Dann wird das Handy ausgemacht und ich kann für kurze Zeit die Seele baumeln lassen“, sagt Nikolaos Boutakoglou.

Im Jahr 1989 kam er mit seinen Eltern aus Griechenland. Zuerst lebte er in der Nähe von Calw, dann bei Niefern im Enzkreis. Er besuchte die Hauptschule und machte anschließend eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker. Mit seinem neuen Job kam er fast überall im deutschsprachigen Raum herum. Doch nach sieben Jahren wollte er mehr. Er machte den Installateurmeister, zog in den Vaihinger Stadtteil Ensingen und machte 2015 sein eigenes Handwerksunternehmen auf. „Wir haben hauptsächlich Privatkunden rund um Vaihingen, aber auch im Raum Oberstenfeld und Backnang. Die Leute wissen es zu schätzen, wenn man sauber und ehrlich arbeitet“, so Boutakoglou.

Seine Arbeit macht ihm Spaß, morgens früh aufstehen, dafür ist dann zwischen 16 und 17 Uhr auch Feierabend. Doch er sorgt sich auch um den Nachwuchs. Es gebe zu wenig Lehrlinge, nicht nur in seinem Beruf. Man müsse bereits an den Schulen anfangen, nach Auszubildenden zu schauen. Das Handwerk sei vielfältig und interessant. Als Installateur habe man mit der Technik einer Ölheizung zu tun, ebenso wie mit dem Installieren eines Waschbeckens oder einer Armatur.

Daher ist er auch bei der Innung aktiv. Doch auch hier gelte es manchmal, dicke Bretter zu bohren. Das sei auch der Grund, warum er sich so stark für die Politik interessiere. Er wolle etwas bewirken. „Ich komme von ganz unter. Mein Vater hat in der Fabrik gearbeitet und meine Mutter in der Altenpflege. Ich weiß, wie schwer es ist hochzukommen, doch bei uns hier ist das möglich“, so der AfD-Kandidat.

Angefangen hat er allerdings bei der CDU. 2009 ist er eingetreten und 2013 war er schon wieder draußen. Das sei nichts für ihn gewesen, die kleinen Probleme der Leute seien dort überhaupt nicht besprochen worden. Dort habe man sich nur für die große Politik interessiert. Er hat dann andere Parteien ausprobiert und ist schließlich bei der Alternative für Deutschland – kurz AfD – gelandet. Das Programm habe ihn überzeugt.

Da wird er zum Überzeugungstäter. Nein, rechtes Gedankengut habe er bei der AfD noch nie erfahren. Dagegen wehrt er sich. Klar weiß er von den Vorwürfen gegenüber seiner Partei, doch ihm sei das noch nie untergekommen. Das sei nur ein verschwindend kleiner Teil in der Partei. Der allergrößte Teil stehe hinter dem Parteivorsitzendem Jörg Meuthen.

Nikolaos Boutakoglou erzählt gerne von einer Auseinandersetzung mit einer Frau vor einigen Jahren. Sie habe eben solches rechtsradikales Gedankengut in die Partei hineingetragen. Das habe er mit ihr ausdiskutiert und ein paar Wochen später sei sie ausgetreten. „Der Flügel hat höchstens zehn Prozent innerhalb der Partei“, so der AfD-Kandidat.

Boutakoglou will nicht über die großen politischen Themen reden. Er versteht sich als Vertreter der kleinen Leute, will sich um ihre Probleme kümmern. Auch die Parteispendenaffären in der Baden-Württemberg-AfD will er nicht kommentieren: „Ich benötige Fakten. Aber wenn jemand verurteilt ist, dann muss er auch gehen, um Schaden von der Partei abzuwenden.“

Bei aller Politik schlagen doch – zumindest kulinarisch – zwei Herzen in seiner Brust. Beim Rotwein steht er auf Lemberger, beim Weißwein zieht er einen Griechen vor. Die Vorlieben wechseln außerdem zwischen Linsen und Spätzle, griechischen Spezialitäten und bayerischen Weißwürsten mit einem frischen Weißbier. Der Ausflug zu den Nachbarn ist nachvollziehbar, schließlich kommt seine Frau aus Bayern.

Auf unserem Instagram-Kanal (@ludwigsburgerkreiszeitung) unter dem Highlight „Landtagswahl“ finden Sie zudem kurze Porträts der Kandidaten in Videoform.

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