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CDU-Landtagskandidat Konrad Epple - Immer einen schrägen Spruch drauf

Früher holte die CDU den Wahlkreis Vaihingen im Schlaf – Jetzt muss ihn Konrad Epple von den Grünen zurückerobern

Gutes Pflaster: Der CDU-Abgeordnete Konrad Epple in Markgröningen. Hier hat ihn seine Partei zweimal als Kandidat für den Landtag nominiert. Foto: Holm Wolschendorf
Gutes Pflaster: Der CDU-Abgeordnete Konrad Epple in Markgröningen. Hier hat ihn seine Partei zweimal als Kandidat für den Landtag nominiert. Foto: Holm Wolschendorf

Markgröningen. Auf dem Markgröninger Marktplatz steht Konrad Epple vor einer Buchhandlung und blickt ins Schaufenster. Der Ditzinger Schlossermeister, Feuerwehrmann und Landtagsabgeordneter der CDU, als dessen Stärke schräge Sprüche gelten, sieht die Biografien von Michelle Obama und Kamala Harris. Daneben steht das Werk des grünen Posterboys Robert Habeck. „Wer ist das?“, fragt Epple und schmunzelt. „Jaja, alle 90 Sekunden verliebt sich ein deutscher Journalist in Robert Habeck.“ Das Zitat, das der Abgeordnete sofort parat hat, kommt von Friedrich Merz, den die CDU im Kreis Ludwigsburg bei seinen erfolglosen Versuchen, Parteichef zu werden, unterstützt hatte.

Epple, 57, Schnauzbart, Haare nach vorne gekämmt, mit Krawatte unter dem Mantel, will jetzt weg von diesem Schaufenster. Es soll ja ein Spaziergang im Vorfeld der Landtagswahl in vier Wochen werden. Er steuert über das Kopfsteinpflaster die Ostergasse an. Markgröningen ist für ihn voll mit guten Erinnerungen. Zweimal nominierte ihn die Partei hier zum Kandidaten des Wahlkreises Vaihingen. Ein drittes Mal gab es nur deshalb nicht, weil sich das Virus über das Land gelegt hat. Sein Wahlkreis war früher eine Bank für die CDU, als Annemarie Griesinger, die Ministerin, oder Günther Oettinger, der spätere Hausherr der Villa Reitzenstein, der wie Epple aus Ditzingen kommt, an vorderster Front kämpften. Spötter sprachen von einem Schlafwagenwahlkreis, weil ihn die Frau Minister und der Herr MP im Schlaf holten.

Epple ist eher nicht der Typ, der im Schlafwagen unterwegs wäre, wenn das heute noch gehen würde. In der Nacht war er für die Ditzinger Feuerwehr im Einsatz, weil um 2.10 Uhr, nein, Epple korrigiert sich, weil um 2.11 Uhr der Brandmelder einer Firma anschlug. In Ditzingen ist für ihn nicht der Chef im Rathaus der OB, sondern er selbst, der Oberbrandmeister. „Mehr geht bei der Feuerwehr nicht.“ Noch so ein Gag, den er gerne bringt.

Der Abgeordnete ist jetzt vor der Bäckerei Schmid angekommen und will erzählen, wie er den Schlafwagenwahlkreis für die CDU zurückerobern will. Vor fünf Jahren hat hier tatsächlich der Vaihinger Grüne Markus Rösler gewonnen, in den sich zwar nicht alle 90 Sekunden ein Journalist verliebt, der aber wie Habeck zuweilen einen Dreitagebart trägt und viel unterwegs ist. „Wir hatten damals nicht groß Rückenwind“, sagt Epple. „Und wenn Sie bei einer Wahl antreten, müssen Sie da auch mit allen Konsequenzen durch.“

Epple unterstützt die Umfahrung für Enzweihingen oder die Stadtbahn, die ihren Startpunkt in Markgröningen haben und von hier nach Ludwigsburg fahren soll. „Der Nahverkehr muss ertüchtigt werden, ohne die Straße zu vernachlässigen“, sagt er. Außerdem will er den Siedlungsdruck junger Familien, den Wunsch der Unternehmen nach Flächen und die fruchtbaren Böden der Bauern unter einen Hut bringen.

Den Bäcker in der Ostergasse kennt Epple gut, er ist ein Feuerwehrkamerad. Die Tochter war einmal Vaihinger Weinprinzessin. Beim Schäferlauf trinkt Epple nebenan mit anderen Honoratioren auf Einladung einer älteren Dame gerne ein Achtele Markgröninger Wein. Vor der Bäckerei parkt ein Lastwagen, der von der Enzweihinger Mühle kommt und Mehl geladen hat. Epple ist begeistert. Ein lokaler Betrieb beliefert den Bäcker um die Ecke. „Davon leben wir doch“, sagt er.

Der Abgeordnete schlendert weiter durch die Altstadt. In der Hand hält er seine Lesebrille, die er gerne ums Handgelenk dreht. Am Tag kommt Epple auf 4000 bis 6000 Schritte, mehr mache die Hüfte nicht mit. Hinter der Bartholomäuskirche erzählt Epple, wie er den früheren Bundespräsidenten Gauck bei seinem Antrittsbesuch im Landtag erlebt hat – und dass er in Berlin den Nachfolger Steinmeier mitgewählt habe, obwohl der bei der SPD ist. In seinem Wahlkampf kann der Ditzinger auf prominente Unterstützung zählen, wenn auch nur online. Der alte Kämpfer Wolfgang Bosbach habe zugesagt, der Bundestagspräsident Schäuble oder der Innenminister Strobl, der Schäubles Schwiegersohn ist und der Spitzenkandidatin Eisenmann den Vortritt gelassen hatte. Epple hält die Kandidatin für engagiert. „Sie ändert nicht alle zwei Wochen ihre Standpunkte.“ Tatsächlich hatte Eisenmann früh dafür plädiert, die Schulen wieder aufzumachen. Jetzt könnte es am 22. Februar so weit sein.

Wenn Epple den Wahlkreis von den Grünen zurückholen will, dann ist er darauf angewiesen, dass Eisenmann ein gutes Ergebnis einfährt. Und wenn es nichts mit weiteren fünf Jahren in Stuttgart werden sollte? Dann arbeitet er eben in seiner Schlosserei. „Ich bin nicht abhängig von der Politik.“ Montags pausiert der Landtag meistens, dann verlegt Epple Wasserleitungen, eine Zusatzausbildung macht es möglich. Daheim in Ditzingen sitzt er zudem im Rat, hier hat er eine Wohnung, seine Mutter wohnt im selben Haus. Für ein Achtele würde Epple, der Mann mit den schrägen Sprüchen, für den Politik nicht alles ist, wohl auch ohne Mandat wieder nach Markgröningen kommen.

Auf unserem Instagram-Kanal (@ludwigsburgerkreiszeitung) unter dem Highlight „Landtagswahl“ finden Sie zudem kurze Porträts der Kandidaten in Videoform.

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